Anlage im Zinstief: Dividenden-Regen statt Strafzinsen

Anlage im Zinstief: Dividenden-Regen statt Strafzinsen

, aktualisiert 03. Dezember 2014, 15:52 Uhr
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Im kommenden Frühjahr dürfte die Summe der Dividenden auf 29,6 Milliarden Euro steigen - Anleger dürfen sich auf einen so hohen Geldregen wie noch nie freuen.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Die Negativzinsen bei Banken haben eine ganz andere (Neben-)Wirkung: Börsennotierte Unternehmen werden laut Experten höhere Dividenden ausschütten. Mit welchen Produkten Anleger von diesem  Geldregen profitieren können.

DüsseldorfRobert Halver hat eine klare Meinung zur Geldanlage. „Ich habe mein Zinsvermögen längst auf ein erträgliches Maß gestutzt“, sagt der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Denn die Strafzinsen, die von ersten Banken erhoben werden, lassen ihn nicht nur real, sondern auch nominal „verarmen“. Doch für ihn gibt es Alternativen: „Ich nutze den Dividendeneffekt bei Aktien: Die hohen Ausschüttungen lege ich immer wieder an und an und an….“

So wie Robert Halver geht es vielen Anlegern. In Zeiten von Minizinsen oder sogar Strafzinsen bei Banken sind Dividenden gefragt. „Die Vorliebe der Investoren für Dividenden ist im derzeitigen Nullzinsumfeld so ausgeprägt wie noch nie“, lautet das Ergebnis einer Umfrage des Analysehauses Sentix. Hingegen würden Anleger Aktien kaum noch aus dem Motiv der Kurssteigerungen heraus kaufen.

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Bemerkenswert sei zudem, dass der Indikator in diesem Jahr untypischer Weise auch nach Ablauf der Dividendensaison weiterhin eine starke Vorliebe der Anleger für Ausschüttungen signalisiert hat. Laut der Sentix-Studie ist im laufenden Halbjahr diese Präferenz nun sogar so ausgeprägt wie noch nie.

Die Negativzinsen der Banken haben außerdem noch eine ganz andere Wirkung. „Das Risiko, bei den Banken Strafzinsen zu zahlen, wird die Firmen animieren, mehr Geld auszuschütten“, erklärt Andreas Hürkamp, Aktienexperte der Commerzbank, den Trend. So rechnen Experten mit deutlich höheren Dividendenzahlungen. Denn die Dax-30-Unternehmen haben schon jetzt rekordverdächtige 138 Milliarden Euro auf der hohen Kante - und bekommen dafür kaum noch Zinsen.

Der Anlagenotstand treibt die Konzernchefs zu einer einfachen Lösung: Von den eigenen Gewinnen wird weniger einbehalten und mehr ausgeschüttet. Im kommenden Frühjahr dürfte die Summe der Dividenden auf 29,6 Milliarden Euro steigen - so viel wie noch nie. Während die Nettogewinne um fünf Prozent zulegen, wachsen die Dividenden doppelt so stark.

Und nicht nur in Deutschland, auch weltweit dürften die Ausschüttungen im nächsten Jahr ansteigen: „Trotz der ungewissen Aussichten für die Weltwirtschaft erwarten wir, dass auch 2015 ein gutes Dividendenjahr wird“, prognostiziert Alex Crooke vom britischen Fondshaus Henderson Global Investors.


Die besten Investmentfonds

Natürlich ist solch ein Investment auf Aktien mit hoher Ausschüttung kein direkter Ersatz für Tages- oder Festgeld. Aber als Portfoliobausteine bieten sich Aktien mit hohen Dividendenrenditen an. Denn die bieten ein besseres Verhältnis von Renditechance und Stabilität als andere Aktien. So zeigt eine aktuelle Studie der Vermögensverwaltung Fidelity: Auch wenn die Firmen einen kleineren Teil ihres Gewinns für künftige Projekte zurückstellen - Aktien mit traditionell großzügiger Rendite entwickeln sich besser als der Gesamtmarkt.

Doch in welche Produkte sollen Anleger, die breit gestreut investieren wollen, kaufen? Investmentfonds, Indexfonds oder Zertifikate?

Indexfonds haben den Vorteil, dass sie kostengünstig sind. Allerdings haben sie den Nachteil, dass sie halt nur den Index nachbilden. Und das kann sich in manchen Börsenphasen negativ auswirken. Beispielsweise im Jahr 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Damals waren viele Bankaktien mit ihrer hohen Dividendenrendite in entsprechenden Dividenden-Auswahlindizes vertreten.

