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Aktien: Commerzbank und Deutsche Bank im Crash-Test

von Anton Riedl

Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank sind schwer angeschlagen. Lohnt sich eine Turnaround-Spekulation?

Zentrale der Deutschen Bank Quelle: dapd
Dieses diffuse Gefühl, das viele gepackt hat, schlägt sich in den Geschäften der Banken nieder. Besonders tief im Schlamassel stecken die Commerzbank und die Deutsche Bank (Foto) Quelle: dapd

Wenn man sich derzeit mit Bankern unterhält, dann ist dort eine tiefe Unruhe zu spüren. Und zwar nicht nur über eine vorübergehende Flaute, sondern über einen generellen Zweifel am bisherigen Geschäftsmodell. Besonders schwer drücken diese Zweifel die Investmentbanker. Sie wissen, wie auch viele Fondsmanager, kaum noch, wo man lukrativ und nachhaltig anlegt; sie wissen auch, dass die ganzen Produkte (Zertifikate, ETFs, Fonds etcetera), die sie auf irgendwelche Basiswerte herausgeben, ziemlich wenig bringen.

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Dieses diffuse Gefühl, das viele gepackt hat, schlägt sich in Euro und Cent in den Geschäften der Banken nieder. Besonders tief im Schlamassel steckt die Commerzbank. Die jüngsten Zahlen sind fast schon ein Desaster. Nicht wegen der Abschreibungen oder der brisanten Anleihen, die die Commerzbank wie viele andere Geldhäuser noch mit sich herumschleppt; nein, in ihrem eigentlichen Kerngeschäft mit dem privaten Kunden hat sie auf einmal Probleme.

Rang 2

Aufschließen zur Deutschen Bank wollte die Commerzbank Anfang des Jahrtausends, als mit der damaligen Dresdner Bank und der HypoVereinsbank noch zwei Institute zwischen dem Branchenführer und dem Möchtegern-Aufsteiger standen. Zwar besetzt die Commerzbank heute mit einer Bilanzsumme von rund 660 Milliarden Euro tatsächlich den zweiten Platz im Ranking der größten deutschen Kreditinstitute, doch die Aufholjagd mit dem Kauf der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise 2008 ist ihr schlecht bekommen. Nach dem Staatseinstieg muss das einst so ehrgeizige Unternehmen unter Chef Martin Blessing nun massenhaft Randgeschäft aus der Bilanz räumen. In einigen Bereichen sieht die Commerzbank trotzdem besser aus als ihre mächtige Konkurrentin Deutsche Bank.

Bild: dpa

Das Geschäftsmodell ist so tief erschüttert wie noch nie in der Geschichte der Cobank

Und da wird es ernst: Denn wo, wenn nicht mit dem privaten Kunden (vom Kleinsparer bis zum mittelgroßen Unternehmer) soll die Bank den stabile Erträge erwirtschaften, wenn die andere, schnelle Seite, das Investmentbanking und die großen Finanzierungen, so bitter daneben ging?

Die Commerzbank jedenfalls hat noch kein Rezept dagegen gefunden. Es ist zwar ein Vorteil, dass sie bei den Kapitalanforderungen weiter kommt, auch beim Durchforsten fauler Kredite und anfälliger Anleihen. Doch es fehlen die substanziellen Erträge auf der Einnahmenseite. Und da jetzt wieder mal mit Einsparungen gegenzusteuern, ist das Eingeständnis des Scheiterns.

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Banken Aktienkurs Commerzbank

Commerzbank-Aktie: 2002-2012

Kein Wunder, dass die Commerzbank-Aktie derzeit zu den schwächsten Bank-Papieren in Europa gehört. Sie hängt wesentlich mieser im Markt, als der Stoxx 600 Banken zeigt. Und vor allem ist sie wesentlich schwächer als erfolgreichere Konkurrenten wie etwa die französische BNP Paribas. Der nämlich gelang, neben der Stabilisierungen des Kapitals und der Risikominderung bei den Assets, das Filialgeschäft wieder auf die Beine zu stellen.

Brisant ist in diesem Zusammenhang die Deutsche Bank. Deren Aktien sind derzeit ebenfalls erstaunlich schwach. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise müsste die Deutsche in einem durchaus nicht schlechten Umfeld (der Dax in Richtung 7000, der Bund Future immer noch auf Rekordniveau) wesentlich besser dastehen.

Berlin

Das Verhältnis der Deutschen Bank zur Politik war unter Ackermann zwiespältig. Das soll nun vor allem Co-Chef Fitschen pflegen.

Bild: Reuters

Was genau hinter der auffälligen Schwäche der Deutschen Bank steckt, lässt sich erahnen. Es ist das grundlegende Dilemma, das die Bank nun schon seit Jahren mit sich herumträgt und das durch den Richtungsentscheid mit der neuen Führung nur noch verschärft wurde.

