Aktien, Anleihen, Devisen: Brexit-Gespenst lässt Märkte zittern

Aktien, Anleihen, Devisen: Brexit-Gespenst lässt Märkte zittern

, aktualisiert 13. Juni 2016, 13:03 Uhr
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Anderthalb Wochen vor dem britischen Referendum spielen die Märkte verrückt.

von Martin Kölling und Julia RotenbergerQuelle:Handelsblatt Online

Die Tokioter Börse geht auf Talfahrt und auch die Dax-Anleger verkaufen lieber. Grund: Das britische Referendum rückt näher. Wie ein möglicher Brexit die Märkte durcheinanderwirbelt.

Tokio/DüsseldorfDer Trubel am Montag begann an den asiatischen Börsen: Nachdem eine Umfrage in der britischen Zeitung „The Independent“ einen deutlichen Vorsprung für die Brexit-Befürworter ergeben hatte, sackte der japanische Leitindex Nikkei um 3,5 Prozent auf 16.019 Punkte ab. Die „erhöhte Unsicherheit” über das Ergebnis des Referendums habe die Stimmung im Markt regiert, sagte Maki Sawada, Vizepräsident für Investment Research beim japanischen Broker Nomura, den Kursrutsch.

Der Aufwind der Brexit-Befürworter schlägt den Japanern ganz besonders aufs Gemüt, denn das Land würde gleich doppelt von einem Austritt der Briten getroffen. Zum einen macht ein Austritt Großbritanniens den Yen für die angstgeplagten Investoren zum „sicheren Hafen”. Zugleich macht er aber die Gewinnaussichten der japanischen Exporteure zunichte und treibt damit auch ihre Aktienkurse in den Keller. Wie das aussehen könnte, haben die Investoren am japanischen Devisenmarkt am Montag schon gezeigt: Der US-Dollar sackte auf kurzfristig in den 105-Yen-Bereich ab. Der Dollar notiert damit 20 Yen schwächer als vor Jahresfrist.

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Zweitens hat kaum eine andere Nation wie das ostasiatische Inselreich so sehr auf die britischen Inseln als Standort für ihr Europa-Geschäft gesetzt. 1300 japanische Unternehmen sind jenseits des Ärmelkanals aktiv und beschäftigen 140.000 Menschen. Seit 2012 haben sie zwölf Milliarden Pfund investiert. Die Autobauer Toyota, Nissan und Honda bilden sogar das Rückgrat der britischen Autoindustrie und beliefern aus ihren dortigen Werken das europäische Festland mit Wagen. Doch auch Technikkonzerne und Banken haben massiv in London und Umgebung investiert. Einige Konzerne wurden daher am Montag ganz besonders für ihre Treue zu den Briten bestraft.

Japan ist nicht das einzige Land, dessen Märkte in Furcht vor einem möglichen Austritt Großbritanniens am 23. Juni zittern. Der Countdown zum Brexit hat auch bei den europäischen Anlegern begonnen. Dax-Investoren beeilten sich bereits in der vergangenen Woche, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Die 10.000-Punkte-Marke gab der Index bereits am Freitagmorgen auf und sackte im Tagesverlauf um 2,5 Prozent auf 9834 Punkte ab. Am Montag ging die Abwärtsfahrt weiter. Bis zum Mittag verlor der Index weitere 1,6 Prozent und notierte zuletzt bei 9677 Punkten. „Die Nervosität in Sachen Brexit nimmt mit jedem Tag weiter zu und hält die Finanzmärkte in Atem“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. „Der Optimismus aus dem Frühjahr ist wie weggeblasen, den Börsen steht ein stürmischer Sommer bevor.“


Devisen- und Anleihemärkte in Aufruhr

Nicht nur die Aktienmärkte wirbelt die Angst vor dem Austritt Großbritanniens gehörig durcheinander. Auch an den Devisen und Anleihenmärkten ist der Trubel groß. Seit Tagen decken sich die Anleger mit den als sicher geltenden Staatsanleihen ein. Die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe sank zuletzt auf 0,13 Prozent, die Papiere sind nur einen Katzensprung von einer Negativrendite entfernt. Bei fünfzehnjährigen japanischen Staatsanleihen ist die Rendite bereits negativ, sie liegt bei minus 0,16 Prozent. Inzwischen werden so viele mit einer Negativrendite versehenen Staatsanleihen wie noch nie gehandelt – rund 8,3 Billionen wie die Zahlen der Investmentbank JP Morgan nahe legen.

An den Devisenmärkten flüchten die Investoren nicht nur in den Yen, sondern auch in den Franken. Am kommenden Donnerstag, genau eine Woche vor dem Tag des britischen Votum, entscheidet die Schweizer Notenbank (SNB) über ihre Zinspolitik. Der Austritt Großbritanniens bereitet den Schweizer Währungshütern vor allem deshalb Sorgen, weil sie sich seit mehr einem Jahr bemühen, dem Franken den Status als sicherer Investoren-Hafen abzusprechen, um die Konjunktur des Landes anzukurbeln. Ein Brexit würde den Franken genau dem Aufwertungsdruck aussetzen, den die SNB durch die Euro-Entkopplung eigentlich vermeiden will – und damit alle Mühen der Währungshüter zunichte machen.

Ein Votum der Briten für ein Verlassen der EU würde einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge einen Sprung des Franken praktisch garantieren. Bloomberg hat 23 Volkswirte zu dem Thema befragt. Die SNB würde der Aufwertung aggressive Interventionen entgegensetzen, erwartet die Mehrheit der Befragten. Einige rechnen sogar mit einer Senkung des Einlagensatzes, der sich bereits auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent befindet.

Ein kleiner Trost für alle Brexit-geplagten Investoren und Zentralbanker dürfte sein, dass es den Briten selbst mit der drohenden Entscheidung kaum besser ergeht. Schon jetzt schlägt sich das Votum nächste Woche auf die Landeswährung wieder. Der britische Pfund ist am Montag auf den tiefsten Stand seit acht Wochen gerutscht. Die Euro-Pfund-Volatilität kletterte auf 26 Prozent, zeigen Reuters-Daten. Damit ist sie höher als zu Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2008.

Für den Pfund könnte der 23. Juni zum Tag der Wahrheit werden. Entscheiden sich die Briten für den Ausstieg, könnte das Pfund gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 1985 rutschen, prognostiziert eine Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten. Im Schnitt schätzen sie, dass der Pfund im Falle des Brexit unter 1,35 US-Dollar fällt. Entscheiden sie sich für den Verbleib in der EU, könnte die Währung dagegen auf ein Jahreshoch steigen – im besten Fall über 1,5 US-Dollar.

Quelle:  Handelsblatt Online
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