Aktien im Fokus: Deutsche Bank und Credit Suisse nur noch zweitklassig

Aktien im Fokus: Deutsche Bank und Credit Suisse nur noch zweitklassig

, aktualisiert 08. August 2016, 13:12 Uhr
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Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan, muss den Rauswurf aus dem Stoxx Europe 50 hinnehmen.

von Frank Wiebe und Roman TyborskiQuelle:Handelsblatt Online

Europas Banken liegen auch acht Jahre nach der Finanzkrise am Boden. Zum heutigen Stichtag müssen die Deutsche Bank und die Credit Suisse den Stoxx Europe 50 verlassen. Schuld daran sind die Banken selbst. Die Gründe.

DüsseldorfDer Stoxx Europe 50 beinhaltet die 50 wichtigsten Unternehmen Europas. In dem Index finden sich namhafte Konzerne wie zum Beispiel BASF, Nestlé, Royal Dutch Shell und Siemens. Nicht mehr dabei jedoch sind die Deutsche Bank und die Credit Suisse. Zum heutigen Stichtag wurden die beiden Bankenriesen aus dem Index verbannt. Zwar zeigten sich die Deutsche-Bank-Aktionäre davon kaum beeindruckt – die Papiere legten heute über drei Prozent zu. Auch Anleger der Credit Suisse verfielen angesichts eines Plus von knapp einem Prozent nicht in Panik. Doch allein die Tatsache, dass die größte Bank Deutschlands und die zweitgrößte Schweizer Bank nicht mehr in der ersten Börsenliga mitspielen, zeigt, wie schlecht es um die Branche in Europa steht.

Der Grund für den Abstieg der Deutschen Bank aus dem Stoxx Europe 50 liegt auf der Hand. Es reicht schon allein der Blick auf den Kursverlauf der Aktie. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs der Deutschen Bank von etwa 30 auf knapp zwölf Euro eingebrochen. Entsprechend stark ist auch die Marktkapitalisierung der Aktie gesunken. Die Deutsche Bank ist aktuell nur noch 16,6 Milliarden Euro wert. Bei der Credit Suisse sieht es nicht besser aus: Von knapp 22 Schweizer Franken raste der Kurs auf Jahressicht auf zeitweise unter zehn Schweizer Franken. Die Konsequenz: Die Credit Suisse hat nur noch einen Börsenwert von 23,3 Milliarden Schweizer Franken.

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Der Ausschluss aus dem Stoxx Europe 50 hat langfristig schwerwiegende Folgen für die Aktien der beiden Geldhäuser. Denn bei der Auswahl und der Gewichtung der Titel spielt der Börsenwert der frei gehandelten Aktien eine wesentliche Rolle. Die Indizes bilden die Grundlage für eine ganze Reihe von Finanzprodukten, etwa börsengehandelte Fonds (ETFs). Wenn eine Aktie aus einem Index herausfällt, bedeutet dies, dass bestimmte Fonds nach ihren Richtlinien die jeweiligen Papiere verkaufen müssen.


Deutsche Bank droht weitere Kapitalerhöhung

Deutsche-Bank-Chef John Cryan muss nun noch mehr Gegenwind fürchten. Seit seinem Amtsantritt ist der Kurs der Aktie um die Hälfte eingebrochen. Die vergangenen Quartalszahlen fielen katastrophal aus, vor allem weil der wichtige Wertpapierhandel weit unter den Erwartungen blieb. Außerdem schnitt die Deutsche Bank beim Stresstest der Europäischen Zentralbank mit ihrer vergleichsweise dünnen Kapitaldecke schlechter ab als erwartet. Hier schlugen vor allem die milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten zu Buche, unter denen die Deutsche Bank noch immer ächzt. Investoren und Analysten gehen daher davon aus, dass die Bank eine weitere Kapitalerhöhung brauchen wird – auch wenn der Vorstand das Gegenteil beteuert.

Die Skepsis gegenüber der Deutschen Bank ist kein Zufall. Denn seit nunmehr fast einem Jahr versucht Cryan, die Investoren von seinen Zukunftsperspektiven zu überzeugen. Bislang jedoch zeigen die vielen strategischen Anläufe keinen durchgreifenden Erfolg. Cryan hat bereits angedeutet, dass der laufende Sparkurs möglicherweise noch einmal verschärft werden muss. Denn im Niedrigzinsumfeld brechen die Erträge bei der Deutschen Bank, aber auch bei vielen anderen europäischen Geldhäusern, immer stärker weg. Noch im Juli vergangenen Jahres hatten Europas Banken den höchsten Marktwert seit 2008 erreicht. Seither haben sie rund 40 Prozent an Wert verloren, oder mehr als eine halbe Billion Euro, wie Daten von Bloomberg zeigen. Der Rückgang ist größer als der Börsenwert des gesamten italienischen Aktienmarkts.

Quelle:  Handelsblatt Online
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