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Alternativen für Anleger: Besser als Bundesschatzbriefe

von Andrea Cünnen und Kerstin Leitel Quelle: Handelsblatt Online

Der Bund sperrt Kleinanleger aus: Diese können ihr Geld künftig nicht mehr direkt bei Vater Staat anlegen. Das klingt dramatischer, als es ist. Für Anleger gibt es sowieso bessere und zugleich sichere Alternativen.

Bundeswertpapiere werden in Zukunft nur noch über die Finanzinstitute gekauft - und nicht mehr direkt beim Staat. Quelle: dpa
Bundeswertpapiere werden in Zukunft nur noch über die Finanzinstitute gekauft - und nicht mehr direkt beim Staat. Quelle: dpa

FrankfurtPrivatanleger, die Vater Staat künftig Geld leihen wollen, müssen das künftig über Banken machen und den Instituten dafür Gebühren zahlen. Darüber informierte die Finanzagentur gestern Anleger im Internet, nachdem das Handelsblatt über entsprechende Pläne des Bundesfinanzministeriums berichtet hatte.

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Fest steht derzeit: Neue Schuldbuchkonten können Sparer bei der Agentur nur noch bis Ende des Jahres eröffnen. Auf bestehende Konten können sie neue börsennotierte Bundeswertpapiere nur bis 21. August übertragen. Neue Serien der Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze gibt es nur noch bis Jahresende. Und auch mit der Tagesanleihe und dem gebührenfreien Erwerb von fünfjährigen Bundesobligationen ist Ende des Jahres Schluss. Immerhin: Die rund 335.000 Konten, auf denen Sparer 8,5 Milliarden Euro angelegt haben, werden weitergeführt, bis alle darin verwalteten Bundeswertpapiere ausgelaufen sind.

Auf den ersten Blick ist das für Anleger nicht dramatisch, weil die aktuellen Konditionen für Neueinsteiger unattraktiv sind. So bringen ein- und zweijährige Finanzierungsschätze fast keine Rendite. Die Nachfrage institutioneller Investoren nach sicheren Bundesanleihen hat schließlich die Renditen für alle Bundeswertpapiere extrem gedrückt.

So viel kostet Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Trotzdem nimmt der Bund, dem das Privatkundengeschäft zu teuer wurde, Kleinsparern die Möglichkeit, Geld flexibel anzulegen. Das gilt vor allem für Bundesschatzbriefe, die es ab einer Anlage von 52 Euro gibt. Die "Bundesschätzchen" mit gestaffelten Zinsen bringen bei Laufzeiten von sechs und sieben Jahren zwar auch nur 0,51 und 0,69 Prozent Rendite. Aber: Nach einem Jahr können Anleger sie in neue Serien umschichten.

Die Konditionen der neuen Serien werden dabei ständig an das Marktniveau angepasst - bei steigenden Kapitalmarktzinsen lohnte sich die Umschichtung. Und zwar so sehr, dass die Finanzagentur regelmäßig berechnen ließ, dass Anleger mit Bundesschatzbriefen mehr erwirtschafteten als mit Rentenfonds.

Grund dafür waren vor allem die wegfallenden Gebühren, die jetzt auf alle Anleger zukommen. Bei vielen Banken sind das die üblichen Kosten für einen Kauf eines Wertpapiers sowie die Gebühren für das Wertpapierdepot.

Bei der Postbank fallen zum Beispiel für den Kauf von Bundesschatzbriefen in Höhe von bis zu 1 200 Euro Gebühren von 7,95 Euro an. Ordert man die Papiere beim Schalterbeamten in der Filiale, werden 13 Euro Zuschlag fällig.

Bei der Commerzbank werden beim Kauf 0,5 Prozent des investierten Geldbetrags eingezogen, mindestens 19,90 Euro. Bestellt man die Papiere über das Internet, gibt es auf die Gebühr einen Rabatt von 20 Prozent. Hinzu kommen bei beiden Instituten Depotgebühren.

Günstiger ist es zum Beispiel beim Online-Broker ING-Diba - dort können Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze kostenlos gekauft werden, auch Depotgebühren fallen nicht an.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 05.07.2012, 06:54 Uhrskyjellyfetty

    "Privatanleger, die Vater Staat künftig Geld leihen wollen, müssen das künftig über Banken machen und den Instituten dafür Gebühren zahlen."
    Ach,haben die Banken es wieder geschafft sich da rein zu quetschen,um auch mit zu verdienen.Wer hätte das gedacht.
    Ich habe diese Mischpoke sowas von satt!

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