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Anlageexperte Schuh im Interview: "Ventil für das Geld“

von Heike Schwerdtfeger

Deutsche-Bank-Anlageexperte Georg Schuh glaubt an eine anhaltende Börsenrally und bevorzugt Aktien aus Europa.

Deutsche-Bank-Anlageexperte Georg Schuh
Deutsche-Bank-Anlageexperte Georg Schuh

WirtschaftsWoche: Herr Schuh, vor einem halben Jahr lautete Ihre Devise: rein in Unternehmensanleihen und im Sommer in Aktien wechseln. Ist jetzt noch der richtige Zeitpunkt?

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Schuh: Seit April haben wir verstärkt auf Aktien gesetzt. Inzwischen sind Aktien interessanter als Unternehmensanleihen. Deren Renditeaufschläge zu Staatsanleihen sind stark gefallen, das Risiko wird also nicht mehr entsprechend bezahlt. Privatanleger können die Unternehmensanleihen weiterhin halten, sollten aber Schwächen am Aktienmarkt nutzen, um dort einzusteigen.

„Ventil für das Geld“

Nach den Kursgewinnen überlegen Aktienanleger wohl eher, sich zu verabschieden.

Auch nach den zweistelligen Aktiengewinnen sollten sie noch keine Gewinne mitnehmen. Ich rechne mit einer Fortsetzung der Aktienhausse.

Was macht Sie da so optimistisch?

Durch die expansive Geldpolitik mit den starken Zinssenkungen erholt sich die Wirtschaft. In Rezessionsjahren laufen Aktien übrigens gut. Es ist ein normaler Zyklus. 1993 und 2003 gab es Parallelen. Bis Mitte 2003 senkte der damalige US-Notenbankchef Greenspan die Zinsen auf ein Prozent. Auch damals dachte man, die Weltwirtschaft könne sich nicht erholen. Dann begann die große Kreditblase. Wenn die Zinsen stark sinken, die wirtschaftliche Aktivität noch nicht so heiß läuft, dann ist das Ventil, wo das Geld hingeht, der Aktien- oder Immobilienmarkt. In diesem Jahr war es etwas anders: Der Schwerpunkt lag bei Unternehmensanleihen, weil der Immobilienmarkt von den Banken nicht unterstützt wurde. Aktien sind spät angesprungen, weil die Angst so groß war, dass die Wirtschaft in eine Depression verfällt. Analysten hatten ihre Gewinnschätzungen runtergeschraubt und werden wieder positiv überrascht.

Wie lange bleibt dann Luft in dieser Blase?

Noch ist hier keine Blase entstanden. Am Aktienmarkt sind Großanleger sehr zurückhaltend. Ich habe noch nie so niedrige Aktienquoten in ihren Portfolios gesehen. Versicherer halten etwa drei Prozent Aktien, andere vielleicht im Schnitt 15 Prozent. Unternehmensanleihen haben alle hochgefahren, deshalb bin ich für sie nicht mehr so optimistisch.

Wieso sollten Versicherer wieder Aktien kaufen?

Sie zögern noch, aber die Handbremse ist nicht mehr voll angezogen. Einige müssen aus aufsichtsrechtlichen Gründen noch bremsen. Aber viele haben auch erkannt, dass sie ihre Anlagestrategie etwas langfristiger ausrichten müssen. Großanleger sind in den vergangenen Jahren vermehrt in langlaufende Anleihen eingestiegen, die dann großes Verlustpotenzial bergen, wenn die Zinsen wieder steigen. Inflationszyklen bilden sich nicht über Nacht, aber mittel- bis langfristig sollten sie einen Teil ihres Geldes in reale Assets umschichten, also neben Aktien auch in Immobilien und Rohstoffe.

Welche Märkte halten Sie für interessant?

Weil die asiatischen Märkte weit vorgeprescht sind, ist Europa die bessere Wahl. Europäische Aktien sind günstiger bewertet als asiatische und US-Titel. Nach klassischen Bewertungsmodellen könnten sie sich sogar noch verdoppeln. Zudem können Anleger über Unternehmen, deren Wachstum asiengetrieben ist wie Siemens, ABB, BASF oder BHP, Linde oder Swatch die Asien-Rally spielen.

Ist Asien für Ihre Kunden nicht ein zu heißes Pflaster?

Nein. Längerfristig werden sie sich stärker nach Asien orientieren. Der chinesische Markt wird kurzfristig einen Dämpfer bekommen, aber hier läuft ein Superzyklus. Das Wirtschafts- und Gewinnwachstum wird lange viel höher sein als in Europa. In spätestens fünf bis zehn Jahren werden chinesische Aktien in die klassischen Indizes für entwickelte Märkte Einzug halten. Dann kommen Pensionsvermögensverwalter nicht mehr daran vorbei.

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6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.08.2009, 00:29 UhrAnonymer Benutzer: Aufklärer 211

    Ein Hoch auf die Einschätzungen von Herrn Schuh. Es ist davon auszugehen, dass Herr Schuh wirklich an das glaubt, was er hier zum besten gibt. Dabei aber gar nicht versteht, warum er interviewt wurde und wieseo er überhaupt etwas sagen durfte.

  • 19.08.2009, 17:08 UhrAnonymer Benutzer: Scharlatan

    Herr Schuh, der für die Dt. bank arbeitet, versucht, dumme Käufer für die millionenschweren Aktienpakete zu finden, von denen sich sein Arbeitgeber - möglichst verlustfrei - trennen will. Dies ist uns aus vertraulichen Quellen bekannt.

    Es ist einfältig zu glauben, dass es institutionelle Anleger, zu denen auch die Dt. bank zählt, "verpasst" hätten, die aktuelle bärenmarktrallye für sich zu nutzen. Nun ist die Rallye bald vorbei und Kleinanleger sollen die ausgelutschten Wertpapiere übernehmen.

    Herr Schuh, Sie sind nicht nur ein Scharlatan, sondern ein unmoralischer, schlechter Mensch.

  • 18.08.2009, 16:36 UhrAnonymer Benutzer: lingupingu

    "...Es ist ein normaler Zyklus..."

    Allein schon von der Größenordnung und dem globalen Ausmaß her ist diese Aussage schon unhaltbar.

    Es ist immer wieder das Gleiche: Denken in primitiven theoretisch mathematischen Konjunkturzyklen: Wirtschaft runter - Zinsen runter - Kredite rauf - Wachstum rauf - (Pseudo)Vermögen (immo/Aktien/Anleihen) rauf - inflation rauf - Zinsen rauf - Wirtschaft runter...und alles wieder von vorne.

    Problem: in der Wirklichkeit ist dieser Vorgang NiCHT vollständig reversibel ! Es entstehen nach jeder Reflationierung "Abfälle", die sich mit jedem neuen Zyklus akkumulieren und schliesslich die Reflationierung wirkungslos machen.

    Wer nun die Größenordnung der Staatsverschuldung + sonstige Konjunkturhilefn gegen die erreichte Wirkung aufrechnet, kommt ganz schnell ins Grübeln, von wegen "normaler Zyklus"...

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