Aktienhandel: Manager zeigen gutes Timing

KommentarAktienhandel: Manager zeigen gutes Timing

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WirtschaftsWoche-Redakteur Stefan Hajek

Kurz vor dem Crash trennten sich viele Vorstände von Aktien der eigenen Firma, jetzt steigen sie ein.

Was wissen die eigentlich, was wir nicht wissen? Seit zwei Wochen vergeht kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften, an den Börsen werden Billionen von Euro vernichtet, die Konjunktur geht schon wieder den Bach runter, und die Anleger flüchten panisch in Gold und Immobilien. Die sogenannten Insider aber kaufen so viele Aktien wie seit Jahren nicht. Vorstände und Aufsichtsräte haben seit dem Crash Anfang August europaweit neun Mal mehr Aktien ihrer eigenen Unternehmen geals verkauft, hat das Frankfurter Research-Haus 2iQ ermittelt. 1200 Käufern aus den Chefetagen standen 119 Verkäufer gegenüber; an manchen Tagen kamen 42 Käufer auf einen Verkäufer. Das Volumen der Insiderkäufe stieg auf 330 Millionen Euro, das größte seit März 2009.

März 2009? Richtig, da hatte es auch gedonnert an den Börsen; danach kam die Rally. Sollten wir es also den mutigen Unternehmenslenkern gleichtun und jetzt Aktien kaufen? Es lohnt sich, die Insider über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Dabei fällt auf: Sie kaufen zwar gern "wenn die Kanonen donnern": Wann immer es zu größeren Verwerfungen an den Märkten kam, zogen die Insiderkäufe stark an. Die Herren (und wenigen Damen) greifen aber auch gern ins sprichwörtliche fallende Messer: Im September 2001 und im Frühjahr 2008 missinterpretierten sie als "Korrektur", was in Wahrheit nur der erste, relativ harmlose Schub eines Crashs auf Raten war. Sie waren viel zu früh eingestiegen und verloren viel Geld. Ob der August 2011 einst zur Kategorie Einstiegschance oder fallendes Messer gezählt werden muss, wird sich zeigen. Mangelndes taktisches Geschick soll den Insidern aber niemand nachsagen: So sprach KlöCo-Chef Gisbert Rühl am 10. August in seiner Funktion als Vorstand von einem "drohenden Rückfall in die Rezession" – was ihm die Anleger prompt glaubten, der Stahlhändler gilt als konjunktursensibel; ein echter Frühindikator. Die Aktie crashte an diesem Tag um 21 Prozent.

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Kauf bei Donner

Bereits am nächsten Tag aber fasste Rühl, der Privatanleger, sich ein Herz und kaufte kräftig in den tags zuvor selbst verstärkten Kanonendonner hinein. Seinen Einkaufskursen, in denen ja von vielen der langfristige Gewinn vermutet wird, hat das Krisengerede vom Vortag bestimmt nicht geschadet. Gut, das war jetzt nicht irgendwie illegal oder so. Irgendwie kursschonend für die anderen Aktionäre, die KlöCo die Stange hielten, aber auch nicht.

Schwamm drüber.

Noch interessanter als die Käufe der Insider sind ohnehin deren Verkäufe. Die können von anderen Anlegern mit Fug und Recht als klares Verkaufssignal verstanden werden. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth etwa entledigte sich im Juli eigener Aktien im Wert von 28,3 Millionen Euro. Generell waren im Juli viele Insider als Verkäufer unterwegs; so viele wie seit Sommer 2007 nicht mehr. Die bisher größten Insiderverkäufe gab es übrigens im März 2000. Das nennt man gutes Timing.

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