Doch als die Kurse der Banken einbrachen, zogen sie die Indexfonds mit in den Keller. Erst als die Dividenden gekürzt wurden, flogen die Papiere aus diesen Indizes. Der Nachteil für die Anleger: Als sich die Kurse wieder erholten, profitierten sie davon nicht.

Deswegen kann es sich für Anleger lohnen, einen Blick auf die zunächst teuren Investmentfonds zu werfen. Die Manager der aktiven Dividendenfonds suchen nach Aktien von Unternehmen, die möglichst schon seit langem hohe Dividenden zahlen oder deren Ausschüttungen künftig steigen könnten. Ganz billig sind Dividendenfonds allerdings nicht. Die Ausgabeaufschläge liegen bei bis zu fünf Prozent, hinzu kommt die jährliche Managementgebühr. Das muss der Fondsmanager erst mal reinholen.

Anleger sollten einen Performanceindex wählen. In diesen Index werden die Dividenden eingerechnet – im Gegensatz zum Kursindex. Selbst Dividendenindizes wie den DivDax gibt es in beiden Varianten. Der ComStage ETF DivDAX (ISIN: LU0603933895) etwa setzt auf den Performanceindex, der iShares DivDAX (ISIN DE0002635273) dagegen auf die Kursindex-Variante. Dem ETF sieht man das auf den ersten Blick nicht an. Das macht sich in der Kursentwicklung auch schon bemerkbar.


Zertifikate mit aktiver Aktienauswahl

Insgesamt sind 25 ETFs mit einer Dividendenstrategie an der Börse in Frankfurt gelistet. Sie vollziehen die Wertentwicklung der unterschiedlichsten Dividendenindizes nach. Das sind neben dem DivDax beispielsweise der Euro Stoxx Select Dividend 30, der S&P US Dividend Aristocrats oder der MSCI Europe High Dividend.

Interessant für Anleger ist auch, was mit den jährlichen Ausschüttungen passiert. Aktive wie passive Dividendenfonds gibt es in der thesaurierenden wie ausschüttenden Variante. Wählt der Anleger einen thesaurierenden Fonds, werden die Ausschüttungen wieder angelegt und er profitiert vom Zinseszinseffekt.

Eine weitere Variante sind Zertifikate. Das sind zwar im Gegensatz zu den Investmentfonds oder ETFs, die als Sondervermögen praktisch kein Ausfallsrisiko besitzen, Inhaberschuldverschreibungen, vereinfacht gesagt Anleihen. Wird die Bank hinter dem Anlagezertifikat insolvent, ist es wertlos. Im Gegenzug bieten die Banken aber Produkte an, die andere Strategien beim Umgang mit Dividendenwerten bieten.

Bei dem Dividendenstrategie-Indexzertifikat der Commerzbank (ISIN: DE000CZ34QZ0) gibt es beispielsweise einen mehrstufigen Auswahlprozess. Ausgewählt werden Aktien aus dem Euro Stoxx 50, die eine hohe Dividendenrendite ausweisen und ein attraktives charttechnisches Bild liefern.

Zudem wird bei den Sektoren und Ländern diversifiziert, damit es kein sogenanntes Klumpenrisiko gibt, also kein Sektor oder kein Land ein zu großes Gewicht innerhalb des Indexes hat. Aktuell sind Werte wie Allianz, Siemens, Eni und BMW in dem Basket. Seit dem Start Ende Januar 2012 stieg das Zertifikat bislang um 46 Prozent.

Bis zum Freitag dieser Woche (5. Dezember) befindet sich das Zertifikat der Bank Vontobel auf den Solactive European High Dividend Low Volatility-Index (DE000VZ7HDL4). Die Idee hinter dem Index: Er soll die Wertentwicklung von großen Unternehmen mit nachhaltigem Dividendenwachstum abbilden, die ein geringes Risiko haben. Die Selektion erfolgt anhand der Kriterien Marktkapitalisierung, stets ein Gewinn pro Aktie, positives jährliches Dividendenwachstum in der vergangenen fünf Jahren und niedrige Volatilität (Schwankungsbreite) als Kriterium für geringes Risiko.

Der Index umfasst beim Start 20 Mitglieder, die an den Anpassungstagen zu gleichen Teilen gewichtet werden. Dazu gehören Unternehmen wie British American Tobacco oder Statoil. Der Index wird einmal jährlich adjustiert. Die Dividendenausschüttungen werden reinvestiert. Die Managementgebühr liegt bei 1,2 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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