Aktienrückkauf: Schulden, um die Aktionäre zu erfreuen

Aktienrückkauf: Wie Konzerne sich für die Börse dopen

Schulden, um die Aktionäre zu erfreuen

Aktionäre verloren so 2015 rund 30 Prozent. Das Management kassierte dagegen allein 101 Million Dollar Boni aus Optionen. Ohne die langjährigen Rückkäufe jedoch läge der Kurs vermutlich noch viel niedriger: Die bisherigen Rückkäufe haben das KGV unabhängig vom Kurs schon mehr als halbiert. Im vierten Quartal 2014 etwa spendierte sich das Management 104 Millionen Dollar aus Aktienoptionen, für 754 Millionen Dollar kaufte Viacom Aktien zurück, 137 Millionen Dollar gab es für Dividenden aus. Das Ganze finanzierte Viacom zeitgleich nahezu eins zu eins über neue Anleihen für 990 Millionen Dollar.

Derartige Kurspflege betreiben auch augenfällig viele Unternehmen aus der IT-Branche, etwa Microsoft oder Apple. Es ist paradox: Apple zählt zu den reichsten Unternehmen der Welt. Dennoch macht der i-Konzern Schulden, um seine Aktionäre zu erfreuen. Die bestens verdienende Firma hat Barreserven von 216 Milliarden Dollar angehäuft.

S&P-500-Buyback-Index.

S&P-500-Buyback-Index.

Das Geld liegt jedoch größtenteils in Steueroasen. Würde Apple die Mittel in die USA transferieren, wären enorme Nachzahlungen von bis zu 40 Prozent an den Fiskus fällig. Um dies zu vermeiden, nahm der Konzern erst im Februar wieder eine Anleihe über zwölf Milliarden Dollar auf. Die Gelder sollen in erster Linie zum Rückkauf von eigenen Aktien verwendet werden. Apple und Microsoft, beide aus der Wiege des als innovationsfreundlich geltenden Silicon Valley, kauften allein in den Jahren 2010 bis 2014 zusammen Aktien für mehr als 105 Milliarden Dollar zurück und schütten dazu noch knapp 57 Milliarden an Dividenden aus. 2012 hatte Apple noch keine Schulden auf den Büchern, heute liegen sie bei 63 Milliarden Dollar. Bei Microsoft stiegen sie seither von 12 auf 44 Milliarden Dollar. Inklusive der extrem hohen Barreserven ist Apple aber nach wie vor topliquide. Apple habe „ein seltenes Luxusproblem“, sagt Exner. In der Regel sei freie Liquidität ein knappes Gut. Vielfach würden über Rückkäufe „operative Probleme maskiert, um Investoren bei Laune zu halten“, sagt Exner, der dies etwa bei Yahoo oder Hewlett-Packard vermutet.

Gemessen an amerikanischen Konzernen, kaufen deutsche Unternehmen Aktien allenfalls in homöopathischen Dosen zurück. Viele Manager geben an, dass sie aus schlechten Erfahrungen in der Finanzkrise gelernt hätten. Denn im Boom vor der Krise hatten viele Konzerne zunächst teuer eigene Aktien erworben, was sie kurz darauf bereuen sollten: Aufträge und Gewinne brachen weg, die Banken hielten ihr Geld zusammen, Kredite oder Kapitalerhöhungen wurden nötig. Zur Sicherheit halten daher viele deutsche Unternehmen lieber hohe Liquiditätsreserven vor.

US-Aktienmärkte Rückkäufe der Unternehmen sorgen für Stabilisierung

Die US-Aktienmärkte haben den schwächsten Januar seit sieben Jahren hinter sich. Inzwischen hat sich die Lage wieder stabilisiert. Das liegt vor allem an den Aktienrückkäufen der Unternehmen.

Der gleichgewichtete S&P Index der Unternehmen, die Rückkäufe tätigen, hat im Februar bislang um 0,9 Prozent zugelegt. Quelle: ap

Ergebnis: Seit 2009 haben 18 Unternehmen aus dem Dax, dem MDax und dem TecDax eigene Aktien aufgekauft. Besonders häufig nutzten den Rückkauf die Deutsche Börse, die Münchener Rück und United Internet. Zu den wenigen nennenswerten Rückkäufern zählt Siemens. Die Münchner erwarben zwischen Mai 2014 und Oktober 2015 für vier Milliarden Euro Aktien. Im November kündigte Siemens neue Rückkäufe von bis zu drei Milliarden Euro an. Die Münchener Rück gibt für ein Aktienrückkaufprogramm jährlich eine Milliarde Euro aus. Neu dazu kommt die Deutsche Post. Die Bonner gaben gerade bekannt, binnen eines Jahres für maximal eine Milliarde Euro Aktien zurückzuerwerben. Die erworbenen Papiere würden entweder eingezogen oder für die Bedienung von langfristigen Vergütungsprogrammen eingesetzt.

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Alles in allem hatten die Rückkaufprogramme von 2009 bis 2015 in Deutschland ein Volumen von 16,5 Milliarden Euro – das schaffte IBM alleine schon mal binnen eines Jahres. Die 16,5 Milliarden ergeben sich aus Pflichtmitteilungen der Unternehmen und Zahlen des Datenanbieters Dealogic. Investoren bevorzugen meist eine direkte Ausschüttung. „Bei einer Bardividende können Anleger selbst entscheiden, wie sie die Mittel verwenden – ob für den Zukauf weiterer Aktien oder für andere Investments“, sagt Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment, der „Aktienrückkäufe grundsätzlich ablehnt“.

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