Absturzgefahr an den Börsen: "Risikoarme Marktsegmente sind eine Illusion"

InterviewAbsturzgefahr an den Börsen: "Risikoarme Marktsegmente sind eine Illusion"

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Heinz-Werner Rapp, Chefanlagestratege der Vermögensberatung Feri, sieht hohe, weitgehend ignorierte Risiken an den Börsen.

von Andreas Toller

Heinz-Werner Rapp, Investment-Chef beim Vermögensverwalter Feri, sieht viel größere Gefahren am Anleihen- und Aktienmarkt, als viele Profi-Investoren berechnen. Schuld ist ein Paradox.

Herr Rapp, in den vergangenen Wochen ging es am Aktienmarkt zu wie auf einer Achterbahn: schnell runter, langsam rauf. Waren das nur Korrekturen oder droht ein kompletter Richtungswechsel?

Das ist die entscheidende Frage. Ich bin erstaunt, wie wenig das schlechte Abschneiden des Dax zuletzt thematisiert wurde. Zeitweise sind wir 13 Prozent unter die Bewertungen vom Jahresbeginn gefallen. In vielen deutschen Portfolios, die oftmals sehr Dax-lastig sind, sieht es nicht gut aus.

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Sie glauben also, trotz der scharfen Korrektur steht der Super-GAU noch aus?

Wenn man alle Märkte, also zum Bespiel auch die Rohstoffsektoren, konjunktursensitive Branchen oder auch das Verhältnis von Aktien zu Renten – die Stock-Bond-Ratio - mal genauer analysiert, sieht das Gesamtbild nicht gut aus. Die seit drei Jahren stabile Stock-Bond-Ratio hat zuletzt kräftige Einschläge erfahren. Die Probleme sind deutlich erkennbar: Erstens die faktisch vorhandenen deflationären Trends. Zweitens ist Wirtschaftswachstum inzwischen ein extrem knappes Gut, selbst in den USA, wo es noch ganz gut läuft. Drittens die von den wichtigen Staaten mehrheitlich verfolgte Austeritäts-Politik, in Deutschland, Europa insgesamt und selbst in China, wo die Regierung Exzesse ausschwitzen oder sanieren möchte. In der Summe verliert die globale Wirtschaft dadurch deutlich an Flughöhe.

Zur Person

  • Heinz-Werner Rapp

    Heinz-Werner Rapp ist als Vorstandsmitglied der oberste Investmentstratege beim Vermögensverwalter Feri mit Hauptsitz in Bad Homburg. Feri verwaltet zusammen mit dem Mutterkonzern MLP ein Vermögen von rund 26 Milliarden Euro für vermögende Familien, Stiftungen und institutionelle Investoren.

Das allein wäre aber noch kein Grund für einen dramatischen Absturz, allenfalls für Kursrückgänge.

Es gibt überall Mikro-Risse in den Marktsegmenten, die direkt an der Konjunkturentwicklung und am Wachstumszyklus hängen. All diese Bereiche haben zuletzt massiv verloren und teilweise auch bestehende Trends gebrochen. Das sieht für mich nicht mehr nur nach einer Korrektur aus. Es sind grundsätzliche Risse im Bild, die eher in eine schwierige Richtung deuten.

Aktien gelten noch nicht als überbewertet. Das Absturzpotenzial sei deshalb begrenzt, glauben die meisten Marktbeobachter und Experten. Ist das ein Trugbild?

Bis vor kurzem waren die Märkte viel zu naiv und in ihrer virtuellen Realität unterwegs. Da ist noch eine Menge Platz für Enttäuschungen. Das Problem liegt in den optisch niedrigen Risikokennzahlen. Risikoarme Marktsegmente sind jedoch eine Illusion. Diese Situation entspricht dem Persaud-Paradox, einer wenig bekannten Theorie des Ökonomen Avinash Persaud. Sie besagt, dass die Beobachtung scheinbarer Sicherheit an den Anlagemärkten im Zeitablauf ein steigendes Risiko erzeugt. Das lässt sich insbesondere an den Rentenmärkten gut beobachten, teilweise auch am Aktienmarkt.

Internationale Aktienmärkte Den Börsen droht der Ausverkauf

Auch in den USA brechen die Inflationserwartungen ein, die Börsen wackeln. Um sie zu stützen, bräuchte es wohl mehr als 200 Milliarden Dollar pro Quartal - aber selbst die Aussicht darauf dürfte nicht reichen.

