100 Tage Trump: "Die politische Unsicherheit ist immens"

100 Tage Trump: "Die politische Unsicherheit ist immens"

, aktualisiert 26. April 2017, 16:53 Uhr
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Nach 100 Tagen ist es Zeit für eine erste Zwischenbilanz aus Marktsicht.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Nach 100 Tagen im Amt hat US-Präsident Donald Trump politisch wenig umsetzen können. Die Aktienmärkte haben die neue Regierung dennoch gefeiert. Und ein Ende der Kursrally ist nicht in Sicht.

FrankfurtMit der Hoffnung auf Konjunkturimpulse hat US-Präsident Donald Trump die Aktienmärkte seit den Wahlen im November beflügelt. An diesem Samstag ist die neue Regierung 100 Tage im Amt. Politische Ergebnisse kann sie kaum aufweisen, das Enttäuschungspotenzial für Investoren ist groß. Dennoch rechnen Anlageprofis mit einer Fortsetzung der Kursrally.

„Trump hat eine schwache 100 Tage-Bilanz“, betont Sal. Oppenheim-Chefvolkswirt Martin Moryson bei einem Pressegespräch in Frankfurt. Projekte wie die Gesundheitsreform und Einreisestopps in die USA für bestimmte Menschengruppen sind gescheitert. Der Handelskrieg mit China fällt aus – da das Land nun doch kein Währungsmanipulator ist, wie Trump inzwischen eingeräumt hat. Auch den jüngsten Plan, den Städten, die Flüchtlinge aufnehmen, den Geldhahn zuzudrehen, konnte er nicht umsetzen.

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„Sein größter Fehler ist aber wohl, dass er sich von der Transpazifischen Partnerschaft, kurz TPP, zurückgezogen hat“, meint Moryson. Einer der größten Profiteure davon ist nun China. Das Land wäre geschwächt gewesen, wenn die USA mit Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam und weiteren Ländern ein Handelsabkommen zustande gebracht hätte.

Man müsse jedoch auch einräumen, so Moryson, dass Trump es nicht einfach habe. „Er hat zahlreiche Gegner in den eigenen Reihen: So war die sogenannte Tuesday Group gegen die Abschaffung der Gesundheitsreform Obamacare. Und eine weitere Gruppe, genannt Freedom Caucus, stimmt gegen alles, was den Staat stärkt. Sie lehnt beispielsweise auch höhere Staatsausgaben ab.“

Auch mit seinem Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, wird Trump daher wohl scheitern. „Dafür fehlt schlichtweg das Geld“, meint Moryson. Sein Versuch, auf Zeit zu spielen, werde wohl scheitern, – wie wahrscheinlich auch weitere Infrastrukturprojekte. Niedrigere Unternehmenssteuern seien zwar ein guter Ansatzpunkt. Für diesen Donnerstag hat Finanzminister Steve Mnuchin weitere Details zur geplanten Steuerreform angekündigt. Demnach sollen die Steuern für US-Unternehmen von 35 Prozent auf 15 Prozent sinken.

„Allerdings fehlt auch hier die Gegenfinanzierung“, moniert Moryson. Eine auch angedachte Grenzausgleichssteuer für Importe in die USA soll es nun wohl nicht geben. Dass sich die Steuerreform durch mehr Wachstum selbst finanziert, gilt als unwahrscheinlich. „So etwas dürfte bei vielen Republikanern und den Demokraten durchfallen und kaum Aussicht auf Erfolg haben“, meint daher auch Analyst Dirk Gojny von der National-Bank in einem aktuellen Kommentar.

Die USA haben laut Ökonom Moryson zwei zentrale Probleme: Die Bevölkerung und auch die Arbeitsproduktivität wachsen ihm zufolge nicht mehr. „Das heißt, das Land bräuchte qualifizierte Zuwanderung. Mit seiner Antiglobalisierungspolitik macht Trump daher genau das Falsche.“ Dabei zeige die Vergangenheit, dass Protektionismus Wohlstand kostet. „Die politische Unsicherheit ist daher immens“, betont Moryson. Der Global Economic Policy Uncertainty Index notiere so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht.


Anleger bleiben positiv für die Aktienmärkte gestimmt.

