Anlegertäuschung: Countrywide-Chef wegen Betrugs angeklagt

Anlegertäuschung: Countrywide-Chef wegen Betrugs angeklagt

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Dem Gründer und Vorstandschef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, wird Betrug in dreistelliger Millionenhöhe vorgeworfen

Der Chef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide soll Aktionäre getäuscht und einen dreistelligen Millionenbetrag erschwindelt haben. Die amerikanische Börsenaufsicht greift jetzt durch.

Es war eine der ersten spektakulären Bank-Übernahmen im Zuge der sich verschärfenden Finanzkrise und ein klares Signal für das Platzen der Immobilienblase in den USA: Im Januar 2008 übernahm die Bank of America den damals größten und akut von der Pleite bedrohten US-Immobilienfinanzierer Countrywide – mehr als ein halbes Jahr vor der Lehman Pleite. Jetzt greift die amerikanische Börsenaufsicht SEC bei der Aufarbeitung der Finanzkrise auf harte rechtliche Maßnahmen gegen Konzernverantwortliche zurück: Die SEC hat den früheren Chef von Countrywide wegen Betrugs in dreistelliger Millionenhöhe und Täuschung der Anleger verklagt. Zusammen mit Countrywide-Mitgründer Angelo Mozilo sollen noch zwei weitere Topmanager vor Gericht kommen. Die Konzernspitze hatte ihre hoch riskanten Kreditprodukte intern schon damals als „giftig“ bezeichnet, so der SEC-Vorwurf vor. Der 70-Jährige Mozilo habe zudem bei Aktiengeschäften auf Basis vertraulicher Informationen illegale Gewinne von rund 140 Millionen Dollar (99 Mio Euro) eingestrichen, sagte der zuständige SEC-Direktor Robert Khuzami gestern abend in Washington.

Mitverantwortlich für Immobilienkrise

Countrywide gilt wegen einer am Ende immer laxeren Kreditvergabe als wesentlich mitverantwortlich für die Immobilien- und Finanzkrise. Nach der Übernahme durch die Bank of America wurde der Firmenname inzwischen gestrichen. Der aus der New Yorker Bronx stammende Mozilo hatte das Unternehmen vor vier Jahrzehnten mit gegründet.

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Das scharfe Vorgehen der SEC gilt als möglicher Auftakt zu weiteren Aktionen zur juristischen Aufarbeitung der Krise. Die zuletzt selbst in die Kritik geratene Aufsichtsbehörde will sich laut US-Medien dadurch wieder profilieren. Kritiker werfen der SEC und anderen Behörden Versagen in der Finanzkrise vor.

Zwei weitere Manager verklagt

Die Börsenaufsicht SEC verklagte neben Mozilo den früheren Countrywide-Finanzchef Eric Sieracki und den einstigen operativen Leiter David Sambol. Alle Beschuldigten hätten die Anleger bewusst in die Irre geführt und die Risiken des Unternehmens verheimlicht, so die SEC. Die Anwälte der drei Topmanager wiesen alle Vorwürfe zurück. Laut SEC haben Mozilo und seine Kollegen in den Jahren 2005 bis 2007 eine immer risikoreichere Kreditvergabe betrieben. Dies sei aber nicht öffentlich gemacht worden, ovbwohl die börsennotierte Gesellschaft dazu verpflichtet gewesen wäre. Countrywide habe sich den Vorwürfen zufolge öffentlich als Finanzierer von hauptsächlich gut abgesicherten Hypotheken dargestellt, sei aber in Wirklichkeit ein zunehmend rücksichtloser Kreditgeber mit immer höheren Risiken gewesen. So habe Mozilo selbst einmal vertraulich ein Finanzprodukt von Countrywide als „toxisch“ bezeichnet, so Khuzami. Ein anderes Produkt habe der damalige Chef als so unsicher eingeschätzt, dass Counrywide nach Mozilos Worten „auf Blindflug“ gewesen sei.

Die SEC reichte wie stets in solchen Fällen zivilrechtliche Klagen ein. Eine strafrechtliche Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft und das Justizministerium ist zusätzlich möglich

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