Börse: Lebensversicherungen: Tod auf Raten

KommentarBörse: Lebensversicherungen: Tod auf Raten

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Annina Reimann

von Annina Reimann

Die vorsichtigen Schweizer wollen keine Irland-Anleihen. Warum müssen Versicherer sie kaufen? Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteurin Annina Reimann.

Anleger hören die Signale: Die Schweizerische Nationalbank akzeptiert nach Staatsanleihen aus Griechenland auch jene aus Irland nicht mehr als Sicherheit für Geldmarktgeschäfte. Die Abstufung durch die Agentur Moody’s hat Spuren hinterlassen. Sie senkte Irlands Bonität auf Baa1 – nur drei Stufen über Ramsch-Niveau. Es wird immer wahrscheinlicher, dass deutsche Steuerzahler für irische Schulden haften müssen.

Auf die Staatsanleihemärkte rollt unterdessen eine Welle neuer Emissionen zu. Allein bei den Euro-Problemländern Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (PIIGS) laufen 2011 Staatsanleihen für mehr als 172 Milliarden Euro auf, die durch neue ersetzt werden müssen. 2012 kommen weitere 222 Milliarden dazu. Kurzlaufende Geldmarktpapiere, neue Schulden, Schuldpapiere staatlich gestützter Banken und Schulden von Provinzen sind in der Rechnung nicht enthalten. Wer soll die ganzen Papiere kaufen?

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Wir alle, indirekt, als Kunden von Lebensversicherern. Das signalisieren jedenfalls die EU-Finanzminister. Die von ihnen geplanten neuen Eigenkapitalregeln für die europäische Versicherungsbranche legen diesen Verdacht nahe. Diese Solvency II genannten Regeln sehen vor, dass Versicherer ab 2013 die für ihre Kunden angelegten Gelder mit mehr Eigenkapital unterlegen. Je riskanter die Anlage, desto mehr Geld ist gefordert – für Aktien fordern die Regeln bis zu 40, für Immobilien bis zu 25 Prozent der Anlagesumme. Nur EU-Staatsanleihen sollen nach wie vor nicht mit Eigenkapital unterlegt werden – auch die der PIIGS nicht. Politiker treiben Versicherer so geradezu in EU-Staatspapiere. Sie gelten per definitionem als sicher – obwohl Politiker mit den kürzlich beschlossenen neuen Regeln für Anleihen zugaben, dass Teilausfälle von Euro-Staatsanleihen möglich sind.

Eigenkapital für PIIGS

Die Finanzminister sollten die Regeln ändern und beschließen, dass Anleihen der Schuldensünder mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Ansonsten wäre es für Versicherer zu verlockend, die riskanten Papiere zu kaufen, denn diese bringen weit mehr Rendite als etwa sichere Bundesanleihen. Paradox: Eigentlich soll Solvency II die Konzerne krisenfester machen, erleichtert ihnen aber künftig den Kauf riskanter Anleihen. Die Politik baut dafür an anderer Stelle vor: Lebensversicherer sollen in Zukunft gar nicht erst so hohe Zinsen versprechen. Das Finanzministerium will die garantierten Zinsen für neue Verträge ab Juli von derzeit 2,25 auf 1,75 Prozent senken. Zusätzlich sollen Lebensversicherer mehr Geld für Verträge aus Zeiten zurückstellen, in denen es noch vier Prozent Garantiezinsen gab.

Das reicht jedoch nicht. Die EU-Finanzminister müssen beschließen, dass PIIGS-Anleihen mit Eigenkapital unterlegt werden – auch, wenn die betroffenen Staaten protestieren und es für diese Anleihen noch weniger Käufer geben wird. Tun sie es nicht, werden Versicherte darunter leiden.

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