Anleihen: Das Staatsanleihen-Monopoly

Anleihen: Das Staatsanleihen-Monopoly

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Monopoly - geht auch mit Staaten und Anleihen

von Andreas Toller

Die Euro-Krise richtet den Scheinwerfer auf die vormals als sicher geltenden Staatsanleihen. Jetzt bewegen das Geschäft mit Staatsanleihen und die Angst vor einem Zahlungsausfall die Märkte. Aber wer steckt eigentlich dahinter?

Jahrelang hat sich die Öffentlichkeit nicht für Staatsanleihen interessiert. Das waren Wertpapiere, mit denen nur große Investoren und institutionelle Anleger hantierten, für Privatanleger waren sie meist eine Nummer zu groß. Dabei waren und sind Privatinvestoren durchaus in Staatsanleihen investiert - allerdings ohne es zu wissen: nämlich über die verwalteten Vermögen ihrer Investment- und Rentenfonds, Lebensversicherungen oder auch staatliche Pensionsfonds oder Bankaktien in ihren Depots.

Privatanleger können also Griechenland dankbar dafür sein, dass das Geschäft mit den Staatsanleihen durch die hellenische Schuldenmisere in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde. Das ist aber auch das einzig Gute an der ganzen Schuldenkrise. Denn während Staatsanleihen vor wenigen Jahren noch nahezu ausnahmslos als risikolose Anlage galten, ist das heute nicht mehr so sicher. Die Angst vor einem Zahlungsausfall Griechenlands, Portugals, Spaniens, Irlands und nun sogar Italiens lässt die Zinsen, die diese Staaten für ihre ausgegebenen Staatsanleihen zahlen müssen, in die Höhe schnellen. So wie im Fall Italiens, nachdem die Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s angekündigt hatten, ihre Bewertungen Italiens zu überprüfen – aus Sorge, der hoch verschuldete Mittelmeerstaat könne sich dauerhaft nicht mehr selbständig finanzieren.

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Ein bisschen wie Monopoly

Das war natürlich ein Stück weit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Die Warnung der Ratingagenturen ließ die Zinsen, die Italien zahlen muss, auf mehr als sechs Prozent klettern. Das wiederum verteuert die Refinanzierung für die Berlusconi-Regierung und vergrößert den Argwohn der Märkte und der Ratingagenturen zusätzlich. Es setzt sich eine gefährliche Spirale in Gang, wie schon im Fall Griechenlands zu beobachten war. Ohne die Bestrafung Griechenlands durch die Märkte wäre das Staatsdefizit in Athen um einige Milliarden Euro kleiner. Das ist ein bisschen wie Monopoly: Wenn der Spieler mit Mühe seine Straßen mit Hotels bebaut hat, sollte er tunlichst nicht in die voll bebaute Schlossallee des Gegners laufen, bevor er über Los gegangen ist.

Italienische Banken halten italienische Anleihen

Die Kapitalmärkte können nicht anders: Anleger müssen Risiken bewerten und nötigenfalls die Flucht aus den betroffenen Anlagen antreten. Die Frage ist aber zum einen: Wer flieht da eigentlich? Und die noch bedeutendere Frage lautet: Wie erobern Staaten wie Italien und Irland das Vertrauen dieser Anleger zurück?  

Nach Recherchen des Handelsblatts sind die Inhaber der Staatsanleihen von Schuldensünderstaaten recht unterschiedlich strukturiert.  Die irischen Schulden von 113 Milliarden Euro und die griechischen Schulden von 341 Milliarden Euro werden zum Beispiel zu 46 beziehungsweise 44 Prozent von Vermögensverwaltern wie den oben genannten Versicherungen, Staatsfonds und Zentralbanken gehalten. Für Portugal mit 158 Milliarden Euro Schulden bietet sich ein ähnliches Bild. Das sieht das aber im Fall Italiens ganz anders aus: Dort halten nicht-italienische Institutionen und Anleger zwar mehr als die Hälfte der 1551 Milliarden Euro in italienischen Staatsanleihen. Den Rest halten aber nicht wie bei Griechenland und Irland zu großen Teilen der Internationale Währungsfonds, die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank, sondern die Italiener selbst: Italienische Banken haben mehr als 15 Prozent der Anleihen in ihrer Bilanz, andere italienische Institutionen  und Anleger sogar mehr als 28 Prozent, die restlichen 4,4 Prozent liegen bei der italienischen Notenbank.

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