Aktien Nordeuropa: Zuversicht im hohen Norden

Aktien Nordeuropa: Zuversicht im hohen Norden

, aktualisiert 29. Dezember 2016, 16:45 Uhr
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Skandinavische Aktien könnten sich 2017 als renditestarker Geheimtipp erweisen.

von Helmut SteuerQuelle:Handelsblatt Online

Anlegen 2017: Nach einem durchwachsenen Börsenjahr sind die Aussichten für skandinavische Aktien besser. Behalten zwei erfolgreiche Experten Recht, kehrt auch ein weltweit bekanntes Unternehmen auf die Erfolgsspur zurück.

StockholmFür Anleger, die in nordeuropäische Aktien investiert haben, war 2016 ein durchwachsenes Jahr. Der Stockholmer Aktienindex OMX legte in diesem Jahr knapp sechs Prozent zu. Die Börse in Helsinki verbuchte ein Plus von vier Prozent, Oslo sogar von elf Prozent. Richtig schlecht ist es dagegen für die dänischen Aktien gelaufen: Der CX 20-Index fiel 2016 um 13 Prozent. Allerdings zählte die Börse in der dänischen Hauptstadt zu den Gewinnern 2015.

Brexit, Trump und mehrere wichtige Wahlen 2017 haben dazu geführt, dass sich Analysten sehr schwer mit Prognosen über die Aktienentwicklung 2017 tun. Lars Söderfjell, Aktienanalyst bei Swedbank in Stockholm, sieht dennoch vier größere „Themen“, auf die man 2017 genauer schauen sollte: Konsumwaren, Forstkonzerne im Wandel, Erholung von Aktien im Finanzsektor und steigende Industrieaktivität.

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Söderfjell glaubt, dass die Börse in Stockholm 2017 sieben bis acht Prozent zulegen kann. „Die Voraussetzungen, dass der Konsum 2017 weiter steigt, sind gut“, sagt er. Und: „Die Arbeitslosigkeit sinkt in weiten Teilen der Welt, die Reallöhne steigen, und die Haushalte haben allgemein gesehen recht viel Geld“.

Deshalb setzt der Swedbank-Analyst auch im kommenden Jahr auf Aktien im Konsumgüter-Sektor. Viele Papiere in diesem Bereich haben sich in den vergangenen Monaten wegen einer allgemeinen Verunsicherung über die Nachfrage amerikanischer Verbraucher schwach entwickelt. Deshalb glaubt Söderfjell an eine Erholung 2017. Seine Favoriten sind deshalb Aktien des Automobilzulieferers Autoliv, des Haushaltsgeräteherstellers Electrolux und des Wettanbieters Unibet.

Auch die großen nordischen Forstkonzerne haben das Interesse der Swedbank-Analysten geweckt. Vor allem, weil sich derzeit nahezu alle Unternehmen in einem Umwandlungsprozess befinden. Weil durch die Digitalisierung wird immer weniger Papier gebraucht wird, müssen die Konzerne neue Betätigungsfelder finden. SCA aus Schweden hat sich bereits seit längerer Zeit auf Hygienepapiere wie Tampons, Binden, Taschentücher und Toilettenpapier spezialisiert. Zu dem Unternehmen gehören etwa Zewa und Tempo.

Während bei SCA der Umwandlungsprozess so gut wie abgeschlossen ist - im kommenden Jahr wird der Forstbereich endgültig abgespalten - beginnt dieser Prozess bei der Konkurrenz erst. Vor allem der finnische Papier- und Forstkonzern Stora Enso steht gerade am Anfang dieser Entwicklung. Zusammen mit dem kleineren Konkurrenten Billerudkorsnäs gehört Stora Enso zu den Empfehlungen der Swedbank-Analysten.


Finanzsektor wird positiv eingestuft

Weil die Experten davon ausgehen, dass sich das Investitionsklima in Nordeuropa weiter verbessert, gelten Aktien von Industrieunternehmen wie dem Kugellager-Hersteller SKF, dem Spezialgummi-Produzenten Trelleborg sowie dem LKW-Bauer Volvo als empfehlenswert. Die Aktien dieser Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren schlechter als der jeweilige Branchenschnitt entwickelt. Deshalb gibt es einen gewissen Aufholbedarf, glaubt Swedbank.

„Diese Konzerne repräsentieren eines unserer neuen Investitionsthemen, der steigenden Industrieaktivität“, sagt Söderfjell. „Auch, wenn es sich bislang nicht in führenden Indikatoren und den Orderbüchern widerspiegelt, rechnen wir damit und setzen auf sie in den kommenden Monaten“.

Auch Aktien von Unternehmen, die im Finanzsektor tätig sind, werden wieder positiver eingestuft. Die kurzfristigen Zinsen haben vermutlich ihren Tiefststand erreicht und werden sich allmählich wieder nach oben bewegen. Das ist gut für die Banken. Gleichzeitig gehen die Aktien-Analysten davon aus, dass trotz Schieflagen in einigen Ländern wie Italien das Risiko für den gesamten Sektor gesunken ist.

