Aktien Schwellenländer: Große Renditechancen – große Risiken

Aktien Schwellenländer: Große Renditechancen – große Risiken

, aktualisiert 28. Dezember 2016, 15:41 Uhr
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Beim Anlegen in China ist Stockpicking gefragt.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Anlegen 2017: Ein Investment in Schwellenländer-Aktien kann ertragreich sein. Marktexperten benennen zwar Risikofaktoren wie die US-Politik, insgesamt überwiegt aber der Optimismus – auch wegen steigender Rohstoffpreise.

FrankfurtBreit gestreut in Schwellenländer-Aktien zu investieren, war 2016 eine lukrative Strategie. Über den Index MSCI Emerging Markets konnten Anleger seit Jahresbeginn mehr als zehn Prozent Rendite erzielen. In einzelnen Ländern waren sogar Kursgewinne von 50 oder gar 70 Prozent möglich. Nach Einschätzung von Analysten kann sich ein Investment in Schwellenländern auch im kommenden Jahr lohnen. Allerdings sind die Prognosen nicht für alle Länder gleich gut und es gibt einige Risikofaktoren.

Haupttreiber für steigende Aktienkurse in den Schwellenländern könnten im nächsten Jahr höhere Unternehmensgewinne und verbesserte Wachstumsaussichten sein. Wie Michael Levy und William Palmer, die Schwellenländer-Experten beim Vermögensverwalter Barings beobachtet haben, steigt das erste Mal seit fünf Jahren die Produktivität schneller als das reale Lohnwachstum. Das verleihe „der Unternehmensrentabilität den stark benötigten Auftrieb“. Die Ertragsschätzungen seien bereits im Laufe der letzten Quartale nach oben gegangen und deuten „auf ein nachhaltiges Gewinnwachstum im Jahr 2017 hin“.

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Als weiteres Argument für Schwellenländer-Aktien wird vielfach die im Vergleich zu Industrieländern günstige Bewertung angeführt. Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank, hält die Bewertungen der Aktienmärkte in den Schwellenländern für „erheblich günstiger als in den Industrieländern“. Ingrid Szeiler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management, hebt dabei insbesondere Lateinamerika, Osteuropa und Asien hervor.

Als größte Risikofaktoren gelten im kommenden Jahr weiterhin die US-Politik und die Entwicklung des Dollar-Kurses. Schon kurz nach der Wahl des künftigen US-Präsidenten hatten die Aktienkurse in den Schwellenländern deutlich nachgegeben. Laut dem Institut für Internationale Finanzen haben Investoren allein im November fast 25 Milliarden Dollar aus Schwellenländern abgezogen – das war der höchste Wert seit Juni 2013. Hintergrund ist der von Trump angekündigte Protektionismus, der die Exporte der Länder drücken könnte. Einige Marktexperten bleiben diesbezüglich aber gelassen. „Gut möglich, dass es sich nur um eine sehr heftige, nur kurzlebige Panikreaktion einiger Investoren gehandelt hat“, sagt etwa Angelika Millendorfer, Leiterin des Teams Emerging Markets Aktien bei Raiffeisen Capital Management.


Auch wegen des stärkeren Dollars haben sich Investoren zuletzt teilweise von den Schwellenländern abgewandt, denn Anlagen in der US-Währung erscheinen wieder attraktiver. Hinzu kommt, dass einige Länder Staatsschulden in Dollar haben – steigt der Kurs, wird auch der Schuldenberg größer. Dennoch gibt es am Markt einige Optimisten. Ivo Kovachev, Senior Fund Manager der globalen Investmentboutique J O Hambro Capital Management (JOHCM) erinnert beispielsweise an die 1990er Jahre: „Das war ebenfalls eine Zeit, die durch eine Dollar-Stärke geprägt war, gepaart mit Währungskrisen – ob in Mexiko, Asien oder Russland.“ Dennoch hatten sich viele Emerging Markets gut entwickelt. Grund dafür seien günstige Bewertungen der Aktien und ein starkes Wachstum gewesen.


70 Prozent in einem Jahr

Extreme Zuwächse hat in diesem Jahr der Aktienmarkt in Brasilien erzielt: Der Ibovespa-Index kletterte in Euro gerechnet um 70 Prozent (in Lokalwährung 35 Prozent), obwohl die Wirtschaftsleistung des Landes stark zurückgefallen ist und Korruptionsvorwürfe gegen den neue Präsidenten Michel Temer erhoben werden. Für das kommende Jahr sieht Stephen Mitchell, Head of Strategy, Global Equities bei Jupiter Asset Management, die größte Herausforderung in den „aufgeblähten Staatsausgaben“, die zurückgefahren werden müssten. Steigende Rohstoffpreise könnten in dem Exportland jedoch zu einer Verbesserung des Wirtschaftswachstums führen.

