Aktien: So gewinnen Anleger mit der zweiten Reihe

Aktien: So gewinnen Anleger mit der zweiten Reihe

von Heike Schwerdtfeger, Martin Gerth und Hauke Reimer

Die deutschen Nebenwerte hinkten dem Dax zuletzt etwas hinterher. Bei welchen Aktien sich Anlegern gerade deshalb jetzt erstklassige Chancen zum Einstieg bieten.

An manche Aufträge kommt Init-Gründer Gottfried Greschner nicht heran – noch nicht. Init ist weltweit führend bei Informationstechnik und Bezahlsystemen für Busse und Bahnen, bietet praktisch alles, was hilft, den „öffentlichen Nahverkehr attraktiver, schneller und effizienter“ zu machen. Die Londoner Nahverkehrsbetriebe aber wollten einen Großauftrag nur an einen Lieferanten geben, der an der Börse mindestens eine Milliarde Euro wert ist. Sicher ist sicher.

Den Zuschlag bekam also eine Siemens-Tochter. Kunststück: Das Dax-Mitglied bringt 68 Milliarden Euro Börsenwert auf die Waage, Init kostet aktuell 204 Millionen Euro. Aber der Abstand verringert sich: Die Init-Aktie hat binnen zehn Jahren 250 Prozent gewonnen, Siemens legte nur 60 Prozent zu. Und in London muss irgendetwas schiefgelaufen sein: Der Großauftrag soll angeblich noch mal neu ausgeschrieben werden – Init bekäme eine neue Chance.

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Kleine Helden

Das vor 29 Jahren gegründete Unternehmen aus dem Badischen ist nur ein Beispiel für die vielen Weltmarktführer, die es auch unter Konzernen gibt, die nicht im Dax gelistet sind. An der Börse aber spielt diese Weltklasse oft nur eine Nebenrolle. Small Caps, zu Deutsch: niedrig kapitalisierte Unternehmen oder Nebenwerte, werden nicht so schwungvoll gehandelt und stehen nicht im Rampenlicht wie Siemens oder VW. Es gibt weniger Nachrichten, auf die Investoren blitzschnell reagieren müssen. Die Börsenumsätze in den Titeln sind geringer. Bei kleinen Aktien können Stunden und mitunter Tage verstreichen, bevor ein Anleger sie kaufen oder verkaufen kann.

Private mag dies wenig stören, für Fondsmanager mit Millionendepots aber ist das ein Problem. Bei einem Crash müssen sie schnell Geld in die Kasse bekommen, weil Anleger Fondsanteile zurückgeben und Bares sehen wollen. Um dann nicht auf dem Trockenen zu sitzen, dosieren die meisten Fondsmanager Nebenwerte nur vorsichtig in den Portfolios.

„Gerade in der Krise wird Liquidität geschätzt“, sagt Peter Conzatti, Fondsmanager bei Lupus Alpha und einer der erfahrensten Nebenwerte-Experten. „Wenig liquide Nebenwerte gelten als riskant und werden von den Risiko-Controllern als erste aussortiert.“

Diagramm: Spielball der Börse Quelle: Deutsche Börse

Diagramm: Spielball der Börse (zum Vergrößern bitte klicken)

Bild: Deutsche Börse

Privatanlegern eröffnen solche Situationen Chancen, denn langfristig sind die Kleinen besser. In den vergangenen Wochen allerdings kletterte der Dax, als gäbe es weder eine weiter schwelende Schuldenkrise im Euro-Land noch eine schwächelnde Konjunktur mit der Gefahr rückläufiger Unternehmensgewinne. Die Nebenwerte konnten zuletzt nicht mitziehen. Seit Anfang Juli etwa schaffte der Dax acht Prozent, der MDax der mittelgroßen Werte fünf und der SDax nur ein Prozent Plus. Deutlich besser schnitt ein Portfolio aus 14 ausgesuchten Mittelständlern ab, es hat seit Anfang Juli rund neun Prozent zugelegt.

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