Anleihespezialist Johannes Führ: "Top-Rating der USA ist ein Witz"

Anleihespezialist Johannes Führ: "Top-Rating der USA ist ein Witz"

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Johannes Führ

von Heike Schwerdtfeger

Die Verschuldung der Staaten wird weiter steigen, sagt Anleihespezialist Johannes Führ – und weicht auf Unternehmensanleihen aus.

WirtschaftsWoche: Herr Führ, Griechenland droht die Pleite, die Euro-Zone könnte auseinanderbrechen. Wie reagieren Ihre Anleger darauf?

Führ: Viele Kunden sind in Panik. Ich bekomme seit einer Woche Anrufe mit dem Tenor, sollen wir nicht aus dem Euro rausgehen, unser Geld wird bald nichts mehr wert sein? Ich frage dann: Wo wollen Sie hin?

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In Dollar und Franken?

Der Dollar ist keine Alternative. Die Staatsverschuldung der USA steigt schneller als die von Griechenland, das AAA-Top-Rating der Amerikaner ist für viele ein Witz. Zwar muss die Schweiz keine Hilfen für schwache EU-Länder zahlen, aber nirgendwo steigen die Sozialkosten prozentual so stark wie in der Schweiz. Von daher wird der Franken nicht mehr der sichere Hafen sein. Geld in Franken anzulegen ist eine reine Währungsspekulation, denn die Zinsen sind niedrig. Interessanter sind Nestlé-Anleihen. Das Unternehmen macht nur zwei Prozent seines Umsatzes in der Schweiz und viel Geschäft in wachstumsstarken Schwellenländern.

Kaufen Sie griechische Staatsanleihen?

Jeder hätte gerne 16 Prozent Rendite. Wir leihen aber nur demjenigen Geld, bei dem wir davon ausgehen, dass wir es zurückbekommen. Die EU-Rettung wird nicht funktionieren, wenn einige Politiker empfehlen, die Griechen sollten mit einer Staatspleite Spekulanten bestrafen, und andere gleichzeitig Anleger zum Anleihekauf animieren.

Die Europäische Zentralbank sagt, dass Griechenland seine Schulden senken kann.

Die EZB ist keine neutrale Autorität mehr, sondern ein Klub der größten Schuldner. Ich rechne selbst und komme für Griechenland auf jährliche Zinslasten von rund 18 Milliarden Euro und weitere 22 Milliarden Euro neue Schulden, also pro Jahr rund 40 Milliarden Euro neuer Kapitalbedarf. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist dort allerdings nicht viel höher als in Deutschland.

Das heißt...

...die Staatsverschuldung wird überall in der EU steigen und in acht bis neun Jahren der von Japan entsprechen – dann reden wir nicht von 70 Prozent Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, sondern von 200 Prozent.

Und von der kommen wir nicht mehr runter? 

Wer sagt, diese Verschuldung könne abgebaut werden, erzählt Märchen. Vielleicht erleben wir ein neues Wirtschaftswunder, wo alle mehr arbeiten und die Steuereinnahmen sprudeln. Vielleicht geben alle in Europa die sozialistische Grundhaltung auf. Aber das ist unwahrscheinlich. Denn durch die Bevölkerungsentwicklung leben künftig noch mehr Menschen von Transferzahlungen. Über Leistungskürzungen wird deshalb wenig geredet.

Verzichten Sie auf Staatsanleihen?

Nein. In Portfolios, in denen wir die Wahl zwischen Staats- und Unternehmensanleihen haben, stecken 30 Prozent Staatstitel. Es sind vor allem Papiere aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und Frankreich, die immer liquide sind und die wir daher auch in Notfällen verkaufen können, um handlungsfähig zu bleiben.

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