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Altersvorsorge : Die Riester-Bombe

von Wolfgang Uchatius Zeit

Wolfgang Uchatius schloss bei einer ganz normalen Versicherung einen Vertrag über eine private Altersrente ab. Dann stellte er fest, dass mit dem Geld Streubomben gebaut werden.

ILLUSTRATION - Zwei Quelle: dpa
ILLUSTRATION - Zwei Spielzeugfiguren, die ein älteres Ehepaar darstellen, sitzen auf einer Parkbank auf dem Logo der Europäischen Union vor einem 50-Euro-Geldschein am Mittwoch (18.05.2011) in Schwerin. Die Bundeskanzlerin hat das frühe Renteneintrittsalter und die Urlaubsregelungen in finanziell angeschlagenen Euro-Staaten kritisiert. Angesichts der Milliardenhilfen könne man in Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal nicht früher in Rente gehen als in Deutschland. Foto: Jens Büttner dpa/lmv (c) dpa - Bildfunk Quelle: dpa

Wolfgang Uchatius schloss bei einer ganz normalen Versicherung einen Vertrag über eine private Altersrente ab. Dann stellte er fest, dass mit dem Geld Streubomben gebaut werden.

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Neulich habe ich mir eine Streubombe gekauft, sie heißt CBU-105. Es ist ein amerikanisches Modell, olivgrün, fast zweieinhalb Meter lang und 421 Kilogramm schwer. Das Besondere an dieser Bombe ist, dass sie nicht explodiert. Sie öffnet sich nur. Sie gleitet durch die Luft, der Stahl springt auf, und heraus fliegen vierzig kleine Sprengkörper, flach und rund, kaum größer als Eishockeypucks. Sie heißen Bombletten.

Im Internet habe ich ein Video über meine Bombe gefunden. Man sieht darauf Panzer, die lautlos auf einen zurollen. Es gibt dieses Video in verschiedenen Versionen. Die Bilder sind dieselben, nur der Text ändert sich. Mal ist von Irakern die Rede, die in den Panzern sitzen, mal von Pakistanern, einmal heißt es nur: die Feinde. Jedes Mal aber ist es ein einzelnes Flugzeug, das die Rettung bringt. Die Rettung ist meine Bombe. Sie öffnet sich, verstreut die Bombletten in der Luft, die Panzer explodieren. Am Ende erscheint ein Satz auf dem Bildschirm: „Eine Bombe, viele Ziele."

Eine Bombe, viele Ziele

Naser Aayash ist auf dem Video nicht zu sehen.

Er ist ein 39-jähriger Mann, der in einer kleinen Stadt im Süden des Libanon lebt, sie heißt Harouf. Aayash hatte dort früher eine Autowerkstatt. Er hämmerte an Achsen und Ölwannen herum, das Geschäft lief gut. Hinter der Werkstatt steht ein Haus, dort wohnte Aayash mit seiner Frau, seiner Mutter und seinen drei Kindern. Das war sein Leben, damals.

Ich traf Naser Aayash, als ich mehr über die Art von Bombe herausfinden wollte, die ich mir angeschafft hatte. Die Stadt Harouf ist ein guter Ort dafür. Es ist von dort nicht weit bis zur israelischen Grenze, nicht weit zu der Stelle, an der die islamistische Hisbollah-Miliz am 12. Juli 2006 mehrere israelische Soldaten tötete und zwei weitere in den Libanon entführte. Wenige Stunden danach stiegen die ersten Kampfflieger auf. Die Israelis nannten es „Operation gerechter Lohn“.

Die Flugzeuge feuern Raketen und werfen Streubomben. Eine Bombe, viele Ziele. Die Bombletten durchschlagen Fenster und Dächer, sprengen Löcher in Mauern, zerstören Autos. Oft fallen sie nur auf die Erde und bleiben liegen.

Diesmal war es anders.

Nach vier Wochen ist der Krieg vorbei. Es herrscht wieder Frieden in Harouf. Naser Aayash dankt Gott und ruft seine Familie an. Während der Bombardements hat er seine Frau und seine Kinder zu seinem Bruder in die Hauptstadt Beirut geschickt, dort waren sie sicher. Jetzt kommen sie zurück.

Ein paar Tage später, am Morgen des 18. August 2006, setzt sich Naser Aayash in seinen Wagen und fährt an die Küste. Es ist warm, die Sonne lässt das Meer leuchten. Es ist ein Bild, das zum Frieden passt. Aayash will einen Freund besuchen. Sie wollen ihr Überleben feiern.