„Wir rechnen damit, dass die Risikoprämie, die für einige schwedische Banken galt, schrittweise verschwindet und empfehlen deshalb Aktien von SEB, aber auch von Nordea“, fasst Söderfjell zusammen. Insgesamt gibt er sich zuversichtlich, was die Entwicklung in den kommenden Monaten betrifft.

Auch die Börsenexperten der Wirtschaftszeitung SvD Näringsliv, Peter Benson und Daniel Svensson, zeigen sich vorsichtig optimistisch. Sie geben seit Langem am Jahresende Aktienempfehlungen für das kommende Jahr heraus. Zwischen 2004 und 2015 gab das Empfehlungsportfolio eine durchschnittliche jährliche Rendite von 28 Prozent. Der Index stieg dagegen nur um zwölf Prozent.


Börsenindex um Längen geschlagen

In zehn von elf Jahren konnten die beiden Experten den Börsenindex um Längen schlagen. Für 2017 haben Benson und Svensson 17 Aktien aus Nordeuropa zusammengestellt. Die Kriterien für die Auswahl waren dabei einfach: Sie haben auf historisch hohe Dividenden von mindestens fünf Prozent geschaut und Unternehmen aussortiert, die von weniger als drei Analysten gefolgt werden.

Außerdem wurden Unternehmen gestrichen, deren Dividende nicht dem Gewinn entspricht oder die zu klein sind. Außerdem waren stabile Gewinne über einen längeren Zeitraum sowie eine Risikoverteilung ausschlaggebend, um in das Portfolio aufgenommen zu werden. Heraus kam für 2017 eine Liste von 17 Konzernen aus ganz unterschiedlichen Branchen.

Aus dem nordeuropäischen Bankensektor schaffte es die schwedische Swedbank in die Empfehlungsliste ebenso wie der kleine Konkurrent Resurs Bank und die norwegische Sparebank1. Während Swedbank wegen stabiler Gewinne und guter Dividenden der Sprung in die Liste gelang, wurden die Resurs Bank und Sparebank1 wegen recht niedrigen Bewertung aufgenommen.

Aus der Energiebranche kam der finnische Versorger Fortum hinzu. Die schwedischen Immobiliengesellschaften Hemfosa und Citycon sind niedrig bewertet und haben in der Vergangenheit stets hohe Dividenden gezahlt. Deshalb geben Benson und Svensson eine Empfehlung. Aus der IT-Branche schaffte es für manchen überraschend der Telekommunikationsausrüster Ericsson in die Liste.

Der Konzern macht derzeit vor allem mit Korruptionsvorwürfen und zunehmend starker Konkurrenz vor allem durch die chinesische Huawei Schlagzeilen. Dennoch glauben Benson und Svensson nach dem enormen Kursfall im abgelaufenen Jahr an ein Comeback 2017. Auch der IT-Händler Dustin zählt zu den Empfehlungen für das kommende Jahr.

Zu den weiteren favorisierten Aktien zählen der dänische Kosmetik-Händler Matas, die Scandinavian Tobacco Group (STG), der Fernsehproduzent MTG sowie der Wettanbieter Betsson. Aus Norwegen kommen die Lachszuchtunternehmen Austevoll und Leroy hinzu, die zwar nicht zu den Branchenführern zählen, aber niedrig bewertet sind. Die beiden Telekommunikationskonzerne Telia (Schweden) und Telenor (Norwegen) haben es ebenfalls in Liste von Benson und Svensson geschafft. Hinzu kommt der schwedische Fensterhersteller Inwido.

Die 17 Aktien werden von den beiden angesehen Börsenexperten gleich gewichtet. In einem Jahr wird ausgewertet und Benson und Svensson hoffen erneut eine Super-Rendite vermelden zu können. Die vielen Anleger, die den Tipps der beiden folgen, drücken die Daumen.


Anlegen 2017 – Alle Teile der Serie

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 14 Teile und läuft vom 22. Dezember bis 4. Januar 2017. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1 (22.12.): Aktien Deutschland

Teil 2 (23.12.): Wohnimmobilien

Teil 3 (24.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Industrieländer

Teil 4 (25.12.): Gold

Teil 5 (26.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Schwellenländer

Teil 6 (27.12.): Aktien Europa

Teil 7 (28.12.): Aktien Schwellenländer

Teil 8 (29.12.): Aktien Nordeuropa

Teil 9 (30.12.): Devisen

Teil 10 (31.12.): Der beste Markt der Welt

Teil 11 (1.1.2016): Aus Fehlern lernen

Teil 12 (2.1.): Aktien USA

Teil 13 (3.1.): Kreditzinsen

Teil 14 (4.1.): Leser-Erwartungen 2017

Quelle:  Handelsblatt Online
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