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Bilanzierungsregeln: Zurück zur guten alten Zeit der Banken-Bilanzierung?

von Melanie Bergermann

Der Sparkassen-Präsident und der Volksbank-Vorsitzende streiten über eine Reform der Bilanzierungsregeln für Banken.

Heinrich Haasis, 62, ist Quelle: dpa
Heinrich Haasis, 62, ist Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) Quelle: dpa

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis will die Bilanzregeln für Banken ändern.

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WirtschaftsWoche: Herr Haasis, Banken müssen ihre Wertpapiere nach Marktpreisen bewerten. Einige Banker fordern aufgrund der aktuellen Krise, von diesem Prinzip abzurücken. Zu Recht?

Haasis: Wir haben schon im letzten Jahr vor Einführung der Bilanzierungsregeln IFRS davon abgeraten, da dies zu großen Schwankungen führt. Es gibt Marktsituationen, wie die aktuelle, in denen es keine realistischen Preise gibt. Und eine Krise kann dann durch solche Bilanzierungsregeln verstärkt werden.

Nach welchen Kriterien sollten die Papiere stattdessen bewertet werden?

Es wäre sinnvoll darüber nachzudenken, ob bei starken Schwankungen der Märkte die Fair-Value-Bewertung nicht für einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt werden sollte. Eine Möglichkeit wäre, zum Einkaufspreis zu bewerten oder aber nach vorher festgelegten theoretischen Berechnungsmodellen.

Während einer Krise soll auf Fair Value verzichtet werden, wenn es gut läuft aber nicht?

Nein, es müssten die Spitzen, sowohl die besonders hohen als auch die besonders niedrigen, entfernt werden. Denn auch Schwankungen nach oben können negative Auswirkungen haben, wenn auf Basis dieser kurzfristigen Werte Entscheidungen getroffen werden.

Dass nun viele Banker fordern, die Bilanzregeln zu ändern, könnte man auch so interpretieren, dass sie die schlechte Lage kaschieren wollen?

Wenn wir jetzt eine kurzfristige schnelle Ausnahme fordern würden, könnte dieser Verdacht entstehen. Uns geht es aber vielmehr darum, aus den aktuellen Erfahrungen zu lernen und mittelfristig Änderungen herbeizuführen.

Pleister, 59, ist Chef des Quelle: AP
Pleister, 59, ist Chef des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) Quelle: AP

Volksbanken-Vorsitzender Christopher Pleister will die aktuellen Bilanzregeln erhalten.

WirtschaftsWoche: Herr Pleister, viele Banker fordern die Änderung der Bilanzierungsregeln, die die Banken zwingen, ihre Wertpapiere nach Marktpreisen zu bewerten. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Pleister: Wenn man die Krise an der Wurzel packen will, muss man Vertrauen wieder herstellen. Das gelingt nicht dadurch, dass die Bilanzierungsregeln kurzfristig geändert werden. Ich finde den Vorschlag des Europäischen Dachverbands der Privatbanken sinnvoll, eine Arbeitsgruppe zu installieren, an der alle Betroffenen sich beteiligen können, um dann gemeinsam eine Möglichkeit zu suchen, die aktuellen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Aber von Schnellschüssen halte ich gar nichts.

Das Prinzip, sich bei der Bewertung an Marktpreisen zu orientieren, halten Sie grundsätzlich für sinnvoll?

Wer Transparenz will, braucht eine zeitnahe und an nachvollziehbaren Kriterien orientierte Bewertung, und da ist Fair Value das grundsätzlich richtige Prinzip.

Soll man denn zulassen, dass Banken in Existenznöte geraten, weil es für einen bestimmten Zeitraum keine adäquaten Marktpreise gibt?

Nein, aber man muss versuchen, durch eine Verfeinerung der bestehenden Regeln und Auslegungsspielräume, die auch bei den IFRS gegeben sind, zu einer Lösung zu kommen, und nicht dadurch, dass in einer Krise die Spielregeln geändert werden. Mir haben auch die Bilanzierungsregeln nach dem Handelsgesetzbuch und das, was sie uns an Wahlrechten gelassen haben, besser gefallen. Aber es macht doch keinen Sinn für international operierende Institute jetzt den Schlachtruf anzustimmen: Zurück zur guten alten Zeit.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.04.2008, 22:55 UhrAnonymer Benutzer: Clemens Kläne

    berichtigung, es sind 100 Milliarden.

  • 18.04.2008, 22:45 UhrAnonymer Benutzer: Clemens Kläne

    Herr Haasis hat vollkommen recht. Er will verhindern, das die Regionalsparkassen mit ihren Vermögen für die Glanzleistung der Landesbanken ( Sparkassenbeteiligung 50 % ) gerade stehen müssen. Es sei denn, das Verwaltungsgericht Münster spricht zu Gunsten der Sparkasse Rheine. bei eine Privatisierung des Sparkassenverbandes, würden die politischen Parteien hohe Verluste haben. Da Mandatsträger 50 % ihrer Aufwandsentschädigung an den Parteien abführen müssen
    ( Aufsichtsrat ). Unter den jetzigen Vorraussetzungen ist der Steuerzahler mit 100.000,00 € dabei.

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