Aktien: Winterschlussverkauf an der Börse

Aktien: Winterschlussverkauf an der Börse

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Stürmischen Zeiten an der Börse.

von Saskia Littmann

Von Panik an der Börse ist die Rede, wegen der schwächelnden Bankaktien werden sogar Parallelen zur Finanzkrise gezogen. Was die Energiebranche damit zu tun hat und warum die Kurse schneller steigen könnten als gedacht.

Analysten können zur Zeit gar nicht so schnell gucken, wie sie sich von ihren Vorhersagen verabschieden müssen. Zunächst galt das für den Ölpreis. Ihre Präsentation, mussten die Volkswirte einer Frankfurter Bank einräumen, sei was die Ölpreisprognosen angehe schon nicht mehr ganz aktuell.

Der Preis für das "schwarze Gold" sank schneller, als die Zahlen in den Excel-Tabellen angepasst werden konnten. Dabei hatte die Bank ihren Jahresausblick extra in die ersten Januarwochen gelegt und nicht wie die meisten anderen Institute schon im Dezember bekannt gegeben.

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Mittlerweile geraten auch die Dax-Prognosen der Banken kräftig unter Druck. Seit Beginn des Jahres hat der Leitindex bereits rund 16 Prozent eingebüßt, die fünfstelligen Prognosen der meisten Banken sind damit zunächst in weite Ferne gerückt. Erst am Montag rauschte der Index unter die psychologisch wichtige Marke von 9000 Punkten, am Dienstag schloss er bei 8879 Zählern, dem niedrigsten Stand seit Oktober Oktober 2014. Analysten erklären, der Dax könne noch bis auf 7500 Punkte absinken. Als Schuldige werden weiterhin die unsichere Wirtschaftslage in China und der Ölpreis genannt. Letzterer ist allerdings der Haupt-Tatverdächtige.

Das allerdings wirft einige Fragen auf. Wenn der Ölpreis der Unruhestifter ist, warum sind die Banken dann die Hauptleidtragenden? Die Aktie der Deutschen Bank verlor am Montag rund zehn Prozent und rutschte unter 14 Euro, so dass die Bank sich gezwungen war, in einer offiziellen Mitteilung ihre Zahlungsfähigkeit zu betonen. Auch die Aktie der Commerzbank, Deutschlands zweitgrößtem Institut, gab deutlich nach. Pessimisten verwiesen bereits auf Parallelen zur vergangenen Finanzkrise 2008.

Grund für die Unruhe dürfte ein nervöser Kreislauf sein. Zuletzt, erklärt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB, sei es der Energiesektor in den USA gewesen, der Anleger nervös gemacht habe. Am Montag belasteten Gerüchte um die angebliche Pleite des Fracking-Unternehmens Chesapeake Energy die Börsen. Zuletzt haben einige Ölkonzerne Einblick in ihre Bilanzen gewährt und Milliardenlöcher offenbart. Das ist zwar angesichts des seit Monaten sinkenden Ölpreises wenig überraschend, reicht aber in einer ansonsten börsennachrichten-armen Zeit aus, um die Kurse ins wanken zu bringen. Aber: "Die Ängste an den Märkten sind übertrieben", sagt Basse. Vor allem dürften die Probleme im Energiesektor nicht als eine generelle Sorge um die US-Konjunktur fehlinterpretiert werden.

Im Energiesektor setzt sich die Abwärtsspirale also in Bewegung. Verstärkt wird sie durch zahlreiche Staatsfonds aus Ölländern, die durch Aktienverkäufe den Druck auf die Börsenkurse erhöhen. Auch das relativ niedrige Handelsvolumen und der elektronische Handel mit seinen automatisch ausgelösten Verkaufsorders verstärken die Kursbewegungen.

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Viel schneller als vermutet kommt die Spirale damit bei den Banken an. Nicht nur im Dax, auch an der Wall Street gehören Bank-Aktien aktuell zu den größten Verlierern. Das Problem: die großen Investmentbanken haben mit Emissionen in der Ölbranche, unter anderem im high-yield-Bereich auf den Anleihemärkten, gutes Geld verdient. Diese Einnahmequelle droht nun zu versiegen.

Im Fall der Deutschen Bank kommen einmal mehr hauseigene Themen hinzu. Nach den hohen Verlusten muss die Bank nun um das Vertrauen der Investoren kämpfen. Obwohl die Eigenkapitalausstattung deutlich besser ist als zu Krisenzeiten, sah Deutschlands größte Bank sich gezwungen, ein Bekenntnis zur "Zahlungsfähigkeit" abzugeben. Es sei genug Kapital da, um die Zinsen der riskanten Schuldscheine (Coco-Bonds) bedienen zu können. Ende April werden Zinszahlungen in Höhe von 350 Millionen Euro fällig.

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1 Kommentar zu Aktien: Winterschlussverkauf an der Börse

  • Ach hätte ich doch nur eine Milliarde Unzen Gold gestern in deutsche Aktien getauscht. Dann hätte ich heute schon 30 Milliarden Euro verloren.

    Man mag sich den fehlenden Sachverstand der EXPERTEN gar nicht vorstellen.

    Wenn Ölpreis und Aktienkurse zusammenhängen, dann Sind nicht 5 oder 10 Prozent Steigerung beim Ölpreis wichtig, sondern man muss abwarten, bis der Preis wieder stabil über 40 oder 50 Dollar liegt und die Tendenz steigend ist. Vorher kauft man keine Aktien. Man verkauft auch keine Aktien, die man 2009 oder 2012 gekauft hat. Welcher Experte gibt diesen Rat? Keiner!

    Wenn man denkt, die Fed erhöht den Zentralbankzins noch 3 oder 4 mal 2016, dann senkt das doch die Aktienkäufe und erhöht die Verkäufe. Man kann also keine Aktien kaufen. siehe oben.
    Wen die OPEC und Russland unter den niedrigen Preisen für Rohstoffe leiden, kaufen die weniger, vielleicht keine, deutschen Exportgüter? Kauft man dann deutsche Exportwerte? Nein!
    Kleinanleger bis 100.000 Euro je Transaktion haben noch viel Zeit zum Überlegen, bis die Turbulenzen an den Finanzmärkten vorüber sind.
    Welche schöpferische Zerstörung nach Schumpeter hat denn seit der letzten Finanzmarktkrise stattgefunden? Braucht es dazu eine weitere Finanzmarktkrise? Dann kann man auch diese noch abwarten. Erst dann, wenn die Preissetzungsmacht der Banken gebrochen wäre, können Anleger wieder etwas optimistischer sein. Alles andere ist Casinokapitalismus.

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