Börse: Quartalszahlen-Unsinn mit Methode

KommentarBörse: Quartalszahlen-Unsinn mit Methode

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Der WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann kommentiert die aktuelle Börsenentwicklung

von Christof Schürmann

Unausrottbar: An der Börse finden sich immer noch Investoren, die sich mit ein paar dürren Unternehmenszahlen abspeisen lassen.

Positive Schlagzeilen hatte Daimler schon lange nicht mehr gemacht. Und dann das: Am Dienstag vergangener Woche schoss der Aktienkurs des Autokonzerns gleich mal um acht Prozent nach oben. Die Stuttgarter hatten „Quartalszahlen“ mitgeteilt und einen „Gewinn vor Steuern und Zinsen inklusive Sondereffekten“ von 1,2 Milliarden Euro.

Analysten kamen ob des starken Quartals, das vermeintlich weit über allen bisherigen Schätzungen liegt, mit Kaufempfehlungen nicht nach. Wie und auf welcher Basis solche Analysen gemacht werden, ist unklar. Genauso ist es ein Rätsel, warum irgendjemand bereit war, acht Prozent mehr für eine Daimler-Aktie zu zahlen als am Vortag. Denn die Motorenkünstler aus Stuttgart hatten es gerade mal geschafft, eine halbe DIN-A4-Seite mit ein paar Zahlen unters Anlegervolk zu bringen. Gemessen am echten Quartalsbericht, den es erst morgen geben wird, drückte Daimler nur ein dünnes PS aus einem Sechszylinder.

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Mehr Fragen als Antworten

Fragt sich, wie der tolle Gewinn wohl zustande gekommen ist. Vielleicht hat Daimler ein bisschen an den internen Zinsfüßen gedreht und so Papiergewinne aus Pensionen etwa in den Ertrag gepackt. Oder vielleicht auch nur den Forschungs- und Entwicklungsaufwand aufgehübscht. Ein paar Hundert Millionen Gewinn sind da schnell beisammen.

Nicht viel besser machte es am Tag darauf VW. Die Wolfsburger nannten immerhin auch Nettoergebnis und operativen Cash-Flow – mithin die zwei wichtigsten Zahlen für den Aktionär. Den Quartalsbericht – das Futter zur echten Analyse – gibt es aber auch von VW erst am Donnerstag.

Ausrede Ad-hoc-Pflicht

Die Unternehmen zitieren als Grund für die Unsinns-Meldungen gern die sogenannte Ad-hoc-Pflicht. Die besagt, dass wichtige Informationen Investoren sofort gegeben werden müssen. Alles richtig, nur: Niemand kann auch noch so verdrechselte Zahlen an die Börse geben, ohne dass er schon den kompletten Bilanzüberblick hat.

Gewinnmitteilungen sind inzwischen zum reinen Marketinginstrument verkommen. Analysten müssten sich eigentlich dagegen wehren. Max Warburton und Lourina Pretorius von Bernstein Research taten dies: Sie haben die Stunden zusammengezählt, die die 50 Analysehäuser, die Daimler beobachten, nach einem diffusen Ausblick der Stuttgarter seit Februar damit zugebracht haben müssten, um aus deren Prognose-Quark solide Schätzungen zu generieren. 9000 Stunden soll das gekostet haben. Warburton und Pretorius empfehlen: SAP. Zumindest für Daimler-Chef Dieter Zetsche. Mit SAP-Software könnte der Daimler-Zahlenwirrwarr etwas gelöst werden, so die Hoffnung der beiden Analysten.

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