KommentarAktienmarkt: Draghis Bluff verpufft

09. November 2012
von Frank Doll

An den Börsen in den USA und in Europa hat sich ein gewaltiges Abwärtspotenzial aufgebaut. Die Entwicklungen auf beiden Seiten des Atlantiks könnten sich gegenseitig verstärken. Anleger sollten sich absichern, bevor es knallt.

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Der amerikanische Aktienmarkt ist an einem kritischen Punkt angekommen. Vor allem wegen der Schwäche der Indexschwergewichte Apple und Google hat der Nasdaq-100-Index bereits eine seit Ende 2011etablierte Aufwärtstrendlinie unterschritten. Der breite S&P-500-Index ist an selbiger Trendlinie angekommen.

Ein Zusammenspiel aus Delta-Hedging, Margin Calls (Wertpapierkredite an der New York Stock Exchange erreichten zuletzt ein 16-Monats-Hoch) gepaart mit der Schwäche der beiden Schwergewichte Apple und Google könnten jetzt eine  Abwärtsbewegung in Gang setzen, die - trotz möglicher Stützungsaktionen des Plunge Protection Teams und eines überverkauften Marktes - außer Kontrolle geraten kann.

Fünf Zertifikate für weltweite Anlagetrends

  • Szenario: Zinsen drehen schrittweise nach oben

    Zertifikat: Bund-Future-Short

    Emittentin: HSBC Trinkhaus

    Ausfallprämie: 1,1 Prozent - geringes Risiko

    Funktion: Wandelt Kursverluste im Bund-Future (141,25 Prozent) mit sechsfachem Hebel in Gewinne um; keine Laufzeitgrenze;
    Achtung: Totalverlust, wenn Bund-Future Basisschwelle (aktuell 162,23 Prozent) berührt oder überschreitet.

    Kurs/ Stoppkurs: 21,56/ 17,25 Euro

    ISIN: DE000TB3MT94

    Chance/ Risiko: 10/9¹

    ¹ 10=hoch; 1=niedrig

    Quelle: Thomas Reuters, Bloomberg, eigene Recherchen; Stand 29. Oktober 2012

  • Szenario: Deutsche Nebenwerte setzen Anstieg fort

    Zertifikat: MDax-Partizipation

    Emittentin: UBS

    Ausfallprämie: 1,3 Prozent - geringes Risiko

    Funktion: Steigt und fällt wie der MDax (aktuell 11.352 Punkte); 100 Zertifikate entsprechen dem Indexstand; keine Laufzeitgrenze.

    Kurs/ Stoppkurs: 113,52/ 96,49 Euro

    ISIN: CH0018600087

    Chance/ Risiko: 6/5¹

    ¹ 10=hoch; 1=niedrig

    Quelle: Thomas Reuters, Bloomberg, eigene Recherchen; Stand 29. Oktober 2012

  • Szenario: Erdgasmarkt steht vor langfristigem Anstieg

    Zertifikat: Nyse-Arca-Natural-Gas-Partizipation

    Emittentin: Société Générale

    Ausfallprämie: 1,9 Prozent - mittleres Risiko

    Funktion: Läuft wie US-Branchenindex Nyse-Arca-Natural-Gas; zehn Zertifikate entsprechen dem Indexstand (aktuell 670 Punkte); Dividenden nicht enthalten, keine Laufzeitgrenze, keine Währungssicherung.

    Kurs/ Stoppkurs: 52,50/ 44,62 Euro

    ISIN: DE000SG0F4M5

    Chance/ Risiko: 7/6¹

    ¹ 10=hoch; 1=niedrig

    Quelle: Thomas Reuters, Bloomberg, eigene Recherchen; Stand 29. Oktober 2012

  • Szenario: Goldpreis erreicht mind. das bisherige Hoch (1909 Dollar)

    Zertifikat: Gold-Hebel-Long

    Emittentin: Deutsche Bank

    Ausfallprämie: 1,3 Prozent - niedriges Risiko

    Funktion: Steigt und fällt vier Mal so stark wie der Goldpreis (aktuell 1710 Dollar); keine Laufzeitgrenze, keine Währungssicherung;
    Achtung: Totalverlust, wenn Goldpreis Basisschwelle (aktuell 1289,10 Dollar) berührt oder unterschreitet.

    Kurs/ Stoppkurs: 32,80/ 27,85 Euro

    ISIN: DE000DX12HL8

    Chance/ Risiko: 8/7¹

    ¹ 10=hoch; 1=niedrig

    Quelle: Thomas Reuters, Bloomberg, eigene Recherchen; Stand 29. Oktober 2012

  • Szenario: Ölpreis schwankt weiterhin auf hohem Niveau

    Zertifikat: Brent-Bonus-Cap

    Emittentin: Goldman Sachs

    Ausfallprämie: 1,8 Prozent - mittleres Risiko

    Funktion: Bleibt Ölpreis (Brent, aktuell 108,90 Dollar) bis 13. Mai 2013 über 80 Dollar, Rückzahlung von 130 Euro (9,2 Prozent in sieben Monaten); Währungssicherung; Verluste bei Ölpreisrückgang auf 80 Dollar und weniger.

