Banken : Kreditkrise in Raten

Banken : Kreditkrise in Raten

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Blick auf das Logo der Citigroup-Zentrale in New York . Die Finanzkrise geht in die nächste Runde: Weltweit öffnen die Banken ab jetzt wieder ihre Bücher und legen Zahlen für das Auftaktquartal 2008 vor. Erste Warnungen lassen erahnen, dass das viel beschworene Ende der Krise noch weit entfernt ist. Die höchsten neuen Berichtigungen befürchten Analysten für die heftig gebeutelte Citigroup mit nochmals weit über zehn Milliarden Dollar (6,3 Mrd Euro).

Die Finanzkrise geht in die nächste Runde: Weltweit öffnen die Banken ab jetzt wieder ihre Bücher und legen Zahlen für das Auftaktquartal 2008 vor. Erste Warnungen lassen erahnen, dass das viel beschworene Ende der Krise noch weit entfernt ist: Die Deutsche Bank und die Schweizer UBS kündigten bereits neue Milliardenabschreibungen an.

Und bei den US-Häusern überschlagen sich die Verlustschätzungen fast täglich. „Der Liquiditätsschock im Markt ist noch lange nicht behoben“, sagt der Frankfurter Bankenprofessor Thomas Heidorn. Traditionell decken die US-Banken ihre Karten zuerst auf.

Prompt schockte die viertgrößte US-Bank Wachovia am Montag mit einem nicht erwarteten Verlust und einer nochmals nötigen Kapitalspritze von rund sieben Milliarden Dollar.

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Gut ein halbes Dutzend US-Häuser folgen in dieser Woche noch, darunter so prominente Namen wie Citigroup, J.P. Morgan Chase, Merrill Lynch und die nach ihrer Fast-Pleite vor der Übernahme stehende Investmentbank Bear Stearns.

Die höchsten neuen Berichtigungen befürchten Analysten für die heftig gebeutelte Citigroup mit nochmals weit über zehn Milliarden Dollar (6,3 Mrd Euro). Der neue Konzernchef Vikram Pandit stellt alles auf den Prüfstand.

Selbst die Citibank in Deutschland könnte laut Gerüchten zum Verkauf stehen. Auch unter dem Strich erwarten Experten bei Citigroup und manch anderen Häusern erneut rote Zahlen.

Nur die Großbank J.P. Morgan sticht bislang positiv heraus. Sie ging mit dem Kauf von Bear Stearns auf Schnäppchenjagd und hält nach weiterer Beute Ausschau. So rettete sich die größte US-Sparkasse Washington Mutual eben mit einer Milliarden-Kapitalspritze vor einer drohenden Übernahme durch J.P. Morgan.

Der Bedarf der Banken an frischem Geld ist weltweit nach wie vor enorm. Rund 140 Milliarden Dollar könnten die Institute noch brauchen, schätzt Credit Suisse, nach etwa 160 Milliarden Dollar durch neue Investoren bisher. Kritiker schimpfen immer schärfer über „Salamitaktik“ und „Vertrauensbruch“, weil die Probleme nur häppchenweise an die Öffentlichkeit kommen.

Zwar rechnen die Märkte bereits mit neuen Lasten und reagieren weniger panisch als zu Beginn der Krise. Aber viele werfen den Banken vor, Verluste zu verstecken, statt ein für alle Mal reinen Tisch zu machen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann widersprach als Präsident des internationalen Bankenverbands IIF zuletzt heftig und verwies auf entsprechende Bilanzregeln.

Das Problem: Banken müssen ihre Vermögenswerte zu aktuellen Kursen bewerten („Mark-to-Market“). Da der Markt für zweitklassige US- Hauskredite („Subprime“) zusammenbrach und die Krise nach und nach nun auch höherwertige Anlageklassen erfasst, wurden immer mehr Papiere unverkäuflich. „Abschreibungen, die zu früheren Zeitpunkten nicht notwendig waren, werden dadurch erst schrittweise erkannt“, betonte Ackermann. Bestes Beispiel ist sein eigenes Haus: Die Deutsche Bank hatte die Krise Ende 2007 bereits weitgehend abgehakt - dann musste sie für das erste Quartal 2,5 Milliarden Euro neue Lasten ankündigen - mehr als im ganzen letzten Jahr. „Es ist definitiv so, dass die Portfolios in den letzten drei Monaten weniger wert geworden sind“, unterstreicht auch Experte Heidorn. Genauso schrittweise klettern die Schätzungen für das gesamte Ausmaß der Krise.

Jüngste Hausnummer des Internationalen Währungsfonds (IWF): Die Turbulenzen werden die Wirtschaft rund eine Billion US-Dollar kosten - in Zahlen: 1 000 000 000 000.

Und wann ist der Schrecken vorbei? Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein sieht mehr als die Hälfte überstanden: „Wir sind dem Ende der Krise näher als dem Anfang.“ Der legendäre Finanzjongleur George Soros aber spricht vom Platzen einer „Superblase“ und erwartet das Schlimmste erst noch. In der Branche wird auf der Suche nach den Schuldigen derweil der Ruf nach einer Änderung der Bilanzregeln weg von „Mark-to-Market“ zumindest in Krisenzeiten immer lauter. Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, reihte sich unter die Befürworter ebenso ein wie Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler. Auch Bankenprofessor Heidorn nennt die Form der Bilanzierung destabilisierend.

Auf der anderen Seite könnte den Banken nach der Krise das „Mark-to-Market“-Prinzip wieder ganz recht sein. „Dann werden Institute, die jetzt Abschreibungen vornehmen mussten, kräftige Zuschreibungen verbuchen - und die Gewinne könnten wieder sprudeln“, sagt der Frankfurter Bankenprofessor Reinhard Schmidt. Spätestens dann dürften sich die Institute auch wieder auf die Vorlage ihrer Quartalszahlen freuen.

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