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Aktien: Der große Bilanz-Bluff

von Christof Schürmann

Mit dem Absturz der Börse und den sich eintrübenden Konjunkturaussichten wächst die Gefahr, dass Milliardenlücken in den Bilanzen von Unternehmen und Banken zutage treten. Welche Tricks der Finanzchefs Anleger kennen müssen, um Unternehmen richtig beurteilen zu können.

Von wegen innovativ
Von wegen innovativ

Stefan Krause, Finanzvorstand der Deutschen Bank, „schwitzt ganz schön ordentlich“, sagt er: Trotz eines „dramatisch verschlechterten Umfelds“ soll die Bank in diesem Jahr unverändert zehn Milliarden Euro Gewinn vor Steuern ausweisen. Das aber wird nicht einfach – für die Investmentbanker und für den Finanzchef. Mit Krause schwitzen die Aktionäre: Seit Januar hat sich der Deutsche-Bank-Kurs fast halbiert. Die Aktie kostet gerade noch den fünffachen Jahresgewinn – so billig war das Papier noch nie.

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Auf den ersten Blick jedenfalls. Denn was Bankaktien wirklich wert sind, weiß niemand, auch Krause nicht. Die niedrige Gewinnbewertung ist die Strafe für diese Unsicherheit, sie signalisiert, dass Investoren in der Bankbilanz versteckte Risiken fürchten. Die können immer mal wieder nach oben poppen.

Quartalszahlen ein Schock

Seit Jahren schreiben Dax-Unternehmen Übernahmeprämien auf erworbene Firmen kaum noch ab Quelle: Universität St. Gallen/ Institut für Accounting, Controlling und Auditing; Zahlen gerundet
Seit Jahren schreiben die Dax-Unternehmen Übernahmeprämien auf erworbene Firmen kaum noch ab (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht auf die Grafik) Quelle: Universität St. Gallen/ Institut für Accounting, Controlling und Auditing; Zahlen gerundet

So wie vor einigen Wochen bei Goldman Sachs. Das Institut ist die wohl am besten beobachtete Bank der Welt. Gleich 28 Analysten großer Häuser kümmern sich hauptamtlich um die Zahlenwerke von Goldman-Chef Lloyd Blankfein und Finanzvorstand David Viniar. Diese Analysten arbeiten bei Banken, haben also Insiderkenntnisse aus der Branche; sie lesen tagein, tagaus Bilanzen; sie sprechen mit den Vorständen – mehr Expertise geht nicht. Und doch schockte Goldman die Wall Street mit seinen letzten Quartalszahlen, mit einem Gewinn, der um stolze 18 Prozent unter den Analystenschätzungen lag. Wer auf satte Kursaufschläge gewettet hatte, verlor Geld. Dasselbe Bild auch bei der Royal Bank of Scotland, die Anfang August einen Milliardenverlust verkünden musste – auch damit hatte kein Analyst nur annähernd gerechnet.

Der Fehler liegt im System, meint Peter Leibfried, Professor für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an der Universität St. Gallen. „Es gibt ein Grundsatzproblem in der Bilanzierung, das es kaum mehr möglich macht, verlässliche Prognosen zu stellen.“

Kurspflege zum eigenen Wohl

Bilanzen werden undurchschaubarer, Gewinne schwerer vorhersagbar. Nicht nur, weil Märkte heftiger schwanken, sondern vor allem, weil Bilanzregeln den Unternehmen immer mehr Spielraum lassen.

Bei Banken und Industrieunternehmen herrscht ein Wirrwarr an Regelungen und Zahlen. Jeder Finanzvorstand rechnet anders. „Vorstände wissen, dass die Börse vor allem auf die Gewinn- und Umsatzentwicklung eines Unternehmens schaut und kaum darauf, wie diese Zahlen zustande kommen. Das verführt Manager naturgemäß dazu, bilanzielle Spielräume auszunutzen, um sich schönzurechnen“, sagt Leibfried. Schließlich hängen Manager-Boni in der Regel am Gewinn oder an der Kursentwicklung der Aktie.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.10.2011, 19:16 Uhrlowabras

    Hier eine Website mit umfassenden informationen über das bestende Finanz- und Wirtschaftssystem, sowie umfassenden Hintergrundinformationen und aktuellen Links zu allen möglichen Stichworten:
    http://steuerembargo.co.de

  • 06.10.2011, 21:21 Uhrbewian

    Die banken sind unterkapitalisiert weil sich die beschäftigten ständig von "vermeintlichen Gewinnen" tolle Einkommen und bonuszahlungen leisten. Wie kann man bei den paar Prozent Eigenkapital überhaupt von "Gewinnen" sprechen?

  • 06.10.2011, 18:22 Uhrwählt PIRATEN

    15. Oktober 2011 – Vereinigt für einen weltweiten Wandel
    http://www.15october.net/de
    Am 15. Oktober werden Menschen aus der ganzen Welt auf die Straßen und Plätze gehen. Von Amerika bis Asien, von Afrika nach Europa protestieren die Menschen, um ihre Rechte zu fordern und eine wahre Demokratie zu verlangen. Nun ist es Zeit uns alle einem globalen gewaltfreien Protest anzuschließen.

    Die herrschenden Mächte arbeiten zum Vorteil einiger Wenigen und sie ignorieren den Willen der überwiegenden Mehrheit sowie die humanen und Umweltkosten, die wir alle zahlen müssen. Diese unerträgliche Situation muss ein Ende haben.

    Vereinigt in einer Stimme werden wir die Politiker, und die Finanz-eliten, denen sie dienen, sagen, dass es an uns, den bürgern, ist, über unsere Zukunft zu entscheiden. Wir sind keine Waren in den Händen der Politiker und banker, die uns nicht vertreten.

    Am 15. Oktober werden wir uns auf der Straße treffen, um den weltweiten Wandel den wir wollen zu beginnen. Wir werden friedlich demonstrieren, reden und organisieren bis wir es geschafft haben.

    Es ist Zeit uns zu vereinen. Es ist Zeit dass sie uns zuhören!
    Menschen der Welt, mobilisiert euch am 15. Oktober!

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