Die Aktienmärkte lassen sich von den politischen Rückschlägen aber bislang nur wenig beeinflussen. So hat der Technologieindex Nasdaq Composite zuletzt erstmals die Marke von 6.000 Punkten geknackt, der Dow Jones-Index der Standardwerte hat wieder die Marke von 21.000 Punkten überschritten. Lars Edler, Co-Chefanlagestratege von Sal. Oppenheim erwartet auch in nächster Zeit keine größeren Korrekturen: „Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es. Und das gilt, so lange die Politik das Wachstum nicht nachhaltig schwächt.“

In den USA werde es weitere Kurszuwächse geben, aber die Entwicklung werde weniger dynamisch sein. „Die Hoffnung der Anleger auf Trumps Konjunkturimpulse schwindet allmählich“, erklärt er. Eine Korrektur müssten US-Investoren dennoch nicht fürchten, da Trump ein solides konjunkturelles Umfeld geerbt habe. „Den Aufwärtstrend an den Aktienmärkten gab es schon lange vor der Wahl, Trump hatte ihn lediglich mit seinen Wahlkampfversprechen verstärkt.“ Die Wirtschaft in den USA laufe mittlerweile so gut, dass sie weitere Leitzinserhöhungen verkraften und die Notenbank Fed mit der Reduzierung ihrer Bilanzsumme bald beginnen könne, ergänzt Moryson.

Auch der aktuelle UBS Investor Watch, einer quartalsweisen Umfrage von UBS Wealth Management Americas unter US-Investoren, deutet darauf hin, dass die Anleger auch nach den ersten 100 Tagen der Trump-Administration für Wirtschaft und Börse positiv gestimmt sind. Demnach zeigen sich fast zwei Drittel der befragten Anleger zuversichtlich für die weitere Entwicklung des Aktienmarkts. Fast annähernd so viele, nämlich 61 Prozent, fühlen sich optimistisch bezüglich der Entwicklung der US-Wirtschaft. Und 56 Prozent der Investoren halten Cash-Bestände bereit, um diese einzusetzen, sobald sich bei Trumps Kerninitiativen wie Infrastrukturprogrammen und Steuersenkungen Fortschritte zeigen.


Europäische Aktien sind attraktiver als amerikanische

Mit Blick auf die europäischen Aktienmärkte betont Edler von Sal. Oppenheim, dass Anleger keine Angst vor einem zunehmenden Protektionismus durch die US-Regierung gezeigt hätten. Themen wie die Frankreich-Wahl seien Anlegern hierzulande offenbar wichtiger. „Selbst wenn doch noch die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen die Stichwahl am siebten Mai gewinnt, dürfte eine Korrektur nur kurzfristiger Natur sein“, meint der Anlageprofi. Gewinnt der europafreundliche Emmanuel Macron, dürften seiner Ansicht nach vor allem Bankaktien wie schon am Montag nach dem ersten Wahlgang profitieren.

Moryson weist dennoch darauf hin, dass die US-Politik durchaus Einfluss auf Europa hat. Die Wahl Trumps habe gezeigt, dass die Menschen nicht immer nur den Gürtel enger schnallen wollen. Auch wenn die bisherigen Wahlergebnisse in Europa – neben Frankreich auch in den Niederlanden – glimpflich aussehen, könnten Reformen nicht fortgesetzt werden wie bisher. „Spätestens nach der Bundestagswahl im September müssen wir uns auf eine stärkere Umverteilung zwischen den Ländern einstellen“, betont Moryson.

Von der Bewertung her hält Edler wie viele seiner Kollegen aber europäische Aktien derzeit für attraktiver als US-Dividendenpapiere. Zugleich glaubt er in Europa an steigende Unternehmensgewinne. Den Dax sieht Sal. Oppenheim in zwölf Monaten bei 12.900 Punkten, das wäre beim jetzigen Stand ein Plus von etwa 3,5 Prozent. Starke Zuwächse erwartet Edler beispielsweise bei portugiesischen und spanischen Aktien.

Kopfschmerzen bereitet Edler dagegen der Rentenmarkt: „Vor allem mit deutschen Staatsanleihen, die Investoren in der Vergangenheit eine gute Performance beschert haben, wird sich nichts mehr verdienen lassen. Wir sehen keinerlei Ertragspotenzial in den nächsten Jahren in keiner Laufzeit.“

Da keine Kupons mehr gezahlt werden, die Kursverluste abfedern könnten, seien Anleger diesen nun schutzlos ausgeliefert. Auch wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen niedrig halten wird, können „wir uns den internationalen Zinsentwicklungen nicht komplett entziehen“, so Edler mit Blick auf die USA. Ohne risikobehaftete Anlagen im Depot wie Aktien werden Investoren daher nicht auskommen, meint er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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