Anlagestrategie: Der Charme des Index

Anlagestrategie: Der Charme des Index

, aktualisiert 20. November 2011, 13:22 Uhr
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Die vergangenen Monate an den Märkten waren turbulent, die Börsenbarometer schwankten heftig.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Die wenigsten Fondsmanager schlagen dauerhaft ihren Vergleichindex. Aktiv gemanagte Fonds sind deshalb "ein gewisses Glückspiel", meinen Experten. Das ist nicht der einzige Grund, warum Anleger zu Indexprodukten greifen.

DüsseldorfDie wenigsten Fondsmanager schlagen ihren Vergleichindex – schon gar nicht dauerhaft, also Jahr für Jahr. In turbulenten Börsenzeiten scheint es für die Anlageprofis sogar besonders schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine aktuelle Auswertung des Researchhauses Feri Eurorating für die ersten neun Monate dieses Jahres macht es deutlich:  In einer Hitliste mit 36 Anlageschwerpunkten führen elf Mal  börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) in ihrer Konkurrenzgruppe. Damit hat kein aktiv gemanagter Fonds besser abgeschnitten als das Indexprodukt.

Keine Ausnahme, wie Experten wissen. „Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass nur wenige Fondsmanager nach Kosten ihre Benchmark schlagen“, sagt Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und Experte für Anlageprodukte. „Damit ist es für Anleger ein gewisses Glücksspiel, wenn sie auf aktiv gemanagte Fonds setzen.“ Schließlich würden sie auch das Risiko eingehen, dass der Fonds viel schlechter abschneidet als der Markt.

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Das kann schnell passieren, vor allem wenn die Märkte so extrem schwanken wie in den vergangenen Monaten. In diesem Jahr mussten die Verwalter schon mit mehreren Wenden am Aktienmarkt fertig werden: Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ging es an den Börsen kräftig bergab, es folgte eine Erholung, bevor die eskalierende Euro-Schuldenkrise die Märkte im August ein weiteres Mal abstürzen ließ, die anschließende zweite Erholungsphase könnte nach der Ankündigung des griechischen Volksreferendums auch schon wieder beendet sein.  Mit jeder Wende steigt die Gefahr von Fehlentscheidungen.

Mit Indexprodukten – ob ETF oder auch Indexzertifikat – erzielen Anleger zumindest die Kursentwicklung des zugrunde liegenden Börsenbarometers. Wer sich die Anlageentscheidung nicht selbst zutraut, für den ist aktives Management mit ETFs eine Alternative. „Vermögensverwalter übernehmen dabei die strategische Ausrichtung des Portfolios, also die Länder- und Branchenallokation, investieren aber in passive Indexfonds“, erklärt Faust.


Rentabel, transparent, günstig

Indexprodukte haben viele Vorteile: Sie sind nicht nur überraschend rentabel – Dax und Dow Jones haben beispielsweise in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche jährliche Performance von fast sieben Prozent geliefert –  sondern auch transparent. Die Indexentwicklung und seine Zusammensetzung können Anleger jederzeit nachvollziehen.

Ein weiterer Pluspunkt:  ETFs kosten vielfach nur ein Zehntel der Gebühren von aktiv gemanagten Fonds, Indexzertifikate sind sogar noch billiger. „Der Kostenvorteil der Zertifikate ist allerdings relativ gering“, sagt Faust. „ETFs auf große, bekannte Indizes wie den Dax haben schließlich nur minimale Managementgebühren von 0,15 Prozent pro Jahr.“ Ein Argument, das Dominik Auricht, Experte für Wertpapier-Anlagelösungen der HypoVereinsbank onemarkets nicht gelten lässt. Zertifikate auf große, sehr liquide Indizes gebe es schließlich bei einigen Anbietern sogar umsonst – ganz ohne Gebühr und auch ohne Spread.

Grundsätzlich gilt: Je geringer die Kosten einer Anlageform, desto weniger schrumpft die Rendite.  Und die Rendite vieler Indizes kann sich sehen lassen – vor allem langfristig. Wer vor 20 Jahren auf die deutschen Standardwerte gesetzt hat, kann sich mittlerweile über eine Rendite von 275 Prozent freuen, auf Sicht von zehn Jahren sind es gut 30 Prozent. Legten Anleger allerdings vor fünf Jahren Geld in ein Indexprodukt auf den Dax an, dann haben sie gut fünf Prozent ihrer Anlagesumme verloren. Auf den ersten Blick eine enttäuschende Entwicklung, doch viele aktiv gemanagte Fonds schnitten viel schlechter ab.

