Aktienanlage nach Regionen : So grasen Investoren die Börsen nach Rendite ab

Aktienanlage nach Regionen : So grasen Investoren die Börsen nach Rendite ab

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Wo brummt die Wirtschaft und die Börse? Seine Aktienkäufe auf bestimmte Länder und Regionen zu konzentrieren, hat so seine Tücken.

von Andreas Toller

Europa - und zuvorderst Deutschland – steht in der Gunst von Profi-Investoren so hoch wie nie. Aber USA und Schwellenländeraktien holen auf. Ist ein regionaler Anlagefokus eine lohnende Strategie?

Der Dax tendelt um die 10.000 Punkte, der breite US-Index S&P 500 eilt von Rekord zu Rekord und selbst an Spaniens Börse geht es seit fast zwei Jahren steil aufwärts. Keine Frage, die Aktienmärkte boomen, Aktien bleiben das Investment der Stunde. Wo aber dürfen Anleger die zuverlässigsten Kursgewinne erwarten?

Die Börsenprofis sind sich da nicht ganz einig. In die engere Wahl kommen die Anlageregionen Europa – mit Deutschland an der Spitze - , USA, Japan und die Schwellenländer.

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In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage unter Fondsmanagern und Vermögensverwaltern der Bank of America Merrill Lynch war das Urteil auf den ersten Blick eindeutig: Europäische Aktien liegen in der Gunst der Profiinvestoren weit vorne. Besonders Deutschland rückte im vergangenen Monat wieder verstärkt ins Visier der Anlagestrategen: 31 Prozent von ihnen wollen ihre Aktieninvestments in Deutschland ausbauen. Einen Monat zuvor lag dieser Wert noch bei 17 Prozent.

Aktien aus Spanien und Italien sind gefragt

Auch für Europa insgesamt ist die Stimmung der Umfrage zufolge "bullish": Die Zahl der Fondsmanager, die Europa auf Sicht der kommenden zwölf Monate übergewichten, steigt nochmals deutlich. 43 Prozent der Befragten haben in ihren Portfolios bereits einen Schwerpunkt auf europäischen Aktien gelegt. Es ist der zweithöchste Wert seit Juli 2007. Zudem sind sie hinsichtlich des Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone optimistischer.

Selbst Aktien aus Spanien und Italien waren bei den Anlagestrategen zuletzt besonders beliebt. Aktien aus den beiden angeschlagenen Peripheriestaaten wollen jeweils 19 Prozent der Fondsmanager übergewichten – der zweithöchste Wert in der Umfrage. Zwei Drittel aller Befragten erwarten zudem eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank und damit einhergehend eine Belebung der Konjunktur – insbesondere in Krisenländern.

Also alles auf Dax, EuroStoxx oder die Euro-Peripherie setzen? Solche Überlegungen hält Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, für den falschen Weg. „Ich finde es schon fast unterhaltsam, wie oft bei der Diskussion um die regionale Gewichtung Äpfel mit Birnen verglichen werden. Da heißt es, der EuroStoxx sei günstiger bewertet als der S&P, der Nikkei sehe attraktiver aus als der FTSE – und dabei wird vergessen, dass die jeweiligen Indizes sehr unterschiedliche Zusammensetzungen nach Sektoren aufweisen“, argumentiert Vorndran. Der eine Index enthielte beispielsweise sehr viele Banken, der andere sehr viele Unternehmen aus dem Bereich Minen und Rohstoffe.

US-Aktien profitieren

Deshalb sollten Anleger, wenn sie die Performance der wichtigsten Börsenindizes verschiedener Länder betrachten, die Häufungen bestimmter Branchen berücksichtigen. „Bei solchen Vergleichen sollte man für die Indizes, die betrachtet werden, erst einmal die Sektorgewichtung kalibrieren. Dann verschwindet ein Großteil der Bewertungsdifferenz“, so Vorndran. Selbst dann müsste man aufpassen, denn innerhalb eines Sektors unterscheide sich die Qualität der Unternehmen teilweise drastisch. „Eine Deutsche Telekom ist keine Vodafone, General Motors oder Fiat nicht Porsche oder BMW, und Wells Fargo keine Commerzbank“, bringt es Vorndran auf den Punkt.

Wie man an der Börse die besten Chancen hat

  • Elektronische Retter nutzen

    Stop-Loss-Orders, bei deren Unterschreiten automatisch verkauft wird, disziplinieren und bewahren davor, permanent nach Kursen schauen zu müssen. Sinnvoll aber nur bei sehr liquiden Werten. Bei Aktien unterhalb des Dax gefährlich, weil Profis die Aktien unter das Stopp-Loss drücken und billig abfischen könnten.

  • Gewinne lieben lernen

    Stimmen die Gründe für den Kauf noch, wird eine Aktie nur ihrer Kursgewinne wegen nicht riskanter. Also halten, auch dann, wenn es zwischenzeitlich nach unten geht. Verschlechtern sich wesentliche Parameter: verkaufen.

  • Nicht der Meute folgen

    Angst und Gier treiben die Herde, so entstehen heftige Kursbewegungen, die aber auch schnell wieder drehen und deshalb gute Kauf- und Verkaufschancen bieten. US-Ökonom Robert Shiller zieht Parallelen zum Fußball: „Halte dich von der Meute fern, dann wird der Ball früher oder später zu dir kommen.“

  • Prüfen und kontrollieren

    Wer Unternehmen mit überzeugendem Geschäftsmodell hält, prüft Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Umsatz- und Cashflow-Entwicklung über viele Jahre und vergleicht sie mit den Zahlen der Konkurrenten. Gründe, die zu einem Investment führen, schriftlich festhalten: hilft klarer zu denken und kann, wenn der Wunsch, zu verkaufen übermächtig wird, nachgelesen werden.

  • Sich an eigene Vorgaben halten

    Irren ist menschlich. Wer schon beim Aktienkauf festlegt, welches Minus er maximal akzeptiert, schützt sich vor Illusionen. Etwa der, nur noch Nachrichten wahrzunehmen, die die eigene positive Überzeugung stützen.

Das relativiert auch die Argumente, die derzeit eher für die USA und gegen Europa als Anlageregion sprechen. Für die USA spricht derzeit ein dynamischeres Wachstum. „Die Amerikaner sind im Konjunkturzyklus weiter. Und weil der sehr gut aussieht, kann sich die Fed erlauben, ihre expansive Geldpolitik zu drosseln“, sagt auch Harald Preißler, Chefvolkswirt beim Anleihenmanager Bantleon.

Allerdings sei das Argument für den US-Aktienmarkt auch umkehrbar. „Das kann man negativ sehen, weil eben der Ausstieg bevorsteht. Oder man sieht es als Ritterschlag für den Aufschwung, der so stabil ist, dass er auch ohne die Geldspritzen der Notenbank auskommt“, so Preißler. Auch die im ersten Quartal gesunkenen Unternehmensgewinne in den USA hält Preißler in beide Richtungen für interpretationsfähig. „Die Gewinne in den USA sind zuletzt zwar geschrumpft. Andererseits gab es dort mehr positive Überraschungen als in Europa. Weil sich das nicht zu einem logischen Gesamtbild zusammensetzen lässt, konzentrieren wir uns auf den Konjunkturzyklus insgesamt.“

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