Aktienmarkt: Händler, traut Eurem Bauchgefühl!

Aktienmarkt: Händler, traut Eurem Bauchgefühl!

, aktualisiert 20. September 2016, 15:10 Uhr
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Aktienhändler sollten regelmäßig ihrem Bauchgefühl trauen, so eine neue Studie.

Quelle:Handelsblatt Online

Gefühle und Leistung gehen Hand in Hand auf dem Aktienmarkt. Eine neue Studie zeigt: Händler, die auf ihr Bauchgefühl hören, verdienen mehr Geld. Auch langjährige Berufserfahrung scheint dabei zu helfen.

New YorkGelten Bauchgefühle heutzutage als valide Signale für Marktentscheidungen oder sind sie lediglich lästige Anzeichen für Unsicherheit und Zerrissenheit? Inwiefern sollten Händler bei Kapitalmarktentscheidungen dem inneren Antrieb trauen, wenn es um die Bewertung neuer Tendenzen geht?

Ein ehemaliger Derivate-Händler, der inzwischen als Neurowissenschaftler arbeitet, ging genau dieser Frage nach. Und John Coates kam zu dem Ergebnis: Händler, die vermehrt auf die Signale ihres Körpers hören, verdienen mehr Geld und überleben insgesamt länger in der Branche als die Konkurrenz.

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Zusammen mit Medizinwissenschaftlern von der University of Cambridge untersuchte er die Physiologie von insgesamt 18 männlichen Hochfrequenzhändlern, die bei einem Londoner Hedgefonds arbeiten. Die Ergebnisse wurden in dieser Woche im Online-Magazin „Scientific Reports“ veröffentlicht. Das Kernresultat: Diejenigen Händler mit Risikoneigung, die ihre eigene Herzfrequenz besser schätzen konnten, verdienen mehr Geld als jene Kollegen, die bei dieser Aufgabe weniger überzeugten.

„Wir wussten, dass Physiologie für gewöhnlich genauer Risiko und Chance auf den Märkten widerspiegelt als die bewussten Bewertungen von Menschen“, sagt Coates in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn es derart wertvolle Handelssignale bei unseren Körperreaktionen gibt, ist es dann möglich, dass Menschen, die diese physischen Veränderungen besser bemerken, Zugang zu unbezahlbaren Handelssignalen haben?“

Bei dieser Untersuchung wurden die Testteilnehmer darum gebeten, ohne Pulsfühlung ihre Herzschläge zu zählen – und zwar in zufällig ausgewählten Zeitintervallen. Die Schätzungen, so Coates, wurden in der Folge mit der tatsächlichen Herzfrequenz verglichen.


Erfahrung hilft im Berufsalltag

Mit einer durchschnittlichen Trefferquote von 78,2 Prozent zeigen sich Händler bei diesem Test der Bevölkerung überlegen. Eine aus Studenten zusammengestellte Kontrollgruppe kam auf 66,9 Prozent. Bei der Auswertung zeigte sich letztlich, dass höhere Sensibilität im vergangenen Jahr zu höheren Verdiensten führte. Außerdem überraschend: Mitarbeiter mit längerer Berufserfahrung gaben insgesamt genauere Schätzungen ab. So erzielten Händler mit einer Berufserfahrung von mindestens acht Jahren eine Quote von 85,3 Prozent, diejenigen mit weniger als vier Jahren eine Quote von 68,7. „Es gibt diesen wirklich mächtigen Vorteil auf dem Markt, und keiner weiß davon“, sagt Coates.

Die Studienergebnisse überzeugten den Wissenschaftler – und entfachten offenbar ein neues Bauchgefühl der Neugier. Er hat Cambridge verlassen und arbeitet künftig mit gemeinsam einem Technologie-Start-up an einem Neuprodukt, das mit der Studie in Verbindung steht. Um welche Firma es sich genau handelt, wollte er nicht sagen.

„Das ist kein mystisches Ding. Man muss richtig trainiert werden, man muss das üben. Und dann kann man sich selbst so anpassen, dass die Bauchgefühle besser werden“, sagt der 54-Jährige. „Dann befindet man sich in einer Welt des Handels, die einfach komplett neu ist.“

Über die Rolle von Bauchgefühlen wird seit Jahrzehnten diskutiert – belastbare Belege gab es aber nie. So heißt es etwa, dass die Investorenlegende George Soros das Portfolio umbaut, sobald sein Rücken schmerzt. Ein Beleg der Korrelation zwischen Physiologie und Leistung würde die Position der Händler stärken: Schließlich werden auch in dieser Branche immer mehr Aufgaben von Maschinen übernommen.

Coates, der zwölf Jahre lang für Goldman Sachs, Merill Lynch und die Deutsche Bank im Derivatehandel tätig war, gilt sozusagen als „Wiederholungstäter“: Bereits 2012 veröffentlichte er ein Buch („The hour between dog and wolf“), das sich mit dem Einfluss von Biologie auf die Entscheidungen von Kapitalmarkthändlern beschäftigte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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