Aktienhandel: Wie Privatanleger ausgetrickst werden

Aktienhandel: Wie Privatanleger ausgetrickst werden

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Welteroberer. Da-Vinci-Chef Klein (rechts) und sein Partner Kaiblinger verdienen Geld in Millisekunden

von Annina Reimann

Nicht der smarteste Investor, sondern die schnellste Maschine gewinnt: Wie Hochleistungsrechner gegeneinander kämpfen und Privatanleger austricksen.

In zwölf Sekunden kommen die neuen Arbeitsmarktdaten. Hendrik Klein legt seine Hand auf die Computermaus. „Mach schnell!“, ruft sein österreichischer Partner, der hinter Kleins Stuhl herumzappelt. Mit einem Klick schaltet Klein die Leitung des Handelsprogramms für maschinenlesbare Nachrichten frei. Um 14.30 Uhr, keine Millisekunde später, veröffentlichen die USA die Zahl der neu geschaffenen Jobs: 163.000 sind es, 53.000 mehr als von Volkswirten erwartet.

Aus dem Lautsprecher des Rechners tönt Applaus, wie immer, wenn Kleins computergesteuertes Programm selbstständig an der Börse handelt. Und bei der Nachricht legt die Maschine richtig los. Sie wettet blitzschnell auf einen steigenden Deutschen Aktienindex (Dax): Wenn mehr Amerikaner einen Job haben, läuft die US-Wirtschaft besser als erwartet, davon dürfte Deutschland profitieren.

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25 Euro pro Punkt

Jede Millisekunde zählt. Die Reaktion des Dax-Futures auf die amerikanischen Arbietsmarktzahlen

Jede Millisekunde zählt. Die Reaktion des Dax-Futures auf die amerikanischen Arbietsmarktzahlen. Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Die Rechnung geht auf: In der ersten Sekunde schießt der Kurs des Dax-Futures an der Terminbörse Eurex um über 20 Punkte nach oben (Chart rechts). Jeder Punkt ist 25 Euro wert. Wer in einer Sekunde 20 Punkte mitnehmen kann, macht pro Future 500 Euro Gewinn. Mit 100 Kontrakten vervielfacht sich das Plus auf 50.000 Euro.

Nach wenigen Sekunden ist erneut Beifall zu hören. Der Börsentrend dreht, der Computer nimmt Gewinne mit. Zwei Minuten später läuft die Nachricht über den TV-Schirm im Büro des Investmenthauses Da Vinci im schweizerischen Dietikon. Klein und Partner Goran Kaiblinger haben da längst wieder Bares auf dem Konto.

Der ehemalige Bankhändler Klein und der promovierte Physiker Kaiblinger gehören zur Generation der ausgebufften Hochfrequenzhändler. Automatisch feuern ihre Computer dank programmierter Handlungsanweisungen (Algorithmen) in Bruchteilen von Sekunden Kauf- und Verkaufsaufträge an die Börsen. Leute wie sie haben den Börsenhandel revolutioniert: Heute sei „die Länge der Kabelverbindung zum Börsenserver für den Erfolg eines Investors oft entscheidender als seine Fähigkeit in der Unternehmensbewertung“, sagt Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel, der die Ressorts Informationstechnologie und Märkte verantwortet.

Früher kaufen als alle anderen

Die Da-Vinci-Händler handeln auf Nachrichten: Vor Veröffentlichung wichtiger volkswirtschaftlicher Daten legen sie fest, wie ihr System reagieren soll, wenn die Daten besser oder schlechter als zuvor von Volkswirten und Börsianern erwartet ausfallen. Je größer die Überraschung, desto mehr Gewinn ist drin. Entscheidend ist, die Reaktion des Marktes richtig vorwegzunehmen – und früher zu kaufen als andere.

Die Chancen, dass der Deutsche Klein das schafft, stehen gut: Da Vinci haben ihren Computer im Frankfurter Rechenzentrum des Anbieters Equinix eingemietet, ganz nah an den Hauptrechnern der Deutschen Börse und ihrer Tochter Eurex. Kommt eine Nachricht an, braucht der Da-Vinci-Code nur 1,5 Millisekunden, um eine Order zu generieren, sie an die Börse zu schicken und von dort das Okay zu empfangen.

Eine Millisekunde, das ist eine Tausendstel Sekunde.

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