Aktionäre: Bei welchen Dax-Konzernen es brennt

Aktionäre: Bei welchen Dax-Konzernen es brennt

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Viele Aktionäre empfinden das beschlossene vorzeitige Aus aller deutschen Kernkraftwerke als massiven Eingriff in ihre Eigentumsrechte.

von Heike Schwerdtfeger, Günter Heismann, Hauke Reimer, Anton Riedl und Christof Schürmann

Bei vielen Unternehmen haben die Aktionäre in diesem Jahr gute Gründe für kritische Fragen. Wo es Gesprächbedarf gibt und warum.

In dem wackligen konjunkturellen Umfeld dürften sich zudem „manche Finanzvorstände schon auf Vorrat die Möglichkeit zu überdimensionierten Kapitalerhöhungen bei der Hauptversammlung einräumen lassen“, sagt Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment. Solche Blanko-Beschlüsse will er eindämmen. Anlass für kritische Fragen haben die Aktionäre bei vielen Dax-Konzernen.

  • Beim Konsumchemiker Beiersdorf etwa geht der alte Chef Thomas-Bernd Quaas vorzeitig in den Aufsichtsrat, obwohl sein bis 2010 befristeter Vertrag noch um fünf Jahre verlängert wurde. Offensichtlich sind die Großaktionäre Michael und Wolfgang Herz vom Kaffeeröster Tchibo mit der Entwicklung von Beiersdorf unter Quaas nicht zufrieden. Nun erwarten Aktionäre auf der HV von dem neuen Chef Stefan Heidenreich eine Strategie, mit der Beiersdorf sich gegen Procter & Gamble und L’Oréal wehrt. „Die Aktie wird nur zu alter Stärke zurückkehren können, wenn sich die Umsatzrendite bei Pflegeprodukten nachdrücklich erhöht“, sagt Dirk Unrau, der für die DSW den Nivea-Konzern beobachtet. Der Jahresgewinn von Beiersdorf fiel um 67 Millionen Euro oder 20 Prozent auf 259 Millionen Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Hamburg bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen mitteilte. Nach Angaben  eines Konzernsprechers wurden große Kostenteile für den geplanten Abbau von weltweit 1.000 Stellen noch für 2011 verbucht.
  • Der Deutschen Telekom gelingt es einfach nicht, das glücklose Abenteuer in den USA zu beenden – der geplante Verkauf der amerikanischen T-Mobile-Tochter, der 39 Milliarden Dollar einbringen sollte, scheiterte kurz vor Weihnachten am erwarteten Widerstand der amerikanischen Kartellwächter. Jetzt wird es vorläufig nichts mit dem angekündigten Aktienrückkauf in Höhe von fünf Milliarden Euro.
  • Den Stromversorgern RWE und E.On drohen durch die Energiewende immense Verluste. Das vorzeitige Aus für alle deutschen Kernkraftwerke empfinden Aktionäre als massiven Eingriff in ihre Eigentumsrechte. „Diese Fragen fließen in unsere Analysen ein“, sagt ISS-Manager von Oehsen. Hiergegen vorzugehen sei Aufgabe der Investoren. Das Atom-Thema zieht auch Fondsmanager Speich auf die HV von RWE und E.On. Dabei kann er sich schon einen Erfolg ans Revers heften: Union Investment kritisierte seit 2009 den geplanten Bau von RWE-Atomkraftwerken in erdbebengefährdeten Gebieten in Bulgarien und Rumänien. Die Pläne wurden 2011 tatsächlich gekippt – nach Fukushima.
  • Von Siemens hat Fondsmanager Speich schon bei seinem HV-Auftritt vor zwei Jahren den Rückzug aus den Geschäftsfeldern Rüstung und Atomenergie gefordert. „Sie haben zu viel Managementkapazität gebunden und nicht zum Kerngeschäft gepasst“, sagt er. Jetzt ist das Atomkapitel für Siemens Geschichte. Siemens-Chef Peter Löscher schaltet um, etwa mit Turbinen für Windkraft oder dem Bau von Solarkraftwerken. „Hier stimmen Gewinnmarge und Wachstum“, sagt Speich. Doch er warnt: „Das Umsatzziel für grüne Technologien von 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2014 ist sehr ambitioniert und darf nicht zulasten der Profitabilität gehen.“ Wie das Unternehmen am Dienstag auf der HV bekannt gab, teilten sich Solar- und Windenergie zum Start ins neue Geschäftsjahr einen Verlust von 48 Millionen Euro. Bürokratische Hindernisse bei der Anbindung von Windparks auf hoher See an das Stromnetz büßten die Münchner mit Abschreibungen in Höhe von 203 Millionen Euro.
    Henning Gebhardt, Europa-Aktienchef der Fondsgesellschaft DWS, sieht zudem die Übernahmen von Siemens kritisch, weil der Konzern meist zu viel bezahlt habe und so spätere Bilanzen mit hohen Abschreibungen belaste.
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