BayWa-Vorstand Lutz: "Spekulanten können den Weizenpreis verzerren"

InterviewBayWa-Vorstand Lutz: "Spekulanten können den Weizenpreis verzerren"

Bild vergrößern

Klaus Josef Lutz

von Frank Doll

Klaus Josef Lutz, Chef des Agrar-, Baustoff- und Energiehändlers BayWa, über Agrar-Spekulanten, Subventionen und das Geschäft mit erneuerbaren Energien.

WirtschaftsWoche: Herr Lutz, am 5. August kommt Ihr neuer Halbjahresbericht. Zur Halbzeit 2009 lag der Umsatz bei 3,7 Milliarden Euro, der Gewinn bei 30,5 Millionen Euro. Wird es mehr oder weniger?

Wir werden ein zufriedenstellendes Ergebnis präsentieren und operativ besser abschneiden. Wir haben gesagt, dass wir zuversichtlich sind, Umsatz und Ergebnis 2010 zu steigern. Dabei bleiben wir.

Anzeige

Höhere Getreidepreise könnten dabei helfen. Die Preise steigen seit ein paar Wochen, weil die Hitzewelle für Ernteausfälle sorgen wird. Erwarten Sie Rekordpreise wie 2008?

Man kann derzeit nicht seriös abschätzen, wie weit die Ernte sinkt und wie hoch die Getreidepreise steigen.

Haben Finanzinvestoren Einfluss auf die Agrarpreise?

Wenn sie Milliarden in die Terminmärkte stecken, hat das natürlich Einfluss. 2008 wurde an der Terminbörse in Chicago die 52-fache Jahresernte virtuell gehandelt. Es ist schwer, eine konkrete Zahl zu nennen, aber ich schätze, dass Spekulanten etwa beim Weizen den Preis um 40 bis 50 Dollar pro Tonne, die derzeit 220 Dollar kostet, verzerren können – nach oben, wie nach unten.

Eignen sich Agrarrohstoffe überhaupt als Kapitalanlage?

Damit kann man durchaus Geld verdienen. Eines ist aber klar: Wer mit Grundnahrungsmitteln virtuell spekuliert und die Preise in die Höhe treibt, der riskiert im Ernstfall soziale Probleme. Das haben wir 2008 in einigen Ländern erlebt.

Ist der Landwirt, der die Ernte zurückhält, weil er auf steigende Preise hofft, ein Spekulant?

Landwirte beobachten die Märkte stärker als früher und agieren wie Unternehmer. Das müssen sie, weil sie sich unter anderem nicht mehr auf staatliche Zuschüsse verlassen können. Aber der Landwirt handelt nicht virtuell. Jede Aktion, die er macht, ist mit Ware unterlegt.

Das Geschäft mit erneuerbaren Energien wollen Sie von 300 Millionen auf eine Milliarde Euro Umsatz bringen, weil es Ihnen hohe Gewinnspannen garantiert. Warum sind Sie nicht früher auf die Idee gekommen?

Seit ich hier bin, machen wir das. Als ich 2008 begonnen habe, habe ich angekündigt, dass wir ein Kompensationsgeschäft aufbauen müssen zu den rückläufigen Umsätzen im klassischen Handel mit Heizöl und Treibstoffen. Diese Strategie geht auf, das werden die Halbjahreszahlen zeigen.

Droht eine Biogasblase, die zu problematischen Monokulturen führt, weil Landwirte zum Beispiel nur noch Mais zur Energieerzeugung anbauen?

Das glaube ich nicht. Die Landwirte orientieren sich an den Marktgegebenheiten – heute Mais, morgen Weizen. Künftig wird die Entwicklung zu vermehrtem Einsatz organischer Abfallprodukte in Biogasanlagen gehen.

Ist es vertretbar, Nahrungsmittel zu Energie zu verarbeiten?

Bei uns geht nur ein sehr geringer Bruchteil der Ernte in die Produktion erneuerbarer Energien. Weltweit ist es derzeit kaum mehr. Sollte aber US-Präsident Obama seinen Plan umsetzen, 50 Prozent der US-Maisernte für die Bioethanolproduktion zu verwenden, wäre das kritisch zu sehen.

Landwirte hängen am Subventionstropf, erneuerbare Energien ebenfalls – indirekt also auch Sie. Haben Sie einen Plan B, wenn die Subventionen eines Tages nicht mehr fließen?

Wir planen mit sinkenden Einspeisevergütungen. In der Windkraft ist man da schon angekommen. Ich sehe die Einspeisevergütungen als Brückenfinanzierung, die nicht ewig fließen kann.

Sie wollen das Auslandsgeschäft ausbauen. Auf welche Märkte schielen Sie?

Für die erneuerbaren Energien schauen wir uns zum Beispiel Firmen in Großbritannien, Italien und Österreich an. Im Agrargeschäft stoßen wir in Deutschland an kartellrechtliche Grenzen. Deshalb blicken wir nach Europa, aber attraktiv bewertete Ziele sind derzeit schwer zu finden. Im Ölgeschäft wollen wir weiter aktiv an der Konsolidierung im schrumpfenden Markt teilnehmen, auch außerhalb Europas. Bei Bau und Baustoffen haben wir seit 2005 in Deutschland 40 Standorte für 30 Millionen Euro zugekauft.

Sie haben mehr als 160 Beteiligungen. Klopfen Private-Equity-Investoren bei Ihnen an?

Wir haben eine stabile Aktionärsstruktur, 60 Prozent des Kapitals halten bayrische und österreichische Raiffeisen- und Genossenschaftsbanken. Wir sind extrem solide finanziert. Wir sehen keine Notwendigkeit mit Private-Equity-Firmen zusammenzuarbeiten.

Für 2009 haben Sie 40 Cent je Aktie ausgeschüttet. Das waren 23 Prozent vom Nettogewinn. Welche Ausschüttungsquote streben Sie langfristig an?

Ich weiß nicht, was das bringen soll, irgendeine Quote anzupeilen. Wichtig ist, dass die Dividende nachhaltig steigt. Ich denke, dass wir das 2010 auch hinbekommen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%