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Ausblick: Lehren aus der Finanzkrise

von Michael Inacker (Berlin), Thomas Katzensteiner, Hauke Reimer und Jochen Mai

Was ändert sich durch die Finanzkrise? Während die Politik ihre Macht wiederentdeckt, horten Unternehmen wieder Eigenkapital. Manager planen wieder langfristiger, Anlegern geht jetzt Sicherheit vor.

Die Politik entdeckt ihre Macht

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Franklin D. Roosevelt: Der New Quelle: AP
Franklin D. Roosevelt: Der New Deal führte die Wirtschaft aus der Depression Quelle: AP

Es ist gar nicht so lange her, da glichen die Vorstandsetagen der großen internationalen Konzerne Feldherrnhügeln. Von hier aus entwarfen Manager ihre Strategien und steuerten Unternehmen wie Armeen. Die Politik wirkte wie ein Zuschauer. Mit der Wirtschaftskrise ändert sich das. Wie 1932 beim „New Deal“ des damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelts richtet sich die Macht neu aus, und Politiker nutzen die Schwäche mancher Unternehmenslenker, um den Primat der Politik über die Wirtschaft durchzusetzen. Aus dem gefeierten Retter Staat wird ein Volksbeglücker. Die Wirtschaft wiederum hat sich ein schlechtes Gewissen einreden lassen und räumt kampflos das Feld.

Der Staat greift ein

Nicht zu übersehen ist, wie das Reiten auf der Krisenwelle Politikern Adrenalinstöße versetzt hat. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erinnert an den Notarzt, der an die Unfallstelle auf der Autobahn kommt und sich mit einem „Lassen Sie mich vor, ich bin Arzt“ durch ein Gruppe Schaulustiger schiebt. Zugleich will er mit seiner rabiaten Rhetorik gegen, so Steinbrück, „gierige“ Manager Kontrollfehler der Politik vergessen machen – bei der KfW-Bank, der IKB und bei mehreren Landesbanken .

Das Bewusstsein der neuen Bedeutung verändert das Zusammenspiel mit der Wirtschaft. Dieser Prozess wird sich 2009 verstärken. Der Druck der Regierung wächst, auch auf das operative Handeln der Unternehmen einzuwirken. Selbst Unions-Politiker schrecken nicht mehr vor Staatsinterventionismus zurück. Waren es erst Gehaltsvorgaben für Krisen-Banker, folgen jetzt weitere Eingriffe: Im Januar will Bundeskanzlerin Angela Merkel die Chefs der Dax-30-Unternehmen ins Kanzleramt einladen, um eine Beschäftigungsgarantie einzufordern. Das verschafft der Politik Luft im Super-Wahljahr. Für die Unternehmen ist es aber schwierig: Wer nicht mitzieht, steht moralisch am Pranger. Vielleicht verzögert das hier und da sogar Entscheidungen, die zur Sicherung des Fortbestands eines Unternehmens notwendig wären.

22 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.03.2009, 10:33 UhrSchlomo Jammer

    Einer der wichtigsten Lehren, ist von Machiavelli, der feststellte, daß Hochmut nicht erfolgreich mit Demut entgegen getreten werden kann.

    Und dieser alte Franzose erkennt das Menschentum der verantwortlichen für die Weltwirtschaftskrise:

    Hochmut

    Wer glaubt, auf alle Welt verzichten zu können, täuscht sich. Wer aber glaubt, daß die Welt auf ihn nicht verzichten könnte, täuscht sich noch mehr.
    Zitate und Sprüche François Vi. Herzog von La Rochefoucauld, Prince de Marcillac, Frankreich 17. Jahrhundert

    Dummheit, sowie hochmut sind zutiefst menschliche begabungen.

    Der Jammer, Schlomo

  • 02.03.2009, 15:08 UhrFräulein E. Zucker-Kirsch

    Die Lehre ist folgende:
    Es gab und gibt mehr Spitzbuben als gedacht bei der ehemals honorigen Gilde der bankiers, äh, bänkstär!

    "Die Meister des betruges geben ihr ganzes Leben lang vor den betrug zu hassen,
    um sich seiner dann bei passender Gelegenheit und des größten Vorteils willen
    zu bedienen”

    La Rochfoucauld

    Der Mann hat noch mehr passendes auf Lager geschrieben und gedacht, einfach herrlich!

  • 08.01.2009, 15:28 UhrBonanza

    Es wird sich nichts Grundsätzliches durch die Finanzkrise ändern - die Gier und Dummheit des Menchen bleibt weiter bestehen (und wird wahrscheinlich noch weiter zunehmen). Ehrgeiz und Egoismus haben die guten alten Tugenden wie bescheidenheit schon lange verdrängt. Das von den Medien getragene "ich bin ein Superstar"-Denken sitzt zu tief in vielen minderbemittelten Köpfen. Man glaubt das, was man glauben will. Die Krise war noch nicht groß genug, um einen radikalen Wertewandel zu initiieren.

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