Auf dem Weg kommt er an einem Haus vorbei, es steht auf einem Feld. Das Dach ist eingestürzt, von Bomben getroffen. Aayash will sich den Schaden ansehen, er kennt das Haus, ist oft daran vorbeigefahren. Er steigt aus, geht einen Schritt zum Straßenrand. Hohes Gras wächst dort, auf brauner Erde, dicht stehen die Halme. Aayash beachtet sie nicht, es ist ja nur ein Acker, erst später wird er sich erinnern, sich fragen, warum er nicht gesehen hat, was da auf dem Boden lag. Jetzt aber geht er weiter. Der zweite Schritt. Der dritte. Dann bricht das Feuer aus ihm heraus.

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14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2011, 18:56 UhrAnonymer Benutzer: In memoriam Frohsinn-Nobi: Die RENTE IST SICHER!

    Zwar sind die 17 EWU-Staaten inkl. den (noch) verbliebenen Rettungs-Nettozahlern durch die bank selbst jetzt schon ohne jegliche Rettungshilfen nur noch unumkehrbar selbst überschuldet:
    Deutschland: z.Zt. mit 2.100 + 7.000 Mrd Euro, bei im bundeshaushalt gerade noch freien nur ca. 15-20% (45-60 Mrd p.a.)!

    DE hat seit 40 Jahren nicht 1 Cent/Pfennig je zurückgezahlt, anders wie meisten Wähler dank Politlügen vom "Sparen" denken, sondern zahlt nur Zinsen, z.Zt. mind. 100 Mio Euro PRO TAG an "UNSERE" bANKEN die WiR retten!
    Dabei betragen gesamte SCHULDEN ALLER deutscher STÄDTE/Kommunen aus 40 Jahren Dauerverschuldung: "nur" 150 Mrd!!!

    Lt. OECD sind nur explizite 2100 Mrd deutscher Staatschulden bereits gleich 87% des biP, wo bei 90% (also bei gerade +75 Mrd EiNMALiG) der Staat lt. US-Wirtschaftsprof Rogoff bereits als voll ÜbERschuldet gilt!

    Und restliche EU-Länder sind ex-/implizit (Staats-/Sozialstaatsschulden) im bereich ca.250%-1550% ihres biP überschuldet!
    D.h. alle ohne Ausnahme sind jetzt schon nur noch PLEiTE und weitgehend OHNE zukünftige DECKUNG v.a. ihrer SOZiALSCHULDEN (Renten), d.h. durchschnittliche REALE DECKUNG europäischer Renten dürfte bei max. 10-15% liegen, wo in DE lt. Prof. Raffelhüschen die bei gerade noch ca. 25-30% liegt!

    2/3 der Rente ist also heute schon, OHNE bANKENRETTUNG, SoFFin, 2x GR-Hilfe, EFSF, ESM, etc: NUR NOCH REiNE UNGEDECKTE HEiSSLUFT!

    Also auf zu neuen solidarischen EWU-Rettungsufern, sonst wir böse Uneuropäer! :)

  • 09.06.2011, 22:55 UhrAnonymer Benutzer: Philosoph

    bub, lass dir was sagen! in 26 Jahren sind deine 100 000 Euro erstens keine Euros mehr und zweitens keine 100 000 mehr wert. Die Chance, dass dich durch immer unmenschlichere Arbeitsbedingungen der Schlag oder Herzinfarkt trifft ist ziemlich hoch. Und wenn's das nicht ist, dann fault dir bis dahin durch immer stärkere Umweltzerstörungen wahrscheinlich ein Karzinom aus dem bauch. Solltest du die Rente gesund erleben, wird dir unser lieber "Staat" garantiert deine Riester-Rente oder jedwedes Kapital auf einen Rentenanspruch anrechnen. Das bedeutet, "bürgergeld" gibts erst, wenn dein Vermögen aufgebraucht ist. Und das wird bis dahin die Mehrheit der bevölkerung gerecht finden.

    Sei nicht dumm, nimm monatlich deine 167 Euro und tu die nächsten 26 Jahre dir und anderen was Gutes. So vermeidest du auf ganz einfache Weise den bombenbau und bei Petrus am Himmelstor hast du vielleicht mal die besseren Karten.

  • 09.06.2011, 14:20 UhrAnonymer Benutzer: HappyMann

    Der Artikel zeigt, die Verantwortung liegt zum größten Teil bei den Verbrauchern bzw. bürgerinnen. Jeder bürgerinn kann durch seine bewussten Entscheidungen in allen belangen des Lebens Einfluss nehmen. Dies gilt auch für seine Geldgeschäfte und Altersvorsorge.

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