Aktien und Zertifikate 2012: Die Top-Empfehlungen der WirtschaftsWoche

22. Dezember 2012
von Frank Doll und Anton Riedl

Welche Aktien und Zertifikate 2012 besonders gut gelaufen sind, was Anleger jetzt tun sollten.

Aktientipp - Royal Gold:

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Royaltygesellschaften im Bergbau bauen selbst weder Rohstoffe ab, noch suchen sie nach neuen Rohstoffvorkommen. Sie kassieren von Minen Lizenzabgaben, sogenannte Royalties. Diesen Anspruch sichern sich Royaltygesellschaften wie Royal Gold aus Denver im US-Bundesstaat Colorado meist gegen Zahlung einer Anschubfinanzierung an die Minenbetreiber. Royalties sind teilweise von den Marktpreisen der in den Minen abgebauten Rohstoffe abhängig, fließen aber oft unabhängig von den Produktions- und Erschließungskosten. Deshalb fallen die Margen von Royaltygesellschaften in der Regel üppiger aus und sind besser kalkulierbar als bei Produzenten. Der Aktienkurs von Royal Gold legte seit Empfehlung im April zwischenzeitlich 65 Prozent zu.

Der Gewinn schmolz bis Ende 2012 zusammen auf gut 30 Prozent, nachdem das Unternehmen im Oktober eine 473 Millionen Dollar schwere Kapitalerhöhung durchzog. Die Kursschwäche könnte noch etwas anhalten und in den nächsten Wochen erneut günstige Einstiegsgelegenheiten bieten. Auch der Kurs von Royal Gold hängt natürlich an der allgemeinen Börsenentwicklung und am Unzenpreis. Weiterhin aber gilt, dass die Papiere von Royaltygesellschaften bei schärferen Einbrüchen des Goldpreises oder an den Aktienmärkten nicht so stark unter die Räder kommen wie die Aktien von Goldminen.

Aktientipp - Easyjet:

Die zweitgrößte europäische Billigairline hinter Ryanair stellte im Gegensatz zum Marktführer ein gutes Jahr in Aussicht - und hielt Wort. Hohe Treibstoffkosten würden die Starken stärken und die Schwachen schwächen, meinte Vorstandschefin Carolyn McCall im Frühjahr. Easyjets Flotte ist jung und besonders spritsparend unterwegs. Die Billig-Airline verfügt über mehr als 200 Maschinen. Die alten Jets konnte sie bisher zu guten Preisen verkaufen, wenn sie in die Jahre kamen. Insider scherzen deshalb: Easyjet sei eher ein Flugzeughandel, denn eine Fluglinie.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Im Gegensatz zu Ryanair spricht Easyjet aber auch Geschäftsreisende an und hat sich im attraktiven Mittelfeld des Marktes etabliert.  Gestärkt fühlen sich heute auch nervenstarke Anleger, die im Mai der WirtschaftsWoche-Empfehlung folgten und sich Easyjet-Aktien ins Depot legten. Ihr Mut wurde belohnt mit 55 Prozent Kursgewinn. Um nichts anbrennen zu lassen, sollte jetzt ein Teilgewinn realisiert und der Restbestand mit einem auf 650 Pence angehobenen Stoppkurs abgesichert werden. 

Aktientipp - KWS Saat:

Knapp eine Milliarde Menschen hungern, obwohl die 1,5 Milliarden Hektar an derzeit bewirtschafteter Anbaufläche eigentlich reichen müssten, um jeden Erdenbürger zu versorgen. Wegen schlecht ausgenutzter Flächen und Verteilungsproblemen funktioniert die Nahrungsmittelausnutzung jedoch nicht. Um die Flächenausnutzung zu verbessern, kommen Saatguthersteller ins Spiel. So etwa die deutsche KWS Saat. Das Unternehmen ist schon seit 1856 auf dem Feld unterwegs und zielt heute in der Forschung auf ertragreichere Kulturen und robustere Pflanzen. KWS ist in Europa Marktführer bei Zuckerrüben und Futtermais und mit mehr als 60 Tochtergesellschaften und Beteiligungen in 70 Ländern aktiv. Die Geschäfte laufend glänzend. Abzulesen ist das auch an der erfreulichen Kursentwicklung der im MDax notierten Aktie. Anleger liegen inzwischen fast 50 Prozent über ihrem Einstandskurs vom März (WirtschaftsWoche 13/2012). Doch noch ist keine Erntezeit, deshalb: Stoppkurs nachziehen und dabeibleiben!

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