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Börse nach der Wahl: Steigen langfristig die Kurse?

von Stefan Hajek

Die Börse feiert den Wahlsieg der CDU/CSU und der FDP. Doch deren Einfluss auf die Kurse ist begrenzt.

Der Dax reagierte positiv auf Quelle: dpa
Der Dax reagierte positiv auf den Ausgang der Bundestagswahl Quelle: dpa

Als am vergangenen Sonntag deutlich wurde, dass es wohl reichen würde für eine schwarz-gelbe Koalition, trudelten bei den Brokern schnell die ersten Bestellungen ein; vor allem die Energieriesen E.On und RWE waren gefragt. Am Montag schloss der Dax mit einem Plus von fast drei Prozent, und das bei enorm hohen Umsätzen. Deutlicher hätte der Applaus der Börse zum Wahlsieg von Union und FDP kaum ausfallen können.

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Auf den ersten Blick scheint der Jubel berechtigt, wie ein Blick auf die Dax-Historie seit dem Zweiten Weltkrieg zeigt: Unter unionsgeführten Regierungen liefen die Aktienmärkte fast immer besser als unter SPD-Regierungen. Die bislang beste Börsenbilanz aller Kanzler seit 1949 hatte Konrad Adenauer, dicht gefolgt von Helmut Kohl, beide CDU.

Während Adenauers insgesamt drei Amtszeiten von 1949 bis 1961 stiegen die Kurse deutscher Aktien um fast 3700 Prozent, im Schnitt 29,5 Prozent pro Jahr. Unter der Regierung Kohl legte der Dax von 1982 bis 1996 immerhin 788 Prozent zu – 14,5 Prozent plus pro Regierungsjahr, wie Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer des Fondsanbieters SJB, ausgerechnet hat. Demgegenüber fällt die Bilanz der SPD-Kanzler mager aus: Helmut Schmidt schaffte von 1974 bis 1982 noch ein kleines Plus von 24 Prozent (2,9 Prozent pro Jahr), in den sieben Jahren unter Schröder stieg der Dax nur um 10,5 Prozent, unter Willy Brandt verlor er fast ein Drittel.

Leitbild New Yorker Börse

Je weiter links der Kanzler, desto schlechter die Börse? Das wäre zu simpel. Denn der Vergleich des Dax mit dem Dow Jones zeigt, dass der deutsche Aktienmarkt seit etwa 1960 in groben Zügen dem Auf und Ab der internationalen Leitbörse in New York folgte – unabhängig davon, wer in Bonn oder später Berlin gerade am Ruder war. So profitierten die Regierungen Adenauer und Kohl von einem stark überdurchschnittlichen Wachstum der Weltwirtschaft während ihrer Amtszeiten. Das lässt sich aber genauso an den Börsen fast aller anderen Industrieländer ablesen.

In die Amtszeiten der SPD-Kanzler Schmidt und Schröder hingegen fielen Katastrophen wie der 11. September, der Jahr-2000-Crash und die Ölkrisen der Siebzigerjahre. Dagegen hätte auch eine konservative Regierung kaum Mittel gehabt. Gegenüber dem Dow Jones machte der deutsche Aktienmarkt unter Schmidt sogar Boden gut. Und gegen eine schwache Weltkonjunktur konnten auch CDU-geführte Regierungen nichts ausrichten: Als das Wachstum des Wiederaufbaus in den Sechzigerjahren nachließ, verlor die Börse unter Ludwig Erhard massiv; ausgerechnet der erklärte Wirtschaftsfachmann Erhard weist damit nach Brandt die zweitschlechteste Börsenbilanz als Kanzler auf.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.10.2009, 00:03 UhrAnonymer Benutzer: Halvar

    Da gibt es etliche solide Untersuchungen v.a. von R. Prechter (www.elliottwave.com), dass die börsenkurse die beliebtheit der Politiker und Parteien bestimmen und nicht umgekehrt. Zu der Frage, wie genau die Kurse zustandekommen, gibt es einige interessante Antworten auf http://tinyurl.com/yfc5p8m - erstaunlich, dass nicht mehr über diese Untersuchuugen bekannt ist.

  • 05.10.2009, 20:02 UhrAnonymer Benutzer: Otto Geldnagel

    Die Euphorie derzeit soll labile Charakter zum Anleger machen. Egal ob Fonds/Anleihe oder Aktie.
    Eine Weile wird die Gier sich halten können. Wer nicht rechtzeitig abspringt wir überfahren und darf sich dann Opfer nenn.

  • 05.10.2009, 19:51 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    insgesamt ist festzuhalten: deutsche börse spielt keine Rolle - sie ist nur ein lokales Abbild der New Yorker börse. Es müßte in Deutschland schon eine Revolution stattfinden, andernfalls wird sich DAX vom DJiA nicht abkoppeln.

    Warum? Weil in Deutschland kein Aktienmarkt existiert. Es gibt einen geringen Zusammenhang zwiscshen Aktienkursen und dem eigentlichen Wirtschafts- und Wachstumspotential deutscher Konzerne. Dies ist zugegebenermaßen auch in den USA zunehmend der Fall, aber noch sind die US-Unternehmen profitorientiert, und nicht sozial gerecht.

    Also gilt nur, was in den USA passiert. Und siehe da: da ist Geld umsonst, und davon auch noch praktisch unendlich viel, und die börse noch nicht überhitzt. Was ergibt das? Steigende Kurse für die nächsten Jahre - bis zum nächsten Crash.

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