
Testfrage: Wie viele VW-Vorzugsaktien sind frei handelbarer Streubesitz, also nicht im Besitz von Großaktionären, wenn 50 Prozent de facto vom Großaktionär Katar kontrolliert werden? 50 Prozent, sollte man meinen. Die Antwort der Deutschen Börse lautet aber: 100 Prozent. Denn Vorzugsaktien müssen, anders als stimmberechtigte Stammaktien, nicht bei der Finanzaufsicht gemeldet werden. Außerdem hält Katar die VW-Vorzugsaktien indirekt, über Derivate. Die werden nach den Regeln der Börse nur in Ausnahmefällen vom Streubesitz abgezogen.
Nun hat Katar mitgeteilt, dass es die Hälfte dieser Derivate verkauft hat, also noch Derivate auf 25 Prozent der Vorzüge hält. Die Deutsche Börse sollte Katars Anteil deshalb endlich aus dem Streubesitz herausrechnen, auch wenn sie dafür ihre Regeln ändern muss. Denn die offizielle Mitteilung aus Katar zeigt: 25 Prozent der Vorzugsaktien sind faktisch nicht im Streubesitz.
Klarheit erst am 3. Dezember
Klarheit liefert die Deutsche Börse leider erst am 3. Dezember. Dann veröffentlicht sie die neue Rangliste der Streubesitz-Börsenwerte. Schon jetzt spekulieren Anleger wild darüber. Denn die offiziell anerkannte Höhe des Streubesitzes ist entscheidend dafür, ob VW auch in Zukunft im Dax vertreten sein wird.
Bisher ist Volkswagen im wichtigsten deutschen Aktienindex über seine Stammaktien vertreten. Im Dezember fliegen die aber aus dem Dax. Das steht jetzt schon fest. Dafür verantwortlich ist abermals Katar. Die Araber halten nämlich auch VW-Stammaktien. Und sie haben angekündigt, ihren Anteil an den VW-Stammaktien von 7 auf 17 Prozent zu erhöhen. Weil auch Niedersachsen und Porsche üppig VW-Aktien halten, rutscht der Streubesitz der Stammaktien damit unter zehn Prozent. Zehn Prozent aber sind Mindestvoraussetzung für die Dax-Mitgliedschaft.
Hoher Börsenwert
Bis Dienstag voriger Woche sah es so aus, als ob dann die VW-Vorzugsaktien in den Dax aufrücken. Von allen deutschen Aktien außerhalb des Dax haben VW-Vorzüge den höchsten Börsenwert. Zieht man aber die 25 Prozent der VW-Vorzüge ab, die Katar jetzt noch de facto über Optionsgeschäfte kontrolliert, kämen nicht mehr VW-Vorzüge in den Dax, sondern HeidelbergCement, weil deren breit gestreute Aktien in der Summe dann mehr wert wären als die 75 Prozent VW-Vorzüge.
VW wären komplett raus — endlich. Schon im Frühjahr hat der Sprung der VW-Stammaktie auf 1000 Euro dem Ruf des Dax geschadet. Nun fiel nach Katars Verkauf der Vorzugsaktien-Kurs um 16 Prozent. Den Schaden haben Anleger, die VW-Vorzüge kauften, weil sie deren Aufnahme in den Index erwarteten.








