Aktien: Deutschland ist angekommen - im Mittelmeerraum

GastbeitragAktien: Deutschland ist angekommen - im Mittelmeerraum

Aktien seien alternativlos, weil man dauerhaft von Nullzinsen ausgehen könne und deshalb die Bewertungswelt eine völlig andere geworden ist, sagen Analysten. Vorsicht! Auch am Neuen Markt konnte niemand die starke Überbewertung erklären, trotzdem glaubten Anleger an deren Richtigkeit.

Vorbei die Zeiten, in denen die deutsche Politik vorrangig den deutschen Interessen diente und die Deutsche Bundesbank als Wächterin der Geldwertstabilität umsichtig die Geldmenge steuerte. Unter der hohen internationalen Glaubwürdigkeit der Bundesbank litt das ökonomische Ego der Länder der Südschiene, vor allem Frankreichs Selbstwertgefühl. War man doch gezwungen eine eigene erfolgreiche Geldpolitik als stabile Anbindung der eigenen Währung an die Mark zu definieren, innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS) begrenzt flexibler Wechselkurse.


Diese Schmach ist für Frankreich jetzt überstanden, Europa funktioniert heute so wie die Schwachwährungsländer immer schon funktionierten, ein ehemaliger französischer Finanzminister ist außerdem EU-Währungskommissar und ein italienischer Ex-Goldman-Sachs-Banker ist Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). „Take your money and run“, ein geflügeltes Wort im Investment Banking sagt viel aus über die dort vorherrschenden Ansichten zu Stabilität und Nachhaltigkeit.

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Die Kommentatoren der Tagespresse reiben sich verwundert die Augen über die Schnelligkeit und das Ausmaß der Euro-Schwäche. Dabei hätten sie genau damit rechnen müssen. Deshalb noch einmal in einfachen Worten Mario Draghis Masterplan als voraussichtlich letzte Chance, den Euroraum in seiner jetzigen Form zu „retten“.

Die Wirkungskette beginnt mit dem Ankauf von Staatsanleihen (Quantitative Easing, QE) nachdem schon vorher ein intransparentes System von Institutionen, Sonderfonds und Schattenhaushalten geschaffen wurde, um im Bedarfsfall geräuschlos Milliarden locker machen zu können. QE hält die europäischen Schuldenstaaten fiskalisch über Wasser, erlässt ihnen die aus politischen Gründen gescheuten Strukturreformen und garantiert ihnen niedrigste und gar weiter fallende Zinsen.

Aktien und Immobilien sind die Inseln der Glückseligen

In den USA ist die Geldpolitik schon zwei Schritte voraus. QE ist dort bereits Geschichte und erste Zinserhöhungen werden für diesen Sommer erwartet. Die transatlantischen Zins- und Wachstumsdifferenzen sprechen also für den Dollar. Das Sentiment an den Devisenmärkten spricht ebenfalls für den Dollar, denn Prognosen sehen den Euro auf Sicht von zwei bis drei Jahren inzwischen weit unter der Parität zum Dollar.
Zinssuchendes Kapital wird aus dem Euroraum geradezu hinausgezwungen. Als eigentlicher Financier der europäischen Staaten verbleibt die EZB. Gleichzeitig trommelt das Bankensystem für Aktien. Neben dem Immobilienmarkt ist der Aktienmarkt die letzte Insel der Glückseeligen. Aber diese Inseln sind in deutschen Gewässern dünn besiedelt, die meisten Normalbürger sind Sparer und Mieter.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Aber für die Gewinner-Verlierer-Rechnung im deutschen Privatsektor dürfte sich die EZB nicht sonderlich interessieren. Offiziell ist ihr daran gelegen eine die Wirtschaft lähmende Deflation zu verhindern. Tatsächlich will sie den Schuldenstaaten mittels importierter Inflation aus der Schuldenfalle helfen. Und dazu bedarf es eines sehr, sehr schwachen Euros. Wenn es zusätzlich eine kleine Sonderkonjunktur im Export gibt – auch gut. Das kann man mitnehmen, auch wenn hier im gemeinsamen Währungsraum - wieder einmal - vornehmlich die Deutschen profitierten.

Letzteres spiegeln auch die europäischen Aktienmärkte. Während der Dax in den vergangenen zwölf Monaten rund 34 Prozent zugelegt hat müssen sich der französische CAC 40 mit 20 Prozent und der italienische Index FTSE Mib mit gut zwölf Prozent begnügen.
Gleichzeitig wertete der Euro gegenüber dem Dollar um 24 Prozent ab. Eine klassische Abwertungs-Hausse, der man noch schmeichelt, wenn man sie als Nullsummenspiel bezeichnet. So etwas kannte man früher von den Börsen in Paris, Mailand und Madrid.

Bei dauerhaftem Nullzins ist Vorsicht geboten

Die Börse sei nicht überteuert, sagen die Analysten. Trotz deutlicher Kursgewinne steigt die Bewertung nicht, denn die Gewinnschätzungen steigen offenkundig parallel dazu. Die Analysten setzen auf die Verbesserung der Terms of Trade, Preis- und Volumeneffekte. Und beides bestimmt die Top Line in jeder Gewinn- und Verlustrechnung: Umsatz gleich Preis mal Menge. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist geringer als an Wall Street – angeblich irgendwo zwischen 15 und 16.

Wird im Vergleich dazu das Renten-KGV (inverser Wert zur Rendite), das bei einer Rendite von 0,5 Prozent astronomische Werte von 200 erreicht, fällt es schwer nicht zu glauben, es stünde ein Paradigmenwechsel in der Aktienbewertung bevor. In einem Nullzins-Umfeld müssten auch DCF-Bewertungen (DCF = Discounted Cash Flow) Aktien auf immer neue Höchststände katapultieren. Denn ein Gewinn, der in fünf Jahren anfällt, hat bei Null Prozent Zinsen heute den gleichen Wert wie in fünf Jahren – es gibt also keinen Barwerteffekt. Dazu ein einfaches Beispiel:

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Liegt der Gewinn pro Aktie eines Unternehmens im ersten Jahr eines zehnjährigen Zeitraums bei 0,50 Euro und steigt anschließend Jahr für Jahr um zehn Prozent, dann ist die Summe der kumulativen Gewinne in diesen zehn Jahren 7,99 Euro. Wenn man diese Gewinne nicht abzinsen muss um zu einer Gegenwartsbetrachtung zu kommen, liegt der Barwert demzufolge auch bei 7,99 Euro. Wenn man die gleiche Gewinnreihe aber mit einem Diskontierungszinsfuß von nur fünf Prozent abzinst, ergibt die Summe der Barwerte nur noch 5,97 Euro.

Verzweifelte Sparer, die sich dem Aktienmarkt nähern wollen, sind gut beraten auf die Argumente zu hören, die die Marktentwicklung begleiten. Lautet die Argumentation, dass man dauerhaft von Nullzinsen ausgehen könne und deshalb die Bewertungswelt eine völlig andere geworden ist, ist Vorsicht geboten.

Vor dem Platzen der Dot-Com-Blase vor 15 Jahren als in Ermangelung von Gewinnen bei Unternehmen mitunter irrsinnige Umsatzbewertungen bezahlt wurden, sprach man von „White Noise“ als Bewertungsphänomen. Mit „White Noise“ beschreiben Physiker den Anteil der Bewegung eines Gasmoleküls, den man nicht berechnen kann. Am Neuen Markt konnte die starke Überbewertung auch niemand mehr erklären, aber trotzdem glaubte jeder an deren Richtigkeit.

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