Absturz der Apple-Aktie: Wie es zu mysteriösen Kursstürzen kommt

Absturz der Apple-Aktie: Wie es zu mysteriösen Kursstürzen kommt

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Der Apple Store an der 5th Avenue in New York: Der IT-Konzern verlor an der Börse rapide an Wert.

von Annina Reimann und Saskia Littmann

Am Montag hat die Apple-Aktie innerhalb weniger Sekunden rund 40 Milliarden Dollar Börsenwert verloren - und sich kurz darauf wieder erholt. Welche Rolle Hochfrequenzhändler dabei spielen könnten.

Wie aus dem Nichts verlor Apple am Montag rund 40 Milliarden Dollar an Börsenwert. In der Spitze stürzten die Aktien um mehr als sechs Prozent ab, der Kursverlauf zeigte tief nach unten. Und zwar rasend schnell. Die Kursverluste ereigneten sich innerhalb von einer Minute (siehe Grafik). Gleich nach Eröffnung der New Yorker Börse ging es für Apple auf Talfahrt - ohne ersichtlichen Grund.

Denn wichtige Unternehmensnachrichten hatte Apple nicht verkündet. Erst in der vergangenen Woche lag der Börsenwert von Apple erstmals über 700 Milliarden Dollar - noch nie war ein amerikanisches Unternehmen so wertvoll. Im November hatte die Aktie um zehn Prozent zugelegt.

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Experten mutmaßen daher, dass Händler mit Hilfe ihrer computergesteuerten Handelsprogramme die Kursverluste anschoben. "Wenn man solche Kursverläufe sieht, ist es klar, das Algorithmen im Spiel sind", sagte der auf Hochfrequenzhandel spezialisierte Börsenexperte Steve Hammer der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch was muss passieren, damit Kurse derart schnell einbrechen? Eine der am weitesten verbreiteten Strategien im Hochfrequenzhandel ist die so genannte Trendfolge: Algorithmen suchen dabei nach Aktienkursen, die schneller steigen oder fallen als in normalen Börsenzeiten. Die Rechner springen dann auf den Trend an, folgen ihm und kaufen oder verkaufen mit, bis der Kurs wieder dreht - dann verkaufen sie blitzschnell wieder.

Pausenlose Überwachung

Der Hochfrequenzhändler programmiert seine Maschine dabei so, dass sie ständig die Börsenkurse und Handelsvolumina bestimmter Aktien überwacht. Angenommen, das stündliche Handelsvolumen einer Aktie liegt historisch gesehen bei durchschnittlich 100.000 Euro. Bringt das Unternehmen eine Gewinnwarnung heraus, steigt das Handelsvolumen sofort um das Fünffache, gleichzeitig sinkt der Kurs. Der Computer erkennt also aufgrund der historischen Daten das ungewöhnlich starke Handelsvolumen und den schneller als normal sinkenden Kurs.

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Wie der Apple-Kurs mit dem Handelsvolumen korreliert (für eine vergrößerte Ansicht bitte auf das Bild klicken).

Warum der Kurs so stark sinkt, interessiert den Computer dabei nicht - er kann und muss die schlechte Nachricht auch nicht lesen. Der Hochfrequenzhändler hat ihn nur darauf programmiert, eine Aktie zu verkaufen, sobald der Kurs dieser Aktie in einer bestimmten Zeit um einen bestimmten Prozentsatz fällt - und gleichzeitig das Handelsvolumen um einen bestimmten Prozentsatz anzieht.

Der Computer folgt also schlicht dem Abwärtstrend. Und zwar bereits in einem sehr frühen Stadium, wenn der Kurs eben noch nicht um mehrere Prozent gefallen ist.

Wie verdient wird

Um Geld zu verdienen, verkauft der Computer Aktien, die er gar nicht hat - er geht "short", wie es in der Fachsprache heißt. Geld verdient der Hochfrequenzhändler mit dieser Strategie immer dann, wenn er kurz darauf die Aktien billiger zurückkaufen kann.

Umgekehrt funktioniert die Strategie genauso bei steigenden Kursen: Steigt zum Beispiel die Siemens-Aktie plötzlich innerhalb von wenigen Sekunden um mehr als ein Prozent, kauft der Algorithmus automatisch Siemens – so lange, bis der Trend stoppt. Der Algorithmus fängt dann sofort wieder an zu verkaufen. In der Konsequenz verstärkt die Trendfolge dabei Kurseinbrüche und –anstiege.

Ob das bei Apple so war, ist unklar. Allerdings ist es gut möglich, dass einige Anleger nach den Kursanstiegen der vergangenen Wochen Gewinne mitgenommen haben und der Kurs daraufhin gesunken ist. Das könnte wiederum die Stop-Loss-Limits anderer Anleger ausgelöst haben.

Ein Stop-Loss hinterlegen Anleger im Computer ihrer Bank, diese ist dann berechtigt, bei Durchbrechen der hinterlegten Kursmarke die Aktien sofort zu verkaufen. Haben viele Anleger Stops gesetzt, kann eine Kettenreaktion in Gang kommen, bei der dann auch die Algorithmen der Hochfrequenzhändler auf den Abwärtstrend einsteigen.

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Die oben stehende Grafik illustriert das. Während der Kurs zunächst leicht sinkt, verliert die Aktie plötzlich zwischen einem Preis von 116 und 117 Dollar rapide an Wert. Hier könnten offenbar viele Stop-Kurse gesetzt worden sein - denn auch das Handelsvolumen steigt drastisch an, auf bis zu 3400 Transaktionen in einer Sekunde. Das ist eine der Variablen, auf die die Hochfrequenzhändler reagieren.

Nach dem Einbruch hat sich die Aktie leicht erholt. Ist der Absturz vorbei, werden die niedrigeren Kurse zum Rückkauf genutzt.

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