Aktienmärkte: Profi-Investoren in den USA werden nervös

Aktienmärkte: Profi-Investoren in den USA werden nervös

Schwächere Gewinnprognosen stimmen Profianleger in den USA zunehmend pessimistisch. Einige sehen aber auch Anlass zu Hoffnung.

Zweimal jedes Jahr, im Frühling und im Herbst, sondiert das Börsenmagazin „Barron’s“ die Stimmung der professionellen Anleger in den USA. An der jüngsten Befragung beteiligten sich 131 Investmentexperten, von der gründergeführten Vermögensverwaltung mit drei Mitarbeitern bis zu Banken und Hedgefonds, die zweistellige Milliardensummen für ihre Kunden anzulegen haben. Selten war ein Stimmungsumschwung bei den US-Investoren in nur sechs Monaten so deutlich.

In den letzten drei Jahren brachten Aktien den Anlegern attraktive Erträge. Umso erstaunlicher, dass der Optimismus der Anlageexperten plötzlich schwindet: Nur noch knapp die Hälfte ist für das kommende Halbjahr optimistisch. Die Zahl der Optimisten überwiegt zwar noch leicht die der Pessimisten, aber der Anteil der Bullen liegt nur noch bei 46 Prozent; noch vor einem halben Jahr waren es 55 Prozent und vor einem Jahr 52 Prozent. Pessimistisch oder sehr pessimistisch sind 27 Prozent der Befragten. Dieses Lager hat sich von 14 Prozent im April fast verdoppelt.

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Mit anderen Worten: Die Anleger bezweifeln, dass sich der Aufschwung fortsetzen wird. 60 Prozent der Vermögensverwalter sagen, auch ihre Kunden seien pessimistisch. „Die Anleger sind generell nervös. Der seit Jahren schwankungsanfällige Markt hat das Vertrauen der Leute anscheinend beschädigt“, sagt etwa Jon Fisher, Portfoliomanager bei Fifth Third Asset Management. Vor allem wenn man bedenkt, dass man sich ja nach wie vor in einem steigenden Markt befinde, sei der Pessimismus der Privatanleger merkwürdig, meint Fisher. Denn normalerweise werden Privatanleger mehrheitlich erst zu Schwarzsehern, nachdem sie erste Verluste eingefahren haben.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Was hat sich also in den vergangenen sechs Monaten geändert? Zunächst sind Aktien infolge der scharfen Kurssteigerungen im Sommer und Frühherbst sowie wegen der schwächeren Gewinnaussichten der Unternehmen schlicht teurer geworden. Der S&P-500-Index bewegte sich im April dieses Jahres um die Marke von 1370 Punkten und wurde dann von einer kräftigen Rally auf 1466 Punkte getrieben. Derzeit liegt der Index selbst nach zuletzt starken Verkäufen noch immer fast zwölf Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn.

Die Gewinnerwartungen der US-Unternehmen mussten schrittweise zurückgenommen werden. So dürften die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im dritten Quartal um 1,9 Prozent geringer ausfallen als im Vorquartal. Noch am 2. Juli hatten die von Thomson Reuters befragten Analysten um 2,8 Prozent steigende Gewinne erwartet. Für das vierte Quartal rechnen Analysten im Schnitt zwar immer noch mit 8,4 Prozent Gewinnwachstum, allerdings lag diese Prognose im Juli noch bei plus 14 Prozent; auch die Gewinnaussichten für das erste Halbjahr 2013 werden von Analysten zunehmend pessimistisch beurteilt.

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