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Börse Frankfurt: Dax kann sich nicht befreien

von Nicolas Fuchshofen und dpa und Reuters Quelle: Handelsblatt Online

An einem an Ereignissen armen Montag mühte sich der Dax redlich, in den grünen Bereich zu kommen. Mit der im Hintergrund weiter schwelenden die EU-Schuldenkrise hatte er allerdings schlechte Karten.

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: am heutigen Handelstag scheint der Sieger eindeutig. Quelle: handelsblatt.com
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: am heutigen Handelstag scheint der Sieger eindeutig. Quelle: handelsblatt.com

Der deutsche Leitindex geht nach einem eher gemächlichen Tag mit kaum nennenswerten Ereignissen mit einem Minus von 0,3 Prozent und 7.091 Punkten aus dem Handel. Gegen Ende konnte der Dax sogar noch ein wenig Boden wieder gutmachen. Am Freitag hatte der er nach einer Berg- und Talfahrt 0,5 Prozent fester bei 7.109 Punkten geschlossen.

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Investoren beurteilten die Konjunktur in der Euro-Zone so schlecht wie seit knapp einem Jahr nicht mehr. Der Index brach im Juni von 10,9 auf 3,5 Punkte ein, teilte die Investmentberatung Sentix am Montag zu ihrer monatlichen Umfrage unter knapp 800 Anlegern mit. Das ist der tiefste Stand seit Juli 2010. "Mit dem dritten Rückgang in Folge ist der Zenit in der Konjunktur definitiv durchschritten", hieß es. Die Experten beurteilten vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate negativ. Dieser Teilindex fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Neben der Schuldenkrise in Europa drückten vor allem teure Rohstoffe auf die Stimmung, hieß es zur Begründung.

Eine Umschuldung Griechenlands wird sich dem Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC zufolge auch durch neue Milliarden-Hilfen des IWF und seiner Euro-Partner nicht abwenden lassen. Durch die Hilfspakete werde nur Zeit erkauft, sagte Stephen King. An den fundamentalen Problemen des Landes ändere sich dadurch nichts. "Klar ist, dass irgendeine Art von Umschuldung notwendig sein wird, an der die Privatinvestoren beteiligt werden", sagte er. In den nächsten zwei, drei Jahren werde Griechenland nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren können, zeigte sich King gewiss. Die Staatsverschuldung sei auch nicht durch Sparmaßnahmen alleine in den Griff zu bekommen. Nach Meinung des Ökonomen muss die Politik über eine grundlegende Reform der Euro-Zone nachdenken.

Gute Nachrichten für Bayer

An der Dax-Spitze kletterten die Aktien von Bayer nach positiven Studiendaten zum Krebsmittel Alpharadin um 1,5 Prozent auf 56,25 Euro. Der Pharma- und Chemiekonzern berichtete von einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit bei hormon-refraktärem Prostatakrebs mit Knochenmetastasen.

Die Commerzbank kann kurz vor dem Ende ihrer milliardenschweren Kapitalerhöhung aufatmen: Fast alle neuen Aktien seien bei Investoren platziert worden, sagten drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend kurz vor Ablauf der Bezugsfrist. „Es ist kaum etwas übriggeblieben“, sagte einer der Insider. Die Aufnahmequote liege voraussichtlich bei nahe 100 Prozent. Die Commerzbank selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus will am Dienstag eine Bilanz der Kapitalerhöhung ziehen. Insgesamt hatte die Bank 2,44 Milliarden Papiere zu je 2,18 Euro auf den Markt geworfen - das war ein Kursabschlag von 45 Prozent. Nachdem die vergangenen Wochen für die Aktionäre der Bank kaum Erfreuliches zu bieten hatten, ging es heute "nur" um 0,4 Prozent nach unten.

Verluste gab es auch im Versorgersektor. Das Bundeskabinett beschloss am Montag das sofortige Aus für acht Atomkraftwerke und den stufenweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022. E.ON setzten ihren jüngsten Kursrutsch ungebremst fort und büßten am Indexende 2,2 Prozent auf 18,42 Euro ein. RWE gingen mit einem Minus von 0,8 Prozent und 37,88 Euro aus dem Handel. Verloren haben auch die Titel der Deutschen Bank. Die US-Ermittlungen infolge der Finanzkrise könnten die Bank ähnlich wie Goldman Sachs in Schwierigkeiten bringen. Die Aktie gab um 1,9 Prozent auf 40,12 Euro ab.

Eine Halbierung der Gewinnprognose für die Branche durch den Verband IATA hat am Montag die Aktien der europäischen Fluggesellschaften belastet . In Frankfurt büßten Lufthansa ein Prozent ein. Über den Tag betrachtete hatte es für die Gesellschaft allerdings auch schon bedeutend schlimmer ausgesehen. Die deutliche Senkung der Gewinnprognose sei zwar sehr negativ, komme aber nicht völlig überraschend, sagte Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet. Lufthansa sei wegen des starken konjunkturellen Aufschwungs in Deutschland wohl weniger betroffen als andere Fluglinien.

Athen verkauft weiteren OTE-Anteil an Deutsche Telekom

Die griechische Regierung macht überraschend schnell ernst mit der Privatisierung von Staatsbesitz und verkauft der Deutschen Telekom zehn Prozent ihrer Aktien an OTE. Für das Aktienpaket an der griechischen Telefongesellschaft zahle die Telekom rund 400 Millionen Euro, teilte der Bonner Konzern am Montag. Athen besaß eine sogenannte Put-Option und konnte der Telekom den Anteil jederzeit verkaufen. Damit hält die Telekom 40 Prozent an OTE. Die Aktie der Telekom machte derweil keine großen Sprünge. Sie beendete den Handelstag mit einem leichten Minus knapp über der Zehn-Euro-Marke.

Nebenwerte-Indizes ebenfalls im Minus

Auch der MDax, der Index der mittelgroßen Werte, kam den gesamten Handelstag über auf keinen grünen Zweig. Zunächst startete er wenig verändert in die neue Handelswoche, notierte am späten Nachmittag allerdings mit einem halben Prozent im Minus und konnte sich bis zum Abend wieder auf ein Minus von 0,2 Prozent und 10.661 Punkte herankämpfen.

Daimler und Rolls-Royce sind nach dem anfangs zähen Ringen um den Großdieselmotorenhersteller Tognum jetzt am Ziel. Die beiden Bieter halten knapp 60 Prozent der Tognum-Aktien, wie die Unternehmen am Montag gemeinsam mitteilten. Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber hatte schon am Wochenende deutlich gemacht, er erwarte eine deutliche Mehrheit. Entscheidend für den Erfolg des Übernahmeangebots war, dass Vorstand und Aufsichtsrat von Tognum ihren Widerstand aufgaben, nachdem das Angebot um 2 Euro je Anteilsschein erhöht wurde. Die Aktie bewegte das kaum, sie schloss nahezu unverändert bei 25,78 Euro.

Der Finanzinvestor Permira will den Medienkonzern ProSiebenSat.1vorerst nicht verkaufen. "Wir blicken mit viel Optimismus in die Zukunft und empfinden überhaupt keinen Zeitdruck, dort heute oder morgen auszusteigen", sagte Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser. Es gehe vielmehr darum, weiteres Wachstum zu schaffen, um den Kurs nach oben zu treiben. Die Titel konnten heute davon profitieren und notierten zuletzt mit einem Plus von 3,6 Prozent.

"Subventionen" das Thema des Tages im TecDax

Im TecDax startete Nordex mit einem kräftigen Plus in den Tag, von dem am Abend allerdings kaum mehr etwas übrig war und der Titel einem marginalen Plus von 0,1 Prozent aus dem Handel ging. Hoffnungen auf weniger starke Subventionskürzungen für Windenergie hatten den Aktien laut Händlern einen ordentlichen Schub gegeben. In Regierungskreisen hieß es am Sonntag, statt um zwei Prozent werde die Vergütung für Windenergie nur um 1,5 Prozent im Jahr sinken. Der Technologieindex notierte am Abend mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 898 Punkten.

Die Aktien des Solarkonzerns Q-Cells waren am Montag mit einem Minus von zeitweise über zehn Prozent größter Index-Verlierer. Händler gingen davon aus, dass spekulativ orientierte Investoren auf weiter fallende Kurse wetteten. "Die Titel haben immerhin seit Anfang April die Hälfte ihres Wertes verloren", sagte ein Händler. "Die Volumina, mit denen die Aktien nach unten gedrückt werden, werden immer geringer, das sieht ganz nach einem Short Selling aus." Andere Solarwerte wie Phoenix Solar hielten sich dagegen im Plus. Händler begründeten das mit der Ankündigung der Bundesregierung, die Solarförderung doch nicht weiter zu kürzen.

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