Analyse: Geldmarktfonds werden bei Banken nervös

Analyse: Geldmarktfonds werden bei Banken nervös

, aktualisiert 29. November 2011, 12:40 Uhr
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Das Firmengebäude von DWS Investment in Frankfurt.

Quelle:Handelsblatt Online

Anstatt sich untereinander Geld zu leihen, parken die Banken überschüssige Gelder bei den Notenbanken. Die Folge: Geldmarktfonds prüfen die Institute immer genauer, verlangen Sicherheiten und kürzen Laufzeiten.

FrankfurtDie Schuldenkrise trocknet immer mehr Finanzierungsquellen der Banken in den besonders betroffenen südeuropäischen Ländern aus. Nach den US-Geldmarktfonds drehen nun auch die europäischen Pendants den Hahn zu - ganz, ganz langsam zwar und keineswegs in derselben Dimension. Doch kritischer als früher prüfen sie allemal, wem sie ihre Euros geben, für wie lange und gegen welche Sicherheiten. Vor allem Geldhäuser aus Italien und Spanien haben es zunehmend schwerer, die mächtigen Investoren zu überzeugen.

Zu ungewiss ist, wie tief sie mit im Schuldensumpf stecken. Das Geld wandert stattdessen in die nordeuropäischen Länder. Am deutlichsten wird Deutschlands größte Publikumsfondsgesellschaft DWS : „Wir haben die Laufzeiten zurückgefahren und lassen uns unser Geld stärker besichern“, sagt Anleihe-Experte Stefan Kreuzkamp.

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Auch Geldmarktfondsmanager anderer Häuser geben hinter vorgehaltener Hand zu, seit einiger Zeit genauer hinzuschauen. Für die Banken ist das keine gute Nachricht, denn ihnen könnte ein weiterer Baustein in der Kapitalbeschaffung wegbrechen. „Da die unbesicherte Refinanzierung tot ist, können größere Summen de facto nur bei der EZB abgeholt werden“, sagt ein Bankmanager in Deutschland. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Banken in der Euro-Zone bereits eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden. Ein Ende der für die Branche dringend nötigen Hilfen ist nicht in Sicht.

Untereinander leihen sich die Häuser nur noch ungern Mittel, sondern parken überschüssige Gelder trotz der niedrigen Verzinsung lieber bei der Notenbank. Anleihen mit Laufzeiten über zwei Jahren sind derzeit kaum platzierbar, der Kampf um Einlagen ist voll entbrannt. Der Bankenverband schlägt schon länger Alarm: „Die alles entscheidende Frage für die Banken in den nächsten Jahren ist: Woher kommt das Geld?“, mahnte Präsident Andreas Schmitz erst in der vergangenen Woche wieder.

Die von Vermögensverwaltern aufgelegten Geldmarktfonds für private und institutionelle Anleger galten lange Zeit als verlässliches Schmiermittel. Allein in Europa verwalten sie gut eine Billion Euro. Die Fonds stecken Investorengelder in vergleichsweise sichere, kurzfristige Anlagen. Das können Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit sein. Die Fonds stellen aber eben auch Banken Liquidität zur Verfügung. Als im Sommer bekannt wurde, dass US-Geldmarktfonds ihr Engagement bei europäischen Geldhäusern deutlich zurückgefahren haben, sorgte das sofort für Unruhe am Markt. Spekulationen, wonach von der Einschränkung der Dollar-Liquidität vor allem französische Institute wegen ihres starken Engagements in den Schuldenstaaten betroffen waren, ließen die Aktien von BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole in den Keller rauschen.


Skandinavien hui, Italien pfui

Nach Berechnungen der Ratingagentur Fitch bauten die zehn größten US-Geldmarktfonds ihr Engagement in europäischen Banken seit Mai um 42 Prozent ab. Stattdessen zogen sie sich auf den Heimatmarkt zurück und kauften wieder mehr US-Staatsanleihen. Diesseits des Atlantiks sprang stattdessen die EZB in die Bresche - und unterstützt die europäischen Institute seither bei der Beschaffung von Dollar für ihre US-Geschäfte.

Ein derart radikaler Stimmungsumschwung sei bei den europäischen Geldmarktfonds zwar noch nicht zu spüren, sagt Fitch-Analystin Charlotte Quiniou. „Wir stellen allerdings fest, dass die europäischen Fonds anfangen, ihre Gelder umzuschichten.“ Der Trend geht von Süden nach Norden. Nicht nur bonitätsstarke staatliche Institutionen bekommen relativ problemlos kurzfristige Liquidität gestellt, sondern auch nordische Banken. Das zeigt sich in der Ländergewichtung: Spanien und Italien sind laut Fitch-Daten nach unten gerutscht, skandinavische Staaten ein Stück nach oben. An der Spitze halten sich seit September Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Frankreich hat allerdings eine Sonderstellung: Es ist der größte Geldmarkt Europas.

Auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat die nordischen Banken als sicheren Hafen für sich entdeckt, wie Fondsmanager Kreuzkamp erläutert. Daneben haben die von den Regulierern weltweit als systemrelevant eingestuften Institute (Sifis) nach seinen Worten gute Karten, von der DWS noch Geld ohne Sicherheiten zu bekommen. Überwiegend zumindest. Im Einzelfall werde genau geprüft. Zu den 29 Sifis rund um den Globus zählen aus Deutschland auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Das Risiko bei systemrelevanten Banken ist überschaubar, denn im Krisenfall werden sie vom Steuerzahler gerettet. Die DWS begründet ihre neue Linie damit, dass sie Volatilitäten in den Geldmarkt-Portfolios der Kunden vermeiden will. In der heutigen Zeit zögen institutionelle Anleger schnell mal einige Milliarden ab, was keine Fondsgesellschaft gebrauchen könne. Alle anderen Banken müssen bei der DWS inzwischen Sicherheiten hinterlegen - zum Beispiel Staatsanleihen mit dem Bonitätssiegel „AAA“. Nur: Auch davon gibt es immer weniger.

Quelle:  Handelsblatt Online
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