Bankenverbands-Präsident Schmitz: "Exorzismus hilft nicht"

Bankenverbands-Präsident Schmitz: "Exorzismus hilft nicht"

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Der Präsident des Bankenverbands, Andreas Schmitz

von Konrad Handschuch und Cornelius Welp

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, über die Gefahr einer Kreditklemme, neue Finanzblasen und die Notwendigkeit einer staatlichen Regulierung.

WirtschaftsWoche: Herr Schmitz, der neue Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat angekündigt, dass der Staat demnächst womöglich selbst Unternehmenskredite vergibt. Ist das erforderlich, weil die Banken diese Aufgabe nicht mehr erfüllen?

Schmitz: Das ist weder eine gute Idee noch erforderlich. Die staatseigene Förderbank KfW ist nicht darauf eingestellt, selbst Kredite im großen Stil zu vergeben. Sie hat gerade erst eine neue Kreditabteilung aufgebaut, um die Mittel aus dem Konjunkturpaket richtig einsetzen zu können. Bisher zeigen alle verfügbaren Daten, dass es gesamtwirtschaftlich keinen Engpass bei der Kreditversorgung gibt. Ich will aber nicht bestreiten, dass es in bestimmten Branchen wie dem Maschinenbau und in Regionen wie Baden-Württemberg Schwierigkeiten gibt.

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Eine flächendeckende Kreditknappheit schließen Sie also nicht aus?

Ich will nichts beschönigen. Noch immer besteht die Gefahr einer allgemeinen Kreditklemme, aber es ist nicht sicher, dass sie zuschnappt. Dazu müssten verschiedene Faktoren zusammenkommen.

Nämlich?

Die erhoffte Konjunkturerholung könnte ausbleiben und die EU durch überharte Sanktionen gegen die Landesbanken Volumen aus dem Markt nehmen. Deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich sehr stark von Krediten abhängig, und ihre Eigenkapitalquoten werden in nächster Zeit sicher nichtsteigen. Zudem müssen die Banken Unternehmenskredite mit mehr Kapital unterlegen, wenn sich infolge der Krise die Ratings dieser Kunden verschlechtern. Denkbar wäre eine generelle Verpflichtung, Bankgeschäfte mit mehr Kapital zu unterlegen. Das alles schränkt die Kreditvergabe ein. Dagegen müssen wir schon heute alles tun, schließlich nimmt gerade zu Beginn eines Aufschwungs die Kreditnachfrage erfahrungsgemäß stark zu.

Bei Ihrer Aufzählung fehlt, dass die Banken zwar Milliarden an Liquidität von der EZB erhalten haben, diese aber nicht an die Unternehmen weitergeben.

So einfach ist das nicht. Die Banken bekommen diese Mittel für maximal zwölf Monate, viele Unternehmen fragen jetzt aber nach Krediten mit deutlich längerer Laufzeit. Die Mittel der EZB machen außerdem nur einen Bruchteil der Banken-Refinanzierung aus. Der Rest geschieht über Einlagen und den Kapitalmarkt.

Statt Kredite zu vergeben, zocken die Banken wieder, treiben Märkte nach oben und nähren so die nächste Blase.

Nein, aber ich sehe diese Entwicklung trotzdem nicht ohne Skepsis. Auch wenn Investoren natürlich mehr als die derzeit sehr niedrige Festgeld-Rendite wollen, habe ich den Eindruck, dass die Börse der wirtschaftlichen Entwicklung deutlich weiter vorausgelaufen ist als die sonst üblichen sechs bis zwölf Monate. Umso wichtiger ist es, dass Zentralbanken und Regierungen zum richtigen Zeitpunkt ihre Hilfen einkassieren.

Wann ist der gekommen?

Noch ist die Unterstützung alternativlos. Die Wirtschaftskrise 1929 hat gezeigt, dass ein harter Sparkurs die Situation nur verschlimmert. Kommt die Zinswende zu früh, würgt sie den Aufschwung ab. Kommt sie zu spät, könnte die nächste Blase entstehen. Ich beneide die Notenbanken nicht um diese Aufgabe. Sie müssen die Bowle wegstellen, wenn die Party beginnt. Das wird nicht leicht, denn schon im Euro-Raum gibt es sehr unterschiedliche Interessen. Es muss aber anders als 2001 gelingen, hier konzertiert vorzugehen, sonst entstehen neue gefährliche Ungleichgewichte.

Wie lässt sich die Kreditklemme verhindern?

Wichtig wäre es vor allem, den Verbriefungsmarkt wiederzubeleben. Bei aller berechtigten Diskussion um die Exzesse, die es hier sicher gegeben hat, darf man nicht vergessen, dass Verbriefungen nachhaltig zu Entlastung der Bankbilanzen beitragen können. Gemeinsam mit der Politik müssen wir dafür sorgen, dass Investoren wieder Vertrauen fassen.

Wie soll das gehen?

Es ist bereits ein gutes Signal, dass die Banken künftig einen Teil der verbrieften Kredite in den eigenen Büchern halten müssen. Dadurch werden sie sich zwangsläufig um die zugrunde liegenden Kreditbeziehungen kümmern. Nicht werthaltige Kredite kann man zerlegen und wieder und wieder verpacken – Qualität entsteht so nicht. Wenn es sich jedoch um gute Kredite handelt und es verlässliche historische Ausfallraten gibt, spricht nichts gegen die Verbriefung. Der Staat könnte dies – wenn nötig – durch Garantien unterstützen.

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