Achterbahn-Aktie: Commerzbank droht Verlust der Unabhängigkeit

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Achterbahn-Aktie: Commerzbank droht Verlust der Unabhängigkeit

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Bei Betrachtung der Commerzbank-Aktie gibt es für Anleger kaum noch Hoffnung auf ein Verbesserung

Die Commerzbank-Aktie ist noch ein Schatten ihrer selbst. Der Dax-Wert hat alle Merkmale eines Börsenschwergewichts verloren. Für Anleger gibt es kaum noch Hoffnung, denn der zweitgrößten Bank Deutschlands droht noch mehr Ungemach.

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass die illustre Investorengruppe Cobra die Commerzbank übernehmen wollte. Zu Beginn des Einstiegs wurden damals 40 Euro je Aktie bezahlt. Wer heute einen erneuten Übernahmeversuch nach dem Cobra-Vorbild wagen würde, könnte wesentlich billiger einsteigen. Die Commerzbank-Papiere kosteten in dieser Woche nur noch 5,60 Euro. Dabei hatte die Bank erst im April, kurz vor der milliardenschweren Kapitalerhöhung, zehn Aktien zu einer zusammengelegt und damit verhindert, dass ihre Anteilsscheine zu Pennystocks werden. Der Kurs lag danach bei knapp über zehn Euro. Doch von dieser Marke ist die Aktie inzwischen weit entfernt. An der Börse ist die Bank nur noch sieben Milliarden Euro wert.

Offenbar sind die Commerzbank-Aktionäre mittlerweile so pessimistisch, dass jeder Wermutstropfen gleich massive Aktienverkäufe auslöst. In dieser Woche ging es für die Papiere von Deutschlands zweitgrößter Privatbank nochmal massiv abwärts. Hätte nicht Mario Draghi, Präsident der Europäischen Notenbank, am Donnerstag dauerhaft niedrige Leitzinsen versprochen und so die Aktienmärkte insgesamt beflügelt, läge das Wochenminus für die Commerzbank-Aktie nicht bei knapp sechs Prozent (Freitag, 11 Uhr), sondern bereits bei rund zwölf Prozent. Seit dem Wochentief kurz vor der Draghi-Rede hat sich der Kurs wieder um 0,75 Cent auf 6,35 Euro erholt. Allerdings beruhte der Aufstieg ausschließlich auf den bessern Aussichten für die Bankenbranche in Europa und ist nicht primär ein Erfolg der Commerzbank. Lediglich Finanzchef Stephan Engels war am Donnerstag anhaltenden Marktspekulationen über eine weitere Verschlechterung der Lage im Schiffsportfolio entgegen getreten, nachdem Spekulationen um neue Belastungen in diesem Geschäftsbereich den Kurs zuvor deutlich gedrückt hatten. Vielmehr war es die Aussicht auf weitere Liquiditätsspritzen der Notenbank, die den den Markt frohlocken ließ, die Kurse der europäischen Staatsanleihen zogen wieder an. Traditionell profitieren Finanztitel am stärksten von den Beruhigungspillen durch die EZB, da sie als Staatsfinanzierer die Bonds in ihren Bilanzen haben.

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Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

  • August 2008

    Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

  • September 2008

    Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

  • November 2008

    Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

  • Dezember 2008

    Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (SoFFin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

  • Januar 2009

    Der SoFFin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an Stillen Einlagen in die Bank.

  • April 2011

    Die Commerzbank kündigt an, von den Stillen Einlagen des SoFFin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

  • Oktober 2011

    Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. "Da geh ich nicht nochmal hin", sagt er und meint den SoFFin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

  • Juni 2012

    Für die Bonus-Aktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der SoFFin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

  • November 2012

    Die Bank kündigt an, rund zwei Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Geschäfts zu stecken.

  • März 2013

    Der SoFFin lässt die Beteiligung an der Commerzbank erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz.

  • April 2013

    Die Zahl der Aktien wird eingedampft, aus zehn Aktien wird eine.

  • Mai 2013

    Die Commerzbank zahlt den Rest der stillen Einlagen des Staates und der Allianz zurück.

  • Juni 2013

    Das Management ringt den Arbeitnehmervertretern den Abbau von 5200 Stellen ab.

  • Juli 2013

    Die interne Bad Bank der Commerzbank kann ihr Portfolio britischer Gewerbeimmobilien verkaufen.

  • August 2013

    Der Aufsichtsrat beschließt die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Köpfe.

Derart stimmungsbedingte Hochs kennzeichnen die Commerzbank-Aktie einmal mehr als Zockerpapier. Die Commerzbank-Aktie ist schon länger Spielball von Hedgefonds, die auf schnelle Kursausschläge spekulieren. Risikogeneigte Investoren könnten die Kursverluste in den Morgenstunden zum Kauf ausnutzen, um anschließend in solchen Aufschwungphasen Gewinne mitzunehmen. Für Privatanleger bedeutet das lediglich, dass sie mit noch stärkeren Schwankungen rechnen müssen. Auch wenn sich die Aktie zuletzt erholt hat: Allein in den vergangenen beiden Wochen verlor die Commerzbank knapp ein Viertel ihres Börsenwertes - mehr als jeder andere Dax-Konzern. Es war der stärkste Kursverlust seit November 2011. "Der Kursrückgang ist fundamental in keiner Weise gerechtfertigt", sagte Finanzchef Engels in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview, das Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Äußerungen eines Vorstands zum eigenen Aktienkurs sind eher ungewöhnlich. Aber offenbar erachtet er das langsam als dringend notwendig. Wer das Bankpapier bereits seit drei Jahren im Depot hat, steht nämlich vor einem Scherbenhaufen: Verglichen mit dem Kursniveau von 2010 ist der Börsenwert um mehr als 80 Prozent abgestürzt.

"Wir haben uns klare Ziele für 2016 gesetzt, immer aber auch gesagt, dass 2013 ein Übergangsjahr wird", machte Engels deutlich. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus fährt derzeit einen radikalen Sanierungskurs inklusive Stellenabbau. Der unter Erfolgsdruck stehende Vorstandschef Martin Blessing will die Bank auf Privatkunden und den Mittelstand ausrichten. Weniger lukrative Randbereiche und Altlasten stößt er ab. Der Markt wartet noch schon lange auf durchschlagende Erfolgsmeldungen.

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