Mit rund 55 Prozent hat auch der russische MICEX-Index stark zugelegt (plus 25 Prozent in Lokalwährung). Die Wirtschaftsdaten hatten sich zuletzt ebenfalls verbessert. Als großer Öl- und Gasexporteur konnte das Land von den deutlich gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren. Politisch erhofft sich Russland von der Wahl Donald Trumps eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA. Das könnte die Wirtschaft weiter beflügeln.

Die Gewinne am indischen Aktienmarkt fielen in diesem Jahr bescheiden aus. Der BSE Sensex 30 Index erzielte ein Plus von weniger als einem Prozent (1,3 Prozent in Landeswährung). Die jüngste Abschwächung des Wachstums hängt mit dem überraschenden Demonetisierung zusammen. Quasi über Nacht hatte die Regierung Banknoten im Wert von 500 und 1000 Rupien den Status als gesetzliche Zahlungsmittel entzogen. Damit sollen Korruption und Steuerhinterziehung bekämpft werden. Für viele Menschen ist der Schritt jedoch existenzbedrohend. Nick Price, Fondsmanager Aktien Schwellenländer bei Fidelity, lobt dennoch Indiens „mutige Reformen“. „Diese werden der Wirtschaft in den kommenden Jahren zusätzlichen Aufwind verleihen“, so Price. Dank einer gestiegenen Kreditnachfrage könnten mittel- bis langfristig insbesondere indische Banken profitieren.


Ein Minus von mehr als zwölf Prozent hat in diesem Jahr der Shanghai Composite Index verbucht. Die Konjunktur in China befindet sich zwar im Aufschwung, aber Angelika Millendorfer sieht diese Entwicklung kritisch. Der Aufschwung werde stark von der Industrie und vom Bau getragen. „Alle Konjunkturstimuli der Regierung können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land weiter vor großen Herausforderungen steht“, so die Emerging Markets-Expertin von Raiffeisen Capital Management. Zudem verliere China in Folge von Lohnsteigerungen als Fertigungsstandort an Attraktivität und die Produktivität im öffentlichen Sektor bleibe vergleichsweise niedrig. Craig Mackenzie, Chefstratege bei Aberdeen Asset Management, setzt jedoch auf ein Wachstum des privaten Online-Geschäfts. „Allerdings ist es in China besonders wichtig, nach Aktien von Unternehmen zu suchen, die zu den Marktführern gehören und großes Wachstumspotenzial haben“, so Price.

Trotz einiger Bedenken. Insgesamt überwiegt bei vielen Marktexperten der Optimismus für ein Investment in Schwellenländer-Aktien. „Für Anleger mit der erforderlichen Toleranz für Schwankungen sind die Emerging Markets interessant“, sagt etwa Kahler von der DZ-Bank. Auch Craig Mackenzie, Chefstratege bei Aberdeen Asset Management, bleibt für das kommende Jahr positiv. „Zwar stellen höhere US-Zinsniveaus, ein stärkerer Dollar und der Protektionismus von Trump Risiken dar. Wir vermuten allerdings, dass diese Themen erst nach 2017 an Gewicht gewinnen werden.“


Anlegen 2017 – Alle Teile der Serie

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 14 Teile und läuft vom 22. Dezember bis 4. Januar 2017. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1 (22.12.): Aktien Deutschland

Teil 2 (23.12.): Wohnimmobilien

Teil 3 (24.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Industrieländer

Teil 4 (25.12.): Gold

Teil 5 (26.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Schwellenländer

Teil 6 (27.12.): Aktien Europa

Teil 7 (28.12.): Aktien Schwellenländer

Teil 8 (29.12.): Aktien Nordeuropa

Teil 9 (30.12.): Devisen

Teil 10 (31.12.): Der beste Markt der Welt

Teil 11 (1.1.2017): Aus Fehlern lernen

Teil 12 (2.1.): Aktien USA

Teil 13 (3.1.): Kreditzinsen

Teil 14 (4.1.): Leser-Erwartungen 2017

Quelle:  Handelsblatt Online
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