Benzinpreise: Warum Öl billig und Benzin teuer ist

Benzinpreise: Warum Öl billig und Benzin teuer ist

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Die Preistafel der Tankstelle

von Stefan Hajek

Automobilclubs und Verbände wittern Preiswucher der Ölkonzerne – auch das Kartellamt sieht mangelnden Wettbewerbsdruck. Die wahren Gründe für das jüngste Preishoch beim Benzin liegen aber woanders. Warum der Sprit im Sommer dennoch die Zwei-Euro-Hürde knacken könnte und warum Heizöl nächsten Herbst so teuer sein könnte wie noch nie.

Nicola Bankert ist Pharma-Referentin, sie verkauft Medikamente an niedergelassene Ärzte im Umkreis von mehr als 100 Kilometern, eine klassische Viel-Fahrerin also. Mehr als 60.000 Kilometer reißt sie jährlich ab in ihrem Audi A 6 Kombi. Dessen Durchschnittsverbrauch bei Bankerts Fahrweise: 9,4 Liter. „Da lege ich ganz schön Geld hin jeden Monat an der Tankstelle“, sagt die 36-Jährige. Die Benzinpreise hat sie daher immer genau im Kopf.

Bankert traute ihren Augen kaum. Bis auf 1,46 Euro war der Preis für den Liter Benzin schon wieder geklettert. Das war im Frühjahr 2010. Im Mai 2011 kostete der Liter Superbenzin nach Angaben des Automobilclubs AVD im Bundesdurchschnitt wieder 1,55 Euro je Liter - und liegt damit nahe an dem Preishoch von 2008. Der Spitzenwert vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 lag seinerzeit, je nach Region, bei 1,58 bis 1,60 Euro. „An die 1,59 im Sommer 2008 kann ich mich noch ganz genau erinnern“, sagte Bankert, „dabei war es eine der wenigen positiven Auswirkungen der ganzen Wirtschaftskrise, dass mit ihr auch die Spritpreise endlich deutlich nachgegeben hatten.

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Öl ist immer noch billig - Benzin nicht

Denn in der Krise ging die Nachfrage nach Rohöl und seinen Derivaten stark zurück. Rohöl, also der Rohstoff, aus dem Benzin hergestellt wird, hat noch lange nicht wieder die alten Vorkrisen-Preise erreicht. Vor der Finanzkrise war der Benzin-Rohstoff viel teurer; bis auf rund 150 Dollar kletterten die Preise 2008 - und war damit immerhin 30 Prozent teurer als heute. Aktuell kostet ein Fass (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent etwas mehr als 113 Dollar.

Umso erstaunlicher erscheinen die heute wieder fast rekordhohen Spritpreise. Das ruft die üblichen Verdachtsmomente auf den Plan. Befeuert wird die Diskussion über die Preisgestaltung der Mineralölkonzerne ganz aktuell der langerwartete Bericht des Kartellamtes. Die Aufseher bemängelten die hohe Marktmacht der fünf führenden Ölkonzerne und insgesamt zu hohe Benzinpreise durch zu geringen Wettbewerb. Die fünf Marktführer Aral/BP, Shell, Total, Jet und Esso versuchen bei Ihrer Preisgestaltung stets im Gleichschritt zu marschieren. Dank permanenter Beobachtung der Konkurrenzpreise passen die Konzerne ihre Benzinpreise binnen nur einer Stunde der aktuellen Marktsituation an. Ganz ohne die verbotenen Preisabsprachen. Das - so das Kartellamt laut Medienberichten - führe dazu, dass die Benzinpreise insgesamt ein zu hohes Niveau aufweisen. Das Bundeskartellamt sieht die Konzentration auf dem Tankstellenmarkt sehr kritisch. "Eine weitere Konzentration werden wir nicht zulassen", sagt Kartellamtspräsident Andreas Mundt dem Spiegel.

Verbraucherverbände und Automobilclubs reagierten schon im vergangenen Jahr mit der zu erwartenden heftigen Empörung auf die gestiegenen Preise: Die Benzinpreise in Deutschland seien „völlig überzogen“, teilt damals der ADAC mit. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Mineralölkonzerne kaum einen Versuch auslassen, ihre ohnehin großen Gewinne auf dem Rücken der Autofahrer noch zu steigern“, so der Verkehrsclub.

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