
Wie berechtigt sind also die Hoffnungen vieler Anleger, unter Merkel-Westerwelle würden die Kurse weiter steigen?
„Der Einfluss der jeweiligen Regierung auf Wirtschaft und Börse ist begrenzt, aber keineswegs null“, sagt Holger Schmieding, Volkswirt Europa bei der Bank of America/Merrill Lynch in London. „Der Wahlausgang ist weder eine große Überraschung noch eine Revolution, kann aber die derzeit positive Grundstimmung der Investoren befeuern.“ Und er dürfte die Bereitschaft internationaler Anleger, in Deutschland zu investieren, vergrößern. „Immerhin hat das Votum etwas geschaffen, was der internationale Finanzmarkt sehr schätzt: klare Verhältnisse“, sagt Schmieding. Dagegen hätte eine wochenlange Hängepartie um mögliche andere Koalitionen oder eine Neuauflage der großen Koalition viele potenzielle Investoren erst einmal verschreckt.
Begrenzter Spielraum
Vor allem auf angelsächsische Investoren dürfte dies zutreffen. Die sahen in den vergangenen Jahren die SPD in der Bremserrolle, was den Reformeifer von Angela Merkel anging. Doch soll die jetzt aufgeflammte positive Grundstimmung anhalten, muss die neue Regierung bald Taten folgen lassen.
Und da scheint ihr Spielraum doch begrenzt. „Eine große wirtschaftspolitische Wende mit tiefgreifenden Reformen, wie in den USA Anfang der Achtzigerjahre unter Ronald Reagan oder in Großbritannien unter Margret Thatcher, könnte zwar die Börse nachhaltig befeuern, ist aber zurzeit extrem unwahrscheinlich“, sagt UBS-Volkswirt Martin Lück. Zu groß seien die Löcher im Staatshaushalt, die die Finanzkrise gerissen hat.
„Steuerreformen wird es eher in einigen Details geben, aber keinen großen Wurf“, sagt auch Martin Hüfner, ehemaliger Chefvolkswirt der HypoVereinsbank und heute Chefökonom beim Luxemburger Asset Manager Assénagon. Ohnehin ist der wirtschaftspolitische Spielraum der nationalen Regierungen seit den frühen Achtzigerjahren deutlich geschrumpft.
„Viele wirtschaftlich relevante Regeln und Verordnungen, die zum Beispiel die Regierungen Kohl oder Thatcher noch durchboxen konnten, laufen heute auf EU-Ebene“, sagt Klaus Schlote, Chef des Research des Frankfurter Brokers Solventis. „Die Anleger werden weiter vor allem darauf schauen, ob die Erholung der Weltwirtschaft weitergeht; davon hängen schließlich auch die Umsätze und Gewinne der meisten Dax-Konzerne ab, die einen Großteil ihrer Geschäfte inzwischen im Ausland tätigen“, so Schlote.









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Alle Kommentare lesen20.10.2009, 00:03 UhrAnonymer Benutzer: Halvar
Da gibt es etliche solide Untersuchungen v.a. von R. Prechter (www.elliottwave.com), dass die börsenkurse die beliebtheit der Politiker und Parteien bestimmen und nicht umgekehrt. Zu der Frage, wie genau die Kurse zustandekommen, gibt es einige interessante Antworten auf http://tinyurl.com/yfc5p8m - erstaunlich, dass nicht mehr über diese Untersuchuugen bekannt ist.
05.10.2009, 20:02 UhrAnonymer Benutzer: Otto Geldnagel
Die Euphorie derzeit soll labile Charakter zum Anleger machen. Egal ob Fonds/Anleihe oder Aktie.
Eine Weile wird die Gier sich halten können. Wer nicht rechtzeitig abspringt wir überfahren und darf sich dann Opfer nenn.
05.10.2009, 19:51 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt
insgesamt ist festzuhalten: deutsche börse spielt keine Rolle - sie ist nur ein lokales Abbild der New Yorker börse. Es müßte in Deutschland schon eine Revolution stattfinden, andernfalls wird sich DAX vom DJiA nicht abkoppeln.
Warum? Weil in Deutschland kein Aktienmarkt existiert. Es gibt einen geringen Zusammenhang zwiscshen Aktienkursen und dem eigentlichen Wirtschafts- und Wachstumspotential deutscher Konzerne. Dies ist zugegebenermaßen auch in den USA zunehmend der Fall, aber noch sind die US-Unternehmen profitorientiert, und nicht sozial gerecht.
Also gilt nur, was in den USA passiert. Und siehe da: da ist Geld umsonst, und davon auch noch praktisch unendlich viel, und die börse noch nicht überhitzt. Was ergibt das? Steigende Kurse für die nächsten Jahre - bis zum nächsten Crash.