Auktion: Die Kunstschätze der Lehman Brothers

Auktion: Die Kunstschätze der Lehman Brothers

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"Einbruch": Papierarbeit des Leipziger Malers Neo Rauch

Die Kunstsammlung der einstigen Investmentbank Lehman Brothers soll bis zu 13 Millionen Dollar erlösen. Doch viele der Kunstwerke wurden vor der Krise gehypt, in der Krise sank ihr Wert dramatisch.

Ein paar ratlose Figuren, eine demolierte Neonröhre, zersplitterter Dielenboden: "Einbruch" heißt das großformatige, größtenteils in pompejanischem Rot gehaltene Ölgemälde, das Neo Rauch 1999 zu Papier brachte. Und heute wie eine böse Vorahnung wirkt auf die Finanzkrise, die vor ziemlich genau zwei Jahren die Welt erschütterte – mit dem Untergang von Lehman Brothers. Aus der Kunstsammlung der untergegangenen US-Investmentbank stammt das frühe Rauch-Gemälde. Und soll nun helfen, die immensen Schulden von 612 Milliarden US-Dollar zumindest ein wenig zu senken: Einen Erlös von rund 13 Millionen Dollar erwarten Gläubiger aus dem Verkauf der Gemälde und Skulpturen, die jetzt versteigert werden. Allein Rauchs Frühwerk soll bis zu 600.000 Dollar einspielen.

Die zentrale Auktion findet am 25. September bei Sotheby’s in New York statt: 147 Werke kommen dort unter den Hammer, darunter auch Arbeiten des deutschen Malers Gerhard Richter und des Briten Damien Hirst. Dessen knapp zwei Meter breites blaues Vasenkabinett mit dem Titel "We’ve got style" ist mit einem Schätzpreis von bis zu 1,2 Millionen Dollar das Spitzenlos der Auktion.

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Ob Sammler bereit sind, die erwünschten Spitzenpreise auch wirklich zu bezahlen, ist allerdings fraglich. Denn der Crash der Investmentbank Lehman löste, etwas zeitversetzt, auch einen Einbruch auf dem Markt für zeitgenössische Kunst aus. Allein Sotheby’s Umsatz in diesem Segment sank von 2008 auf 2009 von knapp 1,5 Milliarden auf 443 Millionen Dollar. Das erste Halbjahr 2010 sah nicht wesentlich rosiger aus. Eine Bilanz, die auch die Lehman-Auktion nicht wesentlich verbessern wird. Sind in der Sammlung doch zahlreiche Arbeiten von Künstlern vertreten, die vor der Krise gehypt und deren Marktwert in der Krise deutlich sank. Die Folge: Einige Arbeiten taxierte Sotheby’s wenige Tage vor Auktionsstart um rund 20 Prozent niedriger als geplant. Vielleicht, so die Hoffnung der Auktionatoren, könnte ja die prominente Provenienz die Preise nach oben drücken – im Fachjargon spricht man vom "Car Crash Appeal".

Souvenirjäger kommen auf ihre Kosten

Ein Großteil der zum Verkauf gebotenen Arbeiten stammen aus dem Kunstfundus der Investmentgesellschaft Neuberger Berman, die Lehman 2003 übernommen hatte – rund 600 Werke. Neuberger, heute 107 Jahre alt, gilt als passionierter Sammler, der die Büros seiner Mitarbeiter gern mit Werken noch nicht arrivierter Künstler ausstaffierte.

Wesentlich bodenständiger geht es am 29. September bei Christie’s zu: Neben Werken von arrivierten Künstlern wie Gary Hume und Lucien Freud sind in London klassische Ölschinken mit Segel- oder Sportmotiven im Angebot. Aber auch Souvenirjäger könnten auf ihre Kosten kommen: Zum Verkauf stehen auch Teeservierwagen, Zigarrenboxen, chinesisches Porzellan, historische Landkarten und die gesammelten Werke von Charles Dickens in Leder gebunden.. Außerdem das auf Hochglanz polierte Firmenschild der Londoner Lehman’s-Dependance.

Eigenhändig angeschraubt von Gordon Brown, dem damaligen englischen Finanz- und späteren Premierminister. Aber auch der ist ja inzwischen Geschichte.

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