    Kurs/ Stoppkurs: 119,05/ 101,19 Euro

    ISIN: DE000GT04DP6

    Chance/ Risiko: 6/5¹

    ¹ 10=hoch; 1=niedrig

    Quelle: Thomas Reuters, Bloomberg, eigene Recherchen; Stand 29. Oktober 2012

Apple und Google sind Kernpositionen bei einer Vielzahl von Hedgefonds. Diese könnten jetzt kalte Füße bekommen. Im Falle von Apple wären bei Kursen bis runter auf 400 Dollar immerhin noch hohe Kursgewinne aus 2012 zu realisieren. Aktuell notiert die Aktie bei 537 Dollar. Ein weiterer Kursrutsch von Apple aber würde auch Google treffen und letzlich den S&P 500 mit nach unten ziehen. Apple ist mit einem Indexanteil von fünf Prozent der schwerste Wert im wichtigsten amerikanischen Aktienindex.

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Doch auch in Europa ist es schon vorbei mit der Ruhe an den Finanzmärkten. Hier spitzt sich die Euro-Krise wieder zu. So zog gestern der Spread zehnjähriger spanischer Staatsanleihen, also die Differenz zur Rendite deutscher zehnjähriger Bundesanleihen, auf 447 Basispunkte an und erreichte damit den höchsten Stand seit sechs Wochen. Dabei wurde eine seit Juli etablierte mittelfristige Abwärtstrendlinie und der 200-Tage-Durchschnitt nach oben durchbrochen.

Mario Draghis OMT-Bluff hat offenbar seine Wirkung verloren. Entweder der EZB-Präsident lässt jetzt Taten folgen oder die europäischen Aktienmärkte gehen in den Ausverkauf über. Interessante Begleiterscheinung für Baisse-Spekulanten: Die Entwicklungen in den USA und Europa werden sich gegenseitig verstärken. Entsprechend hoch ist das Abwärtspotential auf beiden Seiten des Atlantiks.

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Kommentare | 4Alle Kommentare
  • 09.11.2012, 18:54 Uhrmanni24

    Der politische Ansatz ist eigentlich klar.

    Neben Entschuldung durch Inflation bei gleichzeitiger Enteignung vornehmlich von Kleinsparern und Rentnern die Transferunion zum dauerhaften Lastenausgleich. Im Ergebnis ein zwischen GR u.a. Südländern und DE gemitteltes Niveau in der ganzen EU.

    Dazu ein Bolschewistisches Brüsseler Zentralkommitee von eigenen Gnaden, das in seiner unendlichen Weisheit die Bevölkerung mit 5-Jahresplänen verwöhnt.

  • 09.11.2012, 16:51 UhrWegweiser

    Draghis Aufgabe ist die bedingungslose Erhaltung der Eurozone mit all ihren bisherigen Mitgliedern. Die gesamte Geld- und Währungspolitik richtet sich danach aus. Dies ist jedoch bei siebzehn völlig unterschiedlichen Volkswirtschaften mit völlig verschiedenen Ausrichtungen überhaupt nicht möglich.

    Erhält man den Euro als dauerdurchinflationierte Weichwährung oder als eine Währung, die mit Gummiknüppeln, Gummigeschossen, Tränengas und Blendgranaten erhalten wird?

    Egal, welche denkbare oder mögliche Szenario als Lösungsweg in Betracht kommt, ein gutes Ende wird es mit absoluter Sicherheit nicht nehmen können. Die einzige Lösung wäre die sofortige Rückführung in einer Wechselkursunion mit nationalen Währungen. Doch diese Option wird gerade aus deutscher Sicht niemals erwogen.

    Der 9. November ist ein besonderer deutscher Tag, der eine Vielzahl von geschichtlichen Ereignissen in sich vereinigt. 1918, 1938, 1989.

  • 09.11.2012, 14:27 UhrRoger13

    Die letzten 2 Wochen vor den Wahlen in Amerika waren mehr als ruhig.Die Ruhe vor dem großen Sturm.Ich glaube,dass das Jahr 2013 gewaltige Veränderungen für uns alle bringt.Eine Epoche in Europa nähert sich dem Ende.Unsere Situation ist vergleichbar mit der dem Jahre 1913.Wir werden das Ende des Euro und Europas in seiner jetzigen Form erleben.Bürgerkriege kommen.Nach so langen Friedenszeiten werden die Auseinandersetzungen besonders grausam.

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