Aktien-Analysen rücken in den Hintergrund: Wie der Computerhandel das Börsengeschehen bestimmt

GastbeitragAktien-Analysen rücken in den Hintergrund: Wie der Computerhandel das Börsengeschehen bestimmt

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Viele Kursbewegungen lassen sich mit rationalen Argumenten kaum erklären, denn einzelne Trends werden vom computerbasierten Handel schnell aufgebauscht. Denn für die Computer gilt: Hauptsache die Story stimmt.

Knapp 1000 Punkte verlor der DAX in der ersten Junihälfte nachdem die Brexit-Bewegung in Großbritannien in Umfragen plötzlich vorne lag. Nach dem Attentat auf die Labour-Abgeordnete Jo Cox schoss er in der Woche vor der Abstimmung wieder um 1000 Punkte nach oben, obwohl Brexit-Befürworter und Gegner in Umfragen fast gleichauf lagen. Nach Auszählung der Stimmen folgte erneut ein Verlust von zehn Prozent und dann wieder eine kräftige Erholung. Was ist los mit dem DAX? Was erklärt solche Kurssprünge?

Ein Grund für derart irrational anmutende Kursausschläge ist im computerisierten Handel zu sehen. Computerprogramme orientieren sich an beginnenden Trends und verstärken diese. Für die Werthaltigkeit der Aktien, die sie gerade kaufen, interessieren sie sich dabei kaum. Die durchschlagende Wirkung computergestützter Aktieninvestments wird durch das passive Verhalten der anderen Anleger gefördert. Indem die Anleger Positionen als Wertaufbewahrungsmittel begreifen und durch dick und dünn halten, sind die Risiken für die Strategien des computerisierten Handels gering.

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Wie entstehen die Trends, welche vom Computerhandel aufgegriffen und verstärkt werden? Durch plausible und emotional eingängige Themen, in der Branche auch Story genannt. Die Story muss die Bedingung erfüllen, so plausibel und emotional eingängig zu sein, dass sie die kurze Aufmerksamkeitsspanne des Fondsmanagers oder Händlers zwischen eingehenden Nachrichten am Bildschirm, Telefonanrufen und E-Mails für sich nutzen kann.

Dax-Ausblick nach dem Brexit-Schock Seien Sie auf Rückschläge gefasst

Nach dem Absturz als Folge des Brexit-Votums hat sich der Dax rasch wieder berappelt und ist auf Erholungskurs eingeschwenkt. Aber für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Analysten empfehlen Automobiltitel.

Nach dem Schock kommt die schrittweise Erholung. Quelle: Reuters

Das Attentat auf die britische Labour-Abgeordnete treibt dem Lager der EU-Befürworter die Wähler zu und die Wettquoten der Buchmacher, die so oft richtig lagen, favorisieren die EU-Befürworter. Das war die Story, die den DAX bis zum Vorabend der Brexit-Abstimmung 1000 Punkte gewinnen ließ. 

Es finden sich zahlreiche weitere Beispiele für oberflächlich heftige Marktbewegungen, ausgelöst von einer simplen Story und vom Programmhandel befeuert. Erstaunlich ist etwa, dass Rohstoffwerte seit Mitte Februar hoch im Kurs am Aktienmarkt stehen, obwohl die Konjunktur weltweit eher schleppend verläuft. Eine Erklärung dafür liefert das Kaufverhalten sogenannter quantitativer Hedge-Fonds, die ihre Entscheidungen auf der Grundlage von Rechenmodellen treffen. Diese Quant-Funds weiteten ihr Investment in Rohstoffwerte zuletzt auf ein Fünfjahres-Hoch aus. So setzte am Tiefpunkt des Aktienmarkts Mitte Februar diesen Jahres zunächst ein Rückkauf von Rohstoffaktien ein, die aufgrund gefallener Metall- und Ölpreise arg im Minus lagen. Es begann eine sogenannte Short-Covering Rallye, bei der automatisch Leer-Verkaufspositionen auf Aktien aufgelöst wurden. Zur gleichen Zeit kündigte China ein Konjunkturprogramm an und es begann dort eine wilde Spekulation auf steigende Rohstoffpreise. Die Story: der größte Rohstoffkonsument der Welt startet ein Konjunkturprogramm.

Zum Autor

  • Dr. Walter Naggl

    Dr. Walter Naggl ist Chefvolkswirt der Vermögensverwaltung PT Asset Management GmbH.

Noch eine Story: Ende April reduzierte Apple seine Prognose für den iPhone-Absatz im zweiten Quartal auf 38 Millionen. Der Markt hatte 44 Millionen erwartet, also 14 Prozent mehr. Das iPhone ist das wichtigste Produkt von Apple und Apple ist der gewichtigste Technologiekonzern der Welt. Der Aktienmarkt reagiert, als ob nichts gewesen wäre. Erst als Tage später bekannt wurde, dass Carl Icahn, ein legendärer Investor an der Wall Street, Ende des vergangenen Jahres seine Apple-Aktien verkauft hatte, war die Story perfekt. Die Papiere von Apple und von zahlreichen Zulieferfirmen brachen ein.

Die Beispiele zeigen, dass tiefergehende Analysen bei einer guten Story nicht erforderlich zu sein scheinen. Unsere schnelllebige Zeit führt auf diese Weise auch zu schnelllebigen Ausschlägen am Aktienmarkt.

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