Ackman, Marshall Wace, Lone Pine Capital: Wie Hedgefonds Aktienkurse nach unten prügeln

Ackman, Marshall Wace, Lone Pine Capital: Wie Hedgefonds Aktienkurse nach unten prügeln

von Martin Gerth und Yvonne Esterházy

Hedgefonds gelten als Aasgeier, zuletzt haben sie Argentinien in die Knie gezwungen. Derzeit wetten sie vor allem auf fallende Aktienkurse. Wie erfolgreich die Spekulanten dabei sind und was Anleger davon lernen können.

Bill Ackman hat Chuzpe. Erst kürzlich ist der amerikanische Hedgefondsmanager mit einer Wette gegen die US-Aktie Herbalife gescheitert, jetzt will er trotz des Misserfolgs einen seiner Hedgefonds sogar für Privatanleger öffnen. Bisher konnten nur professionelle und vermögende Investoren bei Ackman einsteigen. Privatanleger lässt er herein, um mit dem zusätzlichen Geld seine Macht an den Märkten zu stärken. Ackman ist bekannt dafür, als Aktionär das Management von Unternehmen unter Druck zu setzen, ihnen einen Kurswechsel aufzuzwingen. Gefällt ihm eine Aktie dagegen überhaupt nicht, dann versucht er sie mit Kritik und Wetten auf fallende Kurse nach unten zu prügeln.

Spekulanten ohne Kontrolle

  • Hedgefonds...

    ...sind weitgehend unregulierte Investmentfonds, die ihre riskanten Wetten mit Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Währungen oder Immobilien zum Großteil über Kredite finanzieren. Weil sie sich staatlicher Kontrolle entziehen, werden sie auch Schattenbanken genannt.

  • Kampagnen...

    ...für Short-Wetten funktionieren besonders gut in einem Börsencrash oder wenn andere Anleger ihre Aktien verkaufen, weil sie die von Hedgefonds verbreiteten Gerüchte nervös gemacht haben. Hedgefondsmanager wie etwa Bill Ackman fahren öffentliche Kampagnen gegen Unternehmen, um für fallende Kurse Stimmung zu machen.

  • Leerverkäufe...

    ...sind die Königsdisziplin der Hedgefonds. Sie wetten dann auf fallende Kurse, sie gehen „short“. Dazu leihen sie sich Wertpapiere von Unternehmen, die sie für überbewertet halten. Anschließend verkaufen sie die Anleihen oder Aktien, um sie nach einem Kurseinbruch wieder günstiger zu kaufen und an die Bank, den Investmentfonds oder die Pensionskasse zurückzugeben, die ihnen die Papiere geliehen hat. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufkurs ist ihr Gewinn – oder Verlust.

Ackman ist nicht allein. Nach einer Studie der Unternehmensberatung EY haben Hedgefonds in diesem Jahr insgesamt bereits 150 Negativ-Kampagnen gegen Unternehmen betrieben. So viele waren es zuletzt zu Beginn der Finanzkrise.

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Egal, ob Anleger Hedgefonds für unsympathische Aasgeier oder geniale Zocker halten: Sie sind viel zu einflussreich, um sie zu ignorieren. So ist es gerade erst mehreren Hedgefonds gelungen, Argentinien erneut in die – zumindest technische – Pleite zu zwingen. Sie hatten argentinische Altanleihen einst zu Niedrigkursen gekauft und bestanden auf voller Rückzahlung, die Buenos Aires nicht leisten wollte, während alle anderen Altgläubiger sich längst mit der Regierung geeinigt hatten.

Viel Macht

Ob solchen Druckes werden einigen Politikern die Hedgefonds zu mächtig. Insider berichten, dass Vertreter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in Krisenzeiten künftig direkt in die Geschäfte von Hedgefonds eingreifen wollen.

Weltweit verwalten Hedgefonds laut Agentur Hedgefundresearch 2,8 Billionen Dollar; das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Frankreichs. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres flossen den als Schattenbanken bezeichneten Fonds 30,5 Milliarden Dollar an frischem Kapital zu. Der Zustrom hat drei Gründe:

- Mangelnde Anlagealternativen: Anleihen geben kaum es etwas her, Immobilien sind teuer, Aktien sind schon weit gelaufen.

- Regulierung: Banken und Vermögensverwalter bieten kaum noch riskante, aber chancenreiche Investments an, weil sie teure Sicherheiten vorhalten müssen.

- Niedrige Zinsen: Die Fonds können sich derzeit billig Geld leihen. Gehen ihre Wetten auf, vervielfachen sie so ihre Rendite.

Euro-Wechselkurs Hedgefonds wetten auf Euro-Absturz

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die Deflation mit Sorge, die nächste Geldschwemme der Notenbank wird immer wahrscheinlicher. Hedgefonds setzen deshalb Milliarden auf einen fallenden Euro.

Eine Ein-Euro-Münze liegt auf einer Ein-Dollar-Banknote Quelle: dpa

Vom günstigen Umfeld profitieren auch Fonds, die auf fallende Kurse wetten, im Fachjargon „short gehen“ genannt. Auch sie sammelten frisches Kapital ein, obwohl es für sie zuletzt schlecht lief: 2013 machte der Hedgefundresearch-Index für Short-Wetten ein Minus von 10,2 Prozent.

Dennoch genießen einige Hedgefondsmanager Kultstatus, den sie sich teuer bezahlen lassen. Dreistellige Millionenbeträge als jährliches Einkommen sind keine Seltenheit. Die besten Zocker haben im Laufe ihrer Karriere ein milliardenschweres Vermögen angehäuft. So hat sich der 58-jährige Steven A. Cohen aus dem aktiven Geschäft seines Hedgefonds SAC Capital Advisors zurückgezogen und verwaltet ausschließlich eigenes Vermögen. Damit dürfte er auch genug zu tun haben – es wird auf elf Milliarden Dollar geschätzt.

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6 Kommentare zu Ackman, Marshall Wace, Lone Pine Capital: Wie Hedgefonds Aktienkurse nach unten prügeln

  • "...Hedgefonds gelten als Aasgeier..."

    Aus welchen Ländern kommen denn die meisten und größten dieser Aasgeier?
    Sagt das nicht etwas über die Zustände dieser Länder/ dieses Landes aus?

  • @Paul M
    Was genau sagt dies über diese Länder aus? Sind allein Hegdefonds stilbildend für die Kultur eines Landes?

    Martin Gerth

  • Sicher massgeblich, Herr Gerth. Wenn Geldmachen um jeden Preis und ohne Rücksicht als Wert in einem Land propagiert wird, dann ist das schon "stilbildend" für die Kultur eines Landes. Hedgefonds sind nur eine Ausprägung, aber eben eine der extremeren. Ihr vermehrtes Auftreten sagt etwas über die "Kultur" ihrer Heimat aus.

    Deutsche Autos werden schliesslich auch mit deutscher Ingenieurskunst, also unserer Kultur assoziiert, und das auch nicht zu unrecht.

    Ich empfehle einen Weiterbildungskurs zum Interkulturellem Management.

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