ADO Properties und CBR: Börsenkandidaten ziehen sich zurück

KommentarADO Properties und CBR: Börsenkandidaten ziehen sich zurück

von Christof Schürmann

Der Berliner Immobilienkonzern ADO Properties zieht kurz vor der geplanten Zeichnungsfrist die Reißleine. Auch aus dem geplanten Börsengang des Modehändlers CBR wird erstmal nichts.

Merken Sie sich die Namen ADO Properties und CBR. Der Modehändler (Street One, Cecil) sagte heute Morgen seinen Börsengang ab. Der Berliner Wohnimmobilienkäufer und Plattenbauspezialist zog am Montag, wenige Stunden vor dem Ende der Zeichnungsfrist, die Reißleine: Die bisher für gestern geplante Erstnotiz des Börsennovizen sei „bis auf Weiteres“ verschoben, obwohl die Emission bei den Anlegern gut angekommen sei. Grund sei sowohl bei ADO als auch bei CBR, na klar, die Krise in Griechenland, ansonsten aber sei alles tipptopp.

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Begriffe zum Börsengang

  • IPO

    IPO steht für "Initial Public Offering", was so viel wie "erstmaliges öffentliches Angebot". Im Angelsächsischen spricht man bei einem Börsengang auch von "going public". Es geht also um den Börsengang, der Anlegern erstmals öffentlich Teile des Unternehmens in Form vom Aktien anbietet. Die Aktien sind dabei ein - meist winziger - verbriefter Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens.

  • Neuemission

    Eine Neuemission ist ein Angebot neu geschaffener Wertpapiere. Das können Aktien, Anleihen, Zertifikate oder sonstige Wertpapiere sein. Kommen etwa bei einem Börsengang neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung auf den Markt, spricht man von einer Neuemission.

  • Zeichnungsfrist

    Sie legt den Zeitraum fest, innerhalb dessen ein Anleger neu emittierte Wertpapiere zeichnen kann, also sich durch schriftliche Erklärung die Übernahme eines bestimmten Betrags zusichern kann. Nur wenn die Nachfrage schwach ist, wird eine Zeichnungsfrist auch mal verlängert.

  • Preisspanne

    Vor Beginn der Zeichnungsfrist nennt das Unternehmen eine Preisspanne, zum Beispiel von 20 bis 25 Euro. Die Investoren teilen dann mit, wie viele Aktien sie zu übernehmen bereit sind und nennen dafür einen Preis innerhalb der Preisspanne. Kommen nicht genug Anfragen zusammen, kann das Unternehmen - der Emittent - die Preisspanne auch senken. Aus den Zeichnungsaufträgen ermittelt der Emittent dann den Ausgabepreis, zu dem es die Aktien den Investoren überlässt.

  • Greenshoe/ Mehrzuteilungsoption

    Bei vielen Börsengängen können über das genannte Emissionsvolumen hinaus in den Tagen nach der Erstnotiz an der Börse weitere Aktien ausgegeben werden. Diese Mehrzuteilung wird auch Greenshoe genannt. Sie kommt bei hoher Nachfrage nach den Wertpapier zum Einsatz. Wie groß der Greenshoe ist, muss im Börsenprospekt stehen.

  • Erstnotiz/ erster Handelskurs

    Nachdem die Aktien zum Ausgabepreis an die Anleger verteilt worden sind, wird es ernst: Die Aktien werden zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Aus Kauf- und Verkaufsangebot wird der erste Kurs im Handel ermittelt - die Aktie notiert zum ersten mal an der Börse. Die Erstnotiz erfolgt zum angekündigten Datum, der erste Handelskurs sollte über dem Ausgabepreis liegen.

  • Regulierter Markt/ Marksegment

    Wertpapiere, die an einer Börse gehandelt werden, unterliegen bestimmten Spielregeln. An einem regulierten Markt sind diese besonders umfassend und verlangen zum Beispiel Banken, die den Handel betreuen und Berichtspflichten, wie die Veröffentlichung von Quartalsberichten nach bestimmten Vorschriften. Am unregulierten Markt sind die Vorschriften lascher und die eine Überwachung des Handels - etwa bei der Kursbestimmung - greift nicht.

  • Platzierungsvolumen

    Beim Börsengang kommt eine zuvor festgelegt Zahl an Aktien in den Börsenhandel. Der Wert all dieser Aktien zusammen entspricht dem Platzierungsvolumen. Dabei kann es sich um neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung (Neuemission) oder um Aktien der bisherigen Eigentümer und vorbörslichen Investoren handeln.

  • Marktkapitalisierung

    Multipliziert man den Aktienkurs mit der Zahl aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, erhält man den Börsenwert eines Unternehmens. Dieser entspricht der Marktkapitalisierung gleichgesetzt. Die Aktien, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen sind, - also im Bestand des Unternehmens verbleiben - sind dabei unberücksichtigt.

  • Streubesitz

    Unternehmen lassen selten alle Aktien an der Börse zum freien Handel zu, sondern lediglich einen Teil. Liegt etwa der Streubesitz bei 30 Prozent, sind auch nur 30 Prozent der Eigenkapitalanteile an der Börse handelbar. Je höher der Streubesitz, umso liquider ist der Handel und umso geringer die Kursschwankungen, die sich aus Kauf- und Verkaufsorders ergeben.