Auf der Gewinnerseite sind Investoren, die auf den Boom in den aufstrebenden Schwellenländern gewettet haben: Um fast 250 Prozent legte der MSCI Emerging Markets zu – sowohl auf Sicht von zehn als auch von zwanzig Jahren. In den vergangenen fünf Jahren erzielten Anleger immerhin noch ein Plus von fast 15 Prozent.


Hohe Risikostreuung

Indexprodukte sind gefragt: Immer mehr Anleger entdecken die noch recht junge Anlageform ETF. Die Produktpalette wächst stetig. An der Frankfurter Börse sind mittlerweile 878 Indexfonds auf Aktien, Anleihen und auch Rohstoffe notiert – Tendenz steigend.  Auch Indexzertifikate sind fester Bestandteil in den Depots der Deutschen. Gut sechs Prozent des Marktvolumens aller Zertifikate entfällt nach Angaben des Deutschen Derivateverbands auf diese Produkte.

Hinzu kommen andere Zertifikate, wie beispielsweise Bonus- oder Discountpapiere, mit einem Index als Basiswert. „Je schlechter und turbulenter die Marktlage, desto stärker werden Indizes gehandelt“, sagt Auricht von HypoVereinsbank onemarkets. „In guten Börsenphasen greifen Anleger hingegen eher zu Einzelaktien – dann gibt es eher eine gute Story.“

Doch wer nur auf einige Einzelwerte setzt, geht ein hohes Risiko ein. Der Anlageerfolg hängt von der Entwicklung einiger weniger Papiere ab – positiv wie negativ. Klumpenrisiko nennen Experten das. Indexinvestments streuen dieses Risiko. Mit nur einem Produkt investieren Anleger in Duzende, teilweise sogar Hunderte Aktien. Der MSCI World beispielsweise bildet die Wertentwicklung von mehr als 800 Aktien aus mehr als 20 Ländern nach.

„Je kleiner das Portfolio ist, desto desto besser können Anleger mit Indexprodukten diversifizieren“, sagt Auricht. „Denn mit wenigen Produkten lässt sich das Geld maximal streuen.“  Drei Indizes – nämlich der S&P 500, der Euro Stoxx und der Nikkei – bilden 90 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab. Mit nur drei entsprechenden ETFs oder Zertifikaten lasse sich damit fast die ganze Aktienwelt nachbilden – allerdings ohne die Emerging Markets.


Eine Frage des persönlichen Geschmacks

Anleger stehen vor der Frage: börsengehandelter Indexfonds oder Zertifikat? „Es ist Geschmackssache, ob ein Anleger lieber in Indexfonds oder Zertifikate investiert, ob ihm die Emittentensicherheit des ETFs oder der Kostenvorteil des Zertifikats wichtiger ist“, sagt  Auricht von HVB onemarkts. Anlageexperte Faust von der Frankfurt School of Finance rät Anlegern grundsätzlich zu ETFs. „Zertifikate sind immer dann interessant, wenn ein Anleger eine konkrete Meinung zur Marktentwicklung in den kommenden Wochen oder Monaten hat, die er dann mit Discount-, Bonus- oder Short-Zertifikaten spielen kann“, sagt Faust. Auf fallende Kurse können Anleger allerdings auch mit ETFs setzen, die ebenfalls in einer Short-Variante angeboten werden. „Für die meisten Anleger ist die ETF-Welt bunt genug, das reicht meist aus“, so Faust.

Ob bunt genug oder vielleicht sogar zu bunt - die Auswahl bei Zertifikaten ist wesentlich größer als bei Indexfonds. Sind die Märkte, in die investiert werden soll, allerdings zu klein, bleibt nur das Zertifikat. Denn das Geld der Anleger fließt nicht direkt in den Markt. So kann auch mit größeren Summen auf relativ kleine, illiquide und exotische Indizes gesetzt werden. Da Zertifikate keine laufenden Kosten verursachen, können Anbieter auch Papiere mit geringem Volumen laufen lassen. ETFs brauchen eine gewisse Größe, sonst lohnt sich das Geschäft für den Anbieter nicht.

„Auf Themen wie Social Media oder die Mongolei wird es wohl nie ein ETF geben, Zertifikate gibt es aber bereits“, so Auricht. Gerade solche Papiere und Investmentideen sind es aber, die viele Experten kritisieren. Zu klein, zu ausgefallen, zu speziell, heißt es dann. Die Emittenten halten dagegen. Von Wildwuchs will auch der Professor aber nicht sprechen. „Jeder Anleger entscheidet selbst, ob er ein Papier oder einen Index interessant findet oder nicht“, sagt Faust.

Quelle:  Handelsblatt Online
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