Bankenregulierung: Punkt 2: Banken lenken in die falsche Richtung

Bankenregulierung: Punkt 2: Banken lenken in die falsche Richtung

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Bank Spot 2

Wie Banken und ihre Berater Menschen und ihr Geld in die falschen Anlagen lotsen.

Unternehmen fehlt das Geld – obwohl sich das von immer mehr Fesseln befreite Finanzsystem grotesk aufgebläht hat. Die Deutsche Bank hatte ihre Bilanzsumme von 1998 bis Mitte 2008 mehr als verdoppelt – auf mehr als 1300 Milliarden Euro (siehe Grafik "Erst hochgehebelt..."). Unter dem Eindruck der Finanzkrise wurden Geschäfte dann zurückgefahren. Wilder noch trieben es die US-Banken. Deren Schulden lagen 1980 bei 578 Milliarden Dollar oder 21 Prozent des damaligen Bruttoinlandsprodukts der USA. Bis 2008 versechsfachten sie sich auf 118 Prozent der heutigen US-Wirtschaftsleistung – gleich 17.000 Milliarden Dollar. Die Hebelkraft dieser Kredite gibt den Banken die Macht, die Welt aus den Angeln zu wuchten.

Bis zur Krise wuchs diese Macht rasant: Das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital kletterte von 23 zu 1 im Jahr 2001 auf 30 zu 1 Ende 2007. Faktisch heißt das: Eine Bank konnte 2007 mit einer Million Euro eigenem Geld für 30 Millionen Euro Anlagegüter kaufen. „Und das ist nur das Fremdkapital, das in den Bilanzen sichtbar ist“, sagt Professor David Moss von der Harvard Business School. „Abseits der Bilanzen wucherte der versteckte Fremdkapitaleinsatz noch viel stärker.“

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Sie machen weiter wie bisher

Der ausufernde Fremdkapitaleinsatz sei der wahre Grund für die Finanzkrise, sagt Moss. „Ein gesundes Finanzsystem hätte den US-Immobilienschock ausgehalten. Ein wild überschuldetes Finanzsystem ging schon nach einem Schlag zu Boden.“ Aus Banker-Sicht ist das nachvollziehbar: „Wenn Sie eine ,Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei‘-Karte hätten, würden Sie dann beim Monopoly nicht auch eine Menge riskieren?“, fragt Simon Johnson, Professor an der MIT Sloan School of Management.

Die seit mehr als zwei Jahren laufenden massiven Eingriffe und die Nullzinspolitik der Notenbanken dienten vor allem dazu, die Bankbilanzen zu entlasten. Jede der eng miteinander verflochtenen Banken wird heute gestützt, direkt oder indirekt. Wenn Großbanken wie Citigroup, Hypo Real Estate oder die WestLB nicht auf Steuermilliarden hätten bauen können, wären die meisten bankrott.

Das viele Geld der Notenbanken hat wie gewünscht eine steile Zinskurve herbeigeführt – längere Anlagen rentieren real deutlich höher, als kurzfristige Kredite kosten. Das treibt die Gewinne der Banken. Längst hat sich eine Blase an den Märkten für kurzfristige Gelder und Staatsanleihen gebildet, die früher oder später platzen und zu einem Crash der Rentenmärkte führen dürfte.

„Noch geht’s"

Im 39. Stock des neuen Frankfurter Opernturms denkt Stefan Winter, Vorstand der deutschen Investmentbank von UBS, über die kommenden Regeln für sein Geschäft nach. „Es wird teurer, eine Bank zu führen. Wegen der Regulierung und den Eigenkapitalanforderungen“, ahnt Winter. Damit die UBS bald wieder Geld verdient, dürfte sie die Kosten für strengere Regeln auf die Kunden abwälzen, deutet er an. Zum Beispiel bei Derivaten, für die sie künftig Eigenkapital als Sicherheitspuffer hinterlegen muss. „Das trifft vor allem die Industrie“, droht Winter. Für die Lufthansa werde es dann eben teurer, sich Flugbenzin am Finanzmarkt zu einem festen Preis zu sichern.

Raus aus dem Spiel ist die Investmentbank Dresdner Kleinwort. An der Zentrale der ehemaligen Allianz-Tochter gegenüber der Frankfurter Messe hängt heute das Commerzbank-Logo. Trotzdem ist Ex-Bankchef Stefan Jentzsch gut drauf. Nur 200 Meter von seiner alten Wirkungsstätte, im gediegenen Hessischen Hof, springt er Mitte Februar mit einem großen Satz von vorn aufs Podium. „Noch geht’s, ich bin ja keine 50“, sagt der Investmentbanker, der jetzt für die Fusionsberater von Perella Weinberg arbeitet.

Noch geht’s, das ist auch die Kernaussage seines Vortrags vor Kollegen. „Auf die Krise wird ein neuer Aufschwung folgen, und sei es nur durch eine neue geldpolitisch induzierte Blase“, sagt Jentzsch. „Weil dank staatlicher Eingriffe fast risikolos Geld verdient werden kann, werden die Schwankungen noch stärker.“

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