  • Lock up/ Haltefrist

    In der Regel verbleibt bei einem Börsengang ein großer Teil der Aktien in Besitz von den bisherigen Eigentümern. Während der Haltefrist - auch Lock-up-Periode genannt - dürfen sie aus diesem Bestand keine Aktien verkaufen. Eine lange Haltefrist gilt als Bekenntnis zu einem Unternehmen.

  • Konsortialbanken

    Die Konsortialbanken begleiten den Börsengang und anschließenden Aktienhandel für ein Unternehmen. Das lassen sich die Banken natürlich vom Unternehmen bezahlen. Eine besondere Aufgabe fällt den Konsortialbanken zu, die sich als Designated Sponsor engagieren. Sie sorgen dafür, dass der Handel liquide bleibt, auch wenn zum Beispiel Käufer keinen Verkäufer der Papiere finden. Dann übernehmen sie den Part des Verkäufers, damit immer ein Kurs gestellt werden kann.

  • Bookbuilding

    Darunter versteht man das Verfahren, mit dem der Preis für neu an die Börse zu bringende Aktien festgelegt wird. Da vor der Emission von neuen Aktien kein Börsenhandel mit diesen Papieren stattfindet, kann dieser Preis nicht durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt werden. Beim angelsächsischen Auktionsverfahren geben die Banken, die das Unternehmen an die Börse bringen, eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser können Investoren ihre Gebote abgeben. Auf Grund der vorliegenden Orderlage wird der tatsächliche Emissionskurs letztlich aus dem Gebots-Durchschnitt gebildet. Früher wurde das heute kaum noch gebräuchliche Festpreisverfahren angewandt, bei dem sich die beratenden Banken und die AG schon vor Verkaufsangebot auf einen Preis einigten, den Anleger dann akzeptieren mussten. Vor allem in Deutschland wurde in jüngster Zeit ein neues, beschleunigtes Verfahren für die IPO-Preisfindung genutzt. Dabei wird das Management ohne feste Preisspanne auf Werbetour (Roadshow) zu möglichen Investoren geschickt. Auf Basis des Investoren-Echos legen die Banken danach in Abstimmung mit dem Emittenten die Preisspanne für einen verkürzten Angebotszeitraum fest.

  • Roadshow

    Die Roadshow ist eine Werbetour eines Unternehmens bei möglichen Investoren. Dabei wird versucht, möglichst viele Investoren zu gewinnen, die den angestrebten Preis für die Aktien zu zahlen bereit sind. Die Roadshow ist daher wichtig, um die richtige Preisspanne auszuloten.

Wirklich? Zum Zeitpunkt der ADO-Absage etwa notierte der Dax bei knapp 11.200 Punkten. Am Tag des Zeichnungsbeginns der ADO-Aktien am 18. Juni notierte der deutsche Leitindex mittags bei 10 830 Zählern, also ganz ordentlich darunter. Es muss also andere Gründe geben für die Absage des IPOs als Athen. Erfahrungsgemäß bedeutet das: Sollten ADO und CBR einen zweiten Anlauf zu ähnlichen Konditionen wie bisher starten, dann lieber Finger weg.

Finger weg

Ohnehin kommt jetzt gerade nicht die Creme an den Markt. Tolle Firmen wie Douglas wandern von einem Finanzinvestor zum anderen. Sie als Privatanleger dürfen sich dagegen damit auseinandersetzen, ob Sie demnächst die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) aus dem Reich der ehemaligen Pleitebank Hypo Real Estate haben wollen. Der Bund, der die pbb in der Finanzkrise aufgefangen hatte, will im ersten Schritt bis zu 80 Prozent der Aktien auf den Markt werfen. Bei der pbb ist der IPO-Prozess noch nicht so weit fortgeschritten wie bei ADO: Sie wartet mit der Veröffentlichung ihres Börsenprospektes ab, ob sich die Lage in einigen Tagen beruhigt, hieß es vom Frankfurter Parkett. Ein Börsengang vor der Sommerpause wäre auch dann noch möglich. Seien Sie auch da lieber nicht mit dabei.

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Gleiches gilt bei zwei weiteren Unternehmen, deren Zeichnungsfrist noch bis heute laufen soll. Der Edelsteinschmuckhändler Elumeo soll deutlich teurer an den Mann gebracht werden als Konkurrent Bijou Brigitte. Und ob ein Wind- und Solarparkbetreiber, wie der dritte Neuling auf der Rampe, die Chorus Clean Energy, lohnt? Mag sein, doch wie immer kommt es auf den Preis an. Vorbörsliche Taxen liegen unterhalb des niedrigsten Preises der Bookbuilding-Spanne, die Zeichnungsfrist wurden denn auch heute um acht Tage verlängert.

Hohe Preise

Die kleine IPO-Welle signalisiert Torschlusspanik und die Tatsache, dass an der Börse nach wie vor hohe Preise gezahlt werden, aber eben auch nicht jeder Preis – siehe ADO Properties und CBR. Auch deshalb ist die Hausse noch nicht am Ende, dürften sich Anleger à la longue mangels Alternativen weiter am Aktienmarkt umsehen. Schwache Tage wie zu Beginn der Woche laden geradezu dazu ein, bisher Verpasstes nachzuholen.

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