Ackermann hat immer wieder versucht, das in der Tat starke und wichtige Investmentbanking der Deutschen Bank durch ein ebenso starkes und wichtiges Basis- und sogar Massengeschäft auszutarieren; deshalb der richtige Kauf der Postbank. Die brisante Entwicklung auf den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren hat Ackermann absolut recht gegeben.

Klar, im Investmentbanking muss die Deutsche Bank stark sein, nur so kann sie international in der ersten Liga spielen. Aber: Die Finanzturbulenzen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Bank dem nicht ausgeliefert sein darf und unbedingt ein weiteres, breites Standbein braucht.

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Das Hin und Her der neuen Führung ist bezeichnend. Erst einen dezidierten Investmentbanker oben hinsetzen, der dann als einer seiner ersten großen Maßnahmen gleich massenweise Investmentbanker entlassen muss, zeugt von keiner stringenten Strategie. Egal, was Ackermann darüber nun wirklich gesagt hat; dass er ziemlich frustiert darüber sein dürfte, wie mit seinem Erbe umgegangen wird, ist anzunehmen.

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Frustiert sind auch die Aktionäre der Deutschen Bank. Es kommt selten vor, dass die Aktie in einer allgemeinen Erholungsphase des Marktes nicht zu den Taktgebern gehört sondern zu den Losern. Das einzige, was sich mit der Deutschen- Bank-Aktie derzeit „sinnvoll“ machen lässt, ist die Spekulation, dass sich das Papier zwischen 20 und 25 Euro fängt und von da aus den Turnaround startet.

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Die Deutsche Bank als spekulative Turnaround-Aktie – ein Kompliment für die Bank ist das ja nicht. Aber immerhin, besser als bei der Commerzbank stehen die Chancen hier schon.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.08.2012, 20:16 Uhrallesverloren

    Die DB hätte die Postbank viel früher haben können, zu einem geringeren Preis. Die war aber damals zu "popelig". Man hat erst zugegriffen, als man sie zur Absicherung des Investment-Geschäftes brauchte.

    Die Einlagen der Postbank (von Sparern und Rentnern) dienen zur Absicherung der Risiken des Eigenhandels (dient den Boni der Bankern). So einfach ist das. Die Schlauen leben von den Dummen und die Dummen leben von der Arbeit.

    Das Investment-Banking funktioniert weltweit nur unter drei Voraussetzungen, billiges Geld, hohe Verschuldung und große In-Transparenz.

    Voraussetzungen 1 und 3 sind nach wie vor voll erfüllt. Das Problem ist heute die fehlende Verschuldungsfähigkeit. Ohne diese ist das Investment-Banking tot. Daher die Notwendigkeit für die Einlagen der Postbank.

  • 11.08.2012, 11:01 UhrMartin

    Die Lobeshymnen auf Herrn Ackermnn scheinen doch etwas übertrieben. Die Probleme der Deutschen Bank sind ja nicht im letzten Quartal entstanden, sondern stellen das Erbe von Herrn Ackermann dar. Wenn nun die beiden neuen Vorstände sich endlich "ins Zeug" legen, dass Schiff wieder auf Kurs zu bringen, sollte man dies positiv sehen. Es kann durchaus auch der Eindruck entstehen, dass die Probleme jetzt konsequenter angepackt werden, als sie mit "niedlichem schweizer Dialekt und einem sympathischen Grinsen", was in der Tat immer sehr vertrauenserweckend war, wegzureden.

  • 10.08.2012, 22:55 Uhrraentnaer

    Vor 17 Jahren bestätigte Breuer (CEO DB): "Deutschland ist overbanked". Auf deutsch: Das Geschäftsmodell bringt keine ausreichenden Ergebnisse mehr. Aktuell wird es in den westlichen Staaten bereinigt, bald, gezwungenermassen, auch ohne Mithilfe des Steuerzahlers, wenn man die Gläubiger, die als Rentner etc. auch Steuern zahlen nicht ausnimmt. Das Problem bei der laufenden Bereinigung ist, dass die Bankenlobby den verantwortlichen Politikern die fatale Entwicklung verschwieg: Eine Commerzbank, die im Investmentbanking international nie mithalten konnte, war geradezu gierig darauf, die DREBA, mit ihren Connections zu schlucken. Ohnehin gab es da ein paar Vorstände, die sauer darauf waren, dass umgekehrt jahrelang versucht wurde, die Coba zu übernehmen. Wie geht das Spiel weiter? Nun, ich denke, da werden in 10 Jahren bei den westlichen Banken nur noch ca. 15 übrigbleiben.
    Die Commerzbank, wird mit Sicherheit keine Rolle spielen.
    Die Deutsche, da sie historisch kaum eine Rolle spielte, ist sie auch in den Strukturen nicht ausreichend verwachsen, darf aber bleiben. Ein Blick noch zur Seite: Die Geschäftsmodelle der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen werden auch von Währungskrisen durchgeschüttelt werden.
    Sie sind aber einfach gut.

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