Ein Börsenhändler an der Börse in New York Quelle: dpa

Das müssen Sie genauer erklären.

Seit drei Jahren bewegen sich die Anleihemärkte stetig aufwärts. Die Maßnahmen der Notenbanken und der Anlagezwang bestimmter Großinvestoren haben wesentlich dazu beigetragen. Der Herdentrieb der Anleger hat den Trend verstärkt. Dadurch ist die Volatilität, also die Schwankungsbreite der Kurse, immer weiter gesunken und zuletzt auf einem historisch extrem niedrigen Niveau angelangt. Die Anleger haben zudem für eine attraktivere Rendite immer höhere Risiken in Kauf genommen, etwa durch Käufe von Hochzinsanleihen. Aber typische Risikomanagement-Systeme der Anlageprofis, die sich – insbesondere am Rentenmarkt – an der Volatilität bemessen, geben dann die falschen Signale und gaukeln zu große Sicherheit und Stabilität vor.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

  • Die Umfrage

    Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt einmal jährlich im Auftrag von pro aurum die Deutschen nach ihren Anlagestrategien. Hier die Ergebnisse vom Juni 2015 - im Vergleich zu den Vorjahren. Zuerst wurden den Bürgern fünf Geldanlagen genannt, mit der Bitte, anzugeben, welche davon aus ihrer Sicht derzeit am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

  • Gold

    Gold platziert sich zum fünften Mal in Folge an erster Stelle, diesmal allerdings deutlicher vor Aktien, die seit 2011 Zuwächse erzielten, aber aktuell in der Anlegergunst gesunken sind: 30 Prozent der Bürger würden sich heute für Gold entscheiden, weil sie vermuten, dass diese Anlage nach mindestens drei Jahren Laufzeit im Vergleich zu den vier anderen Geldanlagen den meisten Gewinn bringt. Gold konnte somit um zwei Prozentpunkte zulegen.

  • Aktien

    Nur noch 23 Prozent halten Aktien für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Im Vorjahr hatte dieser Wert mit 27 Prozent offenbar einen Gipfel erreicht.

  • Fondsanteile

    Es folgen Fondsanteile mit zwölf Prozent. Fonds sind in der Gunst der Anleger wieder leicht gegenüber dem Vorjahr gestiegen. 2013 hatte dieser Wert mit 13 Prozent noch ein Hoch erreicht, war aber 2014 auf elf Prozent zurückgefallen.

  • Festgeld

    Fest- beziehungsweise Termingeld hielten sieben Prozent der Befragten für die lukrativste langfristige Geldanlage. Seit 2011 ist diese Anlageklasse deutlich ins Hintertreffen geraten, damals glaubten noch 22 Prozent der Befragten, Termin- und Festgelder würden auf drei Jahre betrachtet den meisten Gewinn abwerfen.

  • Anleihen

    Drei Prozent nannten Anleihen als aussichtsreichste Anlageklasse, im Vorjahr waren es nur zwei Prozent. Anleihen spielen somit für Privatanleger praktisch keine Rolle. Ernüchternd: Knapp jeder vierte Bürger (24 Prozent) kann nicht sagen, welche dieser Anlagen am besten geeignet wäre, um langfristig möglichst viel Gewinn zu erzielen. Die Angaben "weiß nicht" oder "keine davon" kamen bereits in den Vorjahren ähnlich häufig vor.

Tatsächlich sind die Risiken viel größer?

Die anhaltenden Interventionen der Notenbanken haben das Risiko künstlich niedrig gehalten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem Economic Report und seinem Financial Stability Report die Gefahren ebenfalls skizziert. Im Economic Report wurden zuletzt für immer mehr Volkswirtschaften die Wachstumsprognosen gesenkt. Im Bericht zur Finanzstabilität hat der IWF davor gewarnt, dass zu viel naives Geld in den Rentenmarkt fließt, vor allem in zwei Bereiche: Jene, die aufgrund der niedrigen Volatilität als risikoarm wahrgenommen wurden, und in Bereiche mit unterschätztem Liquiditätsrisiko. In letzteren besteht die Gefahr, dass der Handel für spätere Verkäufe nicht liquide genug ist, also ein Handel zum aktuellen Kurs nicht zustande kommt. Akzeptiert ein größerer Verkäufer deutliche Preisabschläge, droht eine Kettenreaktion.

