Börse: Jahrhunderttrends der Aktienmärkte

Börse: Jahrhunderttrends der Aktienmärkte

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Rinderzüchter in der Pampa

von Hauke Reimer, Anton Riedl, Stefan Hajek, Heike Schwerdtfeger, Niklas Hoyer und Frank Doll

Schwellenländer, Agrar- und Rohstoffe, Gesundheit, Technologie: wie Anleger Jahrhunderttrends intelligent nutzen, welche Fallen sie vermeiden müssen, wenn sie auf Jahrzehnte investieren wollen.

Von Megatrends profitieren? Geht doch. Informationstechnik zum Beispiel. „Er sagte, er habe mein Geld in irgendwas mit Obst investiert, wir müssten uns um Geld keine Sorgen mehr machen“, sagt Forrest Gump, schlitzt einen Brief auf und starrt auf das bunte Apple-Logo. Gelächter im Kino – Gump (Tom Hanks) ist Millionär.

Das ist Hollywood der Neunziger. Doch auch die Finanzindustrie malt ihn, den Traum vom langsam reifenden Reichtum, der von umwälzenden Anlagetrends gedüngt wird: „Profitieren Sie von Zukunftsmärkten“ ist ihre Verheißung. Internet, China, Bio, Nano, Öko, Techno – egal. Die Leute sollen Produkte kaufen, die in Trend-Profiteure investieren. Nach 20 Jahren sind sie reich, wie Forrest Gump.

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Die Realität ist weniger bunt. „Keiner, der die Zukunft des Menschen auf einen einzigen Nenner bringen will, behält recht“, sagt der Historiker Golo Mann. Selbst wer einen langlebigen Trend ausmacht, wird nicht immer Geld verdienen. Der Anleger muss nicht nur die richtigen Investmentvehikel finden – welche Aktien, Fonds, Zertifikate? Sondern auch das Timing muss stimmen. „Selbstverständlich existieren Megatrends“, sagt Hartmut Webersinke, Dekan der Wirtschaftsfakultät der Hochschule Aschaffenburg. Den zurzeit wichtigsten, das Wachstum der Schwellenländer, „kann man in den Auftragsbüchern deutscher Maschinenbauer, argentinischer Sojabauern und chilenischer Kupferminen ablesen.

Ohne den Megatrend China“, so Webersinke, „wären die nicht halb so voll“. Weitere Trends lassen sich aus der Schwellenländer-Nachfrage ableiten: Knappheit von Rohstoffen, Agrarflächen und Wasser, auch von Öl und Gas – und damit der Trend zu erneuerbaren Energien und nachhaltiger Produktion. Doch Trends, auch wenn sie über Jahrzehnte anhalten, verlaufen nie geradlinig, sondern mit Schwankungen.

Herbe Rückschläge

Nicht jedes Geschäftsmodell ist stabil genug, um die Täler zu überleben. Beispiel Internet: Der Trend ist intakt, aber Ex-Gigant AOL, 2001 vor der Fusion mit Time Warner 163 Milliarden Dollar wert, hat seither 98 Prozent an Wert verloren. Und wer Ende 2007 Rohstoffaktien kaufte, erlitt Verluste von bis zu 70 Prozent, selbst, wenn er die besten Branchenvertreter erwischte und obwohl der zugrunde liegende Megatrend noch lange nicht vorbei ist.

Dasselbe Bild in Asien: „Trotz der relativen Stärke der asiatischen Realwirtschaft gegenüber dem Rest der Welt haben wir seit fast zwei Jahren keine relative Stärke der dortigen Börsen mehr“, stellt Webersinke fest. China-Aktien schnitten seit der Finanzkrise sogar schlechter ab als die westlicher Länder, obwohl Chinas Wirtschaft vier bis sieben Mal so stark wächst.

Anleger schneller als der Trend

„Das Problem für Investoren ist, dass mit der Bewertung der Aktien eine schwer kalkulierbare Variable ins Spiel kommt“, sagt der Vermögensverwalter Bert Flossbach. Hat die Masse der Anleger einen Trend erst entdeckt, fließt immer mehr Geld in die relevanten Aktien. Ab einem gewissen Punkt steigt deren Bewertung schneller, als sich der Trend selbst entwickelt, also die beteiligten Unternehmen wachsen und Geld verdienen; Spekulationsblasen entstehen, der Trend wird zeitweise grotesk überschätzt. Die Analysten der Gartner Group fanden heraus, dass sich dieses Muster bei fast allen Trends wiederholt (siehe Grafik auf der nächsten Seite).

Anleger müssen also entweder sehr früh dabei sein – oder warten, bis der Hype sich gelegt hat und die Bewertungen der Aktien wieder realistisch sind. „Der Schwellenländerboom ist schon ein reifer Megatrend, die Bewertungen sind, außer in Indien, nicht mehr zu hoch, die Finanzkrise hat sie bereinigt“, erklärt Flossbach. Eine Aktie, die den Schwellenländerboom fast perfekt abbildet, ist China Mobile: Der steigende Wohlstand der Chinesen schlägt sich in den vertelefonierten Mobilfunkminuten des Marktführers nieder.

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