Rot, rot, überall rot: Rote Balken auf dem Bildschirm stehen für Anrufer, die Runden in der Warteschleife drehen. Grün für Mitarbeiter, die nicht telefonieren, flackert nur Sekundenbruchteile auf. „Normalerweise hätten wir noch ein Sommerloch“, sagt Matthias Jauernig, Gruppenleiter im Callcenter der Deutschen Finanzagentur. Normalerweise. Aber jetzt ist Finanzkrise. Aktienkurse fallen, Unternehmensanleihen brechen ein, Geldmarktfonds werden geschlossen, vom Elend der in Form von Asset Backed Securities (ABS) verbrieften Kredite ganz zu schweigen. Privatanleger und Profis suchen sichere Anlagen. Und deshalb laufen in der Telefonzentrale der Finanzagentur des Bundes so viele Anrufe ein wie nie. Über 80.000 private Anleger meldeten sich im August. Normal sind 20.000 pro Monat. Keine drei Minuten bleiben den Beratern im Schnitt für einen Kunden. Jauernig erinnert dies an das Jahr 2000, als der Neue Markt crashte: „Die Anleger sind bedient und wollen wieder in sichere Werte gehen.“ Die Finanzagentur beschafft dem Bund ständig neue Kredite, indem sie Wertpapiere auflegt, von der 30-jährigen Bundesanleihe über die an Privatanleger verkauften Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze bis hin zu sechsmonatigen Geldmarktpapieren (Bubills). „Bundesobligationen bieten alles außer böse Überraschungen.“ Mit diesem Spruch zum Foto eines Toupetträgers, dem der Wind sein Haarteil vom Kopf weht, warb die Finanzagentur bis vor Kurzem um Anleger. „Keine bösen Überraschungen“, das setzte sich in den Köpfen fest, auch wenn die Kampagne jetzt eingestellt wurde. (Die deutsche Toupet-Lobby, auch so etwas gibt es, hatte sich beschwert, wegen Diskriminierung von Zweithaarträgern.) „Stell dir vor, du pumpst Vater Staat etwas Geld. Und er gibt dir mehr raus, als es war“, heißt der neue Slogan der Agentur. Schwarz-rot-golden leuchtet er von der Gummibärchen-Tüte, die an Jauernigs Rechner klebt. Bundespapiere gehen zurzeit weg wie Gummibärchen. Gerhard Schleif lächelt deshalb noch häufiger als sonst. „Investoren suchen einen sicheren Hafen“, sagt der Geschäftsführer der Finanzagentur: „Und da gibt es nichts Besseres auf der Welt als Bundesanleihen.“ Das Problem: „Es gibt nicht so viele, wie der Markt haben will.“ Die Finanzkrise treibt die Nachfrage, zugleich sinkt das Angebot: Weil der Bund mehr Steuern einnehmen wird als erwartet, kürzte Finanzminister Peer Steinbrück die für Juli bis September geplanten Anleihe-emissionen von 19 auf 16 Milliarden Euro.
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Im zweiten Stock des verschachtelten Gebäudes Lurgiallee 5, schräg gegenüber der Frankfurter Dependance der Finanzaufsicht BaFin, sitzen die Anleihehändler des Bundes vor ihren Bildschirmen. Pro Jahr werden 35 Auktionen für neue Wertpapiere von hier aus gesteuert. Käufer sind die Banken. Die nächste Auktion ist am 12. September, zweijährige Bundesschatzanweisungen für etwa sechs Milliarden Euro. Von acht bis elf Uhr können die 33 zugelassenen Geldinstitute mitsteigern. Die letzten Auktionen waren Selbstläufer: „Die Ergebnisse in den letzten Monaten waren sehr gut. Im Schnitt haben wir Angebote für doppelt so viele Papiere bekommen wie wir ausgeschrieben haben“, sagt Schleif. Folge: Die Banken bieten höhere Preise, der Bund spart Zinsen. Bei den Auktionen der 30-jährigen Bundesanleihe im Juni 2006 und im Januar 2007 hatte Schleif eher noch Probleme, sein Material unterzubringen. „Wir haben gerade mal das angebotene Volumen an Geboten gehabt“, sagt Schleif. Zur letzten Auktion Ende Juli, die US-Hypothekenkrise hatte die Märkte schon erfasst, gingen für 8,4 Milliarden Euro Gebote ein. Schleif teilte Anleihen für 3,375 Milliarden Euro zu. „Investoren flüchten in sichere Anlagen, selbst wenn der Tausch richtig Geld kostet“, sagt der Rentenhändler einer Landesbank. „Das AAA-Rating der Bundesanleihe ist eben stabiler als das einer ABS-Tranche.“ Die langweiligen sogenannten Bunds haben riskantere Papiere abgehängt (siehe Chart). Risiko muss wieder bezahlt werden. Die Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen, die im Liquiditätsboom der vergangenen Jahre stark zusammen gelaufen waren, gehen auseinander.