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2 Kommentare zu Absturzgefahr an den Börsen: "Risikoarme Marktsegmente sind eine Illusion"

  • „Vermutlich kommt es anschließend zu einer Erholung, weil die Notenbanken die Märkte sofort wieder beruhigen“. So war es bisher und genau so wird es auch bleiben – bis zum Kollaps, der nicht verhindert, sondern lediglich mit immer mehr Billionen in immer kürzeren Abständen durch die Zentralbanken hinausgeschoben wird.

    Mit jeder „Rettung“, also Manipulation der Aktienmärkte durch die Zentralbanken nehmen die Fliehkräfte im Quadrat zu.
    Die Zentralbanken nehmen das Geld der Sparer und Rentner, also die Lebensleistungen der ehrlichen Bürger, um Spekulanten weiter zu füttern und um deren Verluste mit den Geldern der ehrlichen Bürger auszugleichen.

    +++ Das ist Bankraub – nur andersrum – und völlig legal +++

    Aber nur so lange, wie sich die Bürger die Enteignung ihrer Lebensleistung durch unsere lobbygesteuerten Politiker gefallen lassen! Zum anderen müssen unsere Politiker die Befehle unserer Besatzer ausführen. Das sagt eigentlich alles. Nicht im Interesse der Bürger der BRD agieren, sondern die Befehle der Finanzbetrugsmafia!

    Ich würde mich also nicht wundern, gerade bei uns in der BRD Finanzagentur GmbH, diese 7,5 Mio. Bürger, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, z.B. als Aufstocker, weil ihr Lohn so nickrig ist, dass sie weniger verdienen als Sozialhilfe ausmacht, und die anderen 5 Mio. Bürger, die aus Scham und den Schikanen der Mitarbeiter der Arbeitsagenturen nicht mal die Aufstockung auf Sozialhilfeniveau in Anspruch nehmen auf die Barrikaden gehen!

    Mit „auf die Barrikaden gehen“ verstehe ich nicht, Randale zu machen und Staatseigentum zu beschädigen, sondern die Bürger kollektiv Geld von "jeder Bank ihres Vertrauens abheben“, evtl. auch mit a bissl „Nachdruck“!?!? Alle zur selben Zeit - bundesweit!

  • Teil II
    1986, 1987, 1989 und 1990 waren wir unumstrittener Exportweltmeister. 20 Jahre lang waren wir immer unter den ersten drei!! Entsprechend den SHAEF-Gesetzen (Kriegsrecht) muss die BRD GmbH diese Überschüsse in Gold anlegen und ... in den USA „deponieren“. Wer lacht da? Das ist bitterer Ernst.

    Als die Bundesbank ein Teil des Goldes zurückholen wollte, um die Souveränität zu demonstrieren und um Ängste zu zerstreuen, da war halt nix mehr da, was man zurückholen konnte. Von den zweitgrößten Goldrücklagen weltweit wurden 5 Tonnen Gold umgeschmolzen und dann medienwirksam nach Deutschland gebracht.

    Unsere gesamten Exportüberschüsse seit 1945 – von den USA verfrühstückt!
    Unsere Rentenrücklagen – gingen für die DDR drauf!

    Unsere Sparguthaben – spätestens nach der nächsten Währungsreform, der Wiedereinführung der Landeswährungen – offiziell weg! Sie sind es bereits jetzt!

    Unsere Altersversorgung in Form von selbstgenutzten und vermieteten Immobilien – weg! Weil niemand Grundbesitz ohne Zustimmung des Alliierten Kontrollrats erwerben kann. Nur Grundvermögen, das bereits vor 1945 vorhanden war und durch Erbschaft übertragen wurde, das existiert immer noch.

    Da kann man nix machen, nur seine Ersparnisse und sein Vermögen sicher und günstig in Edelmetalle umschichten, die Koffer packen und auswandern, in ein souveränes Land!

    Die Deutschen sind die Einzigen, die ihr ganzes Leben lang gearbeitet und Ersparnisse angehäuft haben – und arm sind wie eine Kirchenmaus. Die anderen Leben fast alle